Zieleinfahrt im Leoparden Trikot als HakunaMatataRacingTeam
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Eschborn-Frankfurt

Eschborn-Frankfurt, der Radklassiker. Seit 1962 auf dem Rennkalender der Profis, damals hieß es noch „Rund um den Henninger-Turm„, mittlerweile starten die Männer zum 63. Mal, ein Frauen Elite Rennen gab es bisher nicht, aber seit – ich glaube – 18 Jahren steht der 1. Mai auch für Jedermänner und Frauen im Rennkalender. Dieses Jahr machten zwei Leoparden den Taunus unsicher! Christian und ich gingen für unser Hakuna Matata Racing Team an den Start!

Prolog

Leoparden, bekannt für die schnelle Jagd, sparen sich natürlich die Anreise am Vortag. Manch ein Leopard tanzte sogar noch in den Mai. Schlaf wird überbewertet!

Ich will nix verraten, aber ich war nicht tanzen, müde war ich trotzdem und am Feiertag um 4:00 Uhr aufstehen mache ich üblicherweise nicht. Nicht mal fürs Radfahren. 4:30 Uhr stand Ricardo vor meiner Tür und gab mir sicheres Geleit. Er war zufällig in der Gegend da er gerade für seine 24h Einzelfahrt bei Rad am Ring die Nachtfahrt simuliert und schon 5 Stunden auf dem Rad saß (am Ende 232km, 2437hm, 8h Fahrzeit). Um 5 Uhr war der Partybus von Christian geladen und wir bereit zur Abfahrt… Frankfurt wir kommen!

7:15 Uhr kamen wir am Main-Taunus Zentrum 5km vor Eschborn an. Der Event Parkplatz fast so groß wie unsere Vorfreude. Umziehen, Trinkflaschen füllen, Gels und Trikot, aufsatteln und Abfahrt zum Start…

Ah Moment, im Wagen neben uns gab es noch ein Defekt. Durchstich so kurz vorm Start. Zum Glück Tubeless. Man hilft sich natürlich, die Scherbe wollte allerdings nicht raus. Die Dichtmilch tat ihr Werk, es gab noch ne Ladung Luft und mit der Zuversicht „der Reifen hält“ ging es dann für alle los. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

Randnotiz: der Reifen hielt.

Vom Parkplatz ging es über ruhige Feldwege durchs Grüne auf bestens ausgeschilderter Strecke nach Eschborn. Perfekt um sich etwas warm zu fahren.

In Eschborn sahen wir die Schlange an der Startnummernausgabe und dachten erst es wird knapp, aber es ging richtig flott. Nummer ans Trikot, Rad und Helm. Schnell noch ein Bierchen (alkoholfrei) -Druckbetankung ist einer unserer Paradedisziplinen – und dann rollten wir auch schon in den Startblock 2.

Abfahrt!

Um 8:45 Uhr ging es zackig los, große Straßen führten das Feld vom Start nach Frankfurt. Christian machte vorne richtig Dampf und ich fuhr hinterher. Die ersten 20 Minuten mit 45kmh im Schnitt und Zack biste in Frankfurt. Viel gesehen von Frankfurt habe ich nicht, es ging links, rechts, links, über den Main und wieder über den Main. Sightseeing war nicht drin. Fokus aufs Rennen, stressigste Phase überhaupt. Bloß nicht abräumen lassen und das schnelle Hinterrad halten. Erheblich angenehmer als bei Rund um Köln, aber gibt immer Leute die von rechts durchschießen, Lücken sehen wo keine ist, Kurvenlinien nicht halten. Nach der Kurve die Lücke aufgehen lassen, Flaschen die aus den Haltern flogen… was eine Hektik. Museumsufer, Blick auf Tacho 52km/h, 350 Watt. Ah okay, dachte erst 34km/h und schwere Beine 😉

Nach Frankfurt legte sich der Stress etwas, geballert wurde aber weiter. Mit den ersten Wellen streckte sich das Feld. Die Route führte durch Oberursel, es ging über den Marktplatz und das erste Kopfsteinpflaster Stück rüttelte das Feld wach.

Feldberg

So waren alle wachgerüttelt für den Feldberg. Feldberg… Was ein Name… Klingt wie kleiner Hügel sind aber 532 Höhenmeter allerdings auf 11,1 Kilometer mit einem Schnitt von 5% Prozent eine angenehme Steigung (Strava). Die letzten 1,5 Kilometer gibt es noch mal 1,5% gratis. Aber alles im gelben Bereich (4-7,9%) so das Wahoo Farbschema. Wäre man jetzt vorher die 35 Kilometer nicht schon so geballert, waren die Beine nicht so schwer, naja… Wäre wäre…. Heckenschere…

Christian und ich, artig wie wir nun mal sind, rollten den Feldberg hoch. Christian ist ja immer in guter Form, mit seinem Training für den Ironman Switzerland Thun ist er allerdings trotz Tanz in den Mai richtig stabil unterwegs! Das gibt Mut für die Zukunft, bin ich doch etwas jünger und nehme die Erkenntnis mit, Saufen und Ballern geht über 40 deutlich besser.

Apropos jünger, noch jüngere kamen uns zu Fuß entgegen. „nur noch drei Kurven“… „Haut rein, die andere Gruppe ist nur 5 Minuten vor euch“ … Neben mir Schmunzeln „ah danke, Gott sei Dank nur 5 und keine 6 Minuten“. Bei den Profis kann man die Gruppe 7 Minuten oder mehr vorlassen aber im Hobbybereich fährt man so unorganisiert keine 6 Minuten zu.

Am Feldberg reichte André Greipel einem das Wasser, also mir konnte er es nicht reichen, wie auch, ich fuhr ja auf der anderen Seite der Fahrbahn… Christian hielt an der Verpflegungsstationen am Gipfel, ich dann auch. Eigentlich wollte er nur ein Foto machen, aber dann war ich doch schneller da als gedacht… die Jugend von gestern! Die Mädels boten uns fast alles an, Gel, Riegel, Bananen, Wasser… Wasser in Glaslaschen war mir irgendwie suspekt, wirft man die dann hinter sich auf die Straße? Kam allerdings nicht auf die Idee das in die Trinkflasche zu füllen… Also zwei Gels und weiter!

Vom Feldberg ging es wieder auf großen Straßen runter. Die Abfahrten ein Traum, bis auf eine Haarnadelkurve, alles sehr schnell zu fahren. In der Kurve hatte ich das Gefühl hier bremsen alle etwas mehr als vor der Kurve gedacht.

Die Leute standen an der Strecke, Groß und Klein, Jung und Alt. Großartig Stimmung, super Support vom Streckenrand. Alpenhorn, Blaskappelle, Mülltonnen oder die klassischen Ratschen und Kuhglocken es würde richtig Alarm gemacht.

Wellenreiten im Taunus

Die Strecke war jetzt welliger, Kittelhütte (1,2km, 5,8%, Strava), Oberems (3,9km 3,3%, Strava), Glasshütten (1,5km, 4,7%, Strava). Christian arbeitete viel vorne in der Führung und war auch Mal etwas weiter weg. Aber er hatte nicht nur gute Beine, sondern auch immer ein Blick nach hinten, so fanden wir uns immer wieder. Die Abfahrt teilweise mit bis zu 80 km/h durch putzige Ortschaften. Diese digitalen Geschwindigkeit Messeanlagen leuchteten panisch rot und traurige Smileys strahlten uns entgegen.

In Eppstein wartete nach 71 Kilometern das nächste Kopfsteinpflaster. Mit etwas mehr Schuss als beim ersten Mal ging es durch schmale, schöne urige Gassen über 600m richtiges Kopfsteinpflaster. Flaschen flogen durch die Gegend, ketten tanzten Quick Stepp. Ich hatte mit meinen 25mm Tubular ohne Handschuhe etwas Sorge, dass aus dem Laktat in den Beinen Sahne oder gar Butter wird.

Die Idee in den Gruppen war oft, jemanden finden der Führungsarbeit macht. Oft hieß derjenige Christian, ab und an habe ich mich auch Mal getraut… Dann wirst du überholt und dann hängt man entweder eingekeilt im Pulk und hat Probleme der eigentlichen Gruppe zu folgen oder man hängt hinten und dann wird es wieder langsamer. Ganz komisch. Bei so einem Geeier verlor ich nach 75 Kilometern Christian aus den Augen.

Mit etwas Abstand fuhren wir also durch die Dörfer, besonders lustig wenn die Zuschauer an der Strecke rufen „ah noch ein Leopard“. Generell viel Feedback zum Trikot „geiles Trikot“, „heißes Trikot“, „mega“, „ihr seht gut aus“, „Tiger“. Beim Tiger verdreht man schon gewohnt die Augen.

Merke
Der Tiger ist kein Leopard! Der Tiger hat Streifen, der Leopard Flecken.
Man nennt ein Leopard auch Panther.

Tiger vs. Leopard

Mammolshainer Laktat

Knapp 15 Kilometer später kam ich wieder an Christian ran, also eigentlich hat er etwas rausgenommen. Ich selbst hatte jetzt nicht nur Christian bei mir, auch erste Krämpfe im rechten hinteren Oberschenkel schlossen sich mir an… es zwickt fies. Im Sitzen viele Watt ins Pedal, da meldete sich der Muskel: „Ich glaub du spinnst! Weiter so und ich lass dich absteigen!“.  Ein Gel rein, oh… das Gel vom Feldberg war ja ein Riegel.. lecker… dann noch ein Gel von mir hinterher… das restliche Wasser trinken, alles rein! Leichteren Gang und wo es ging, im Stehen gegen den Krampf arbeiten.

Aber die Laune war gut, der Muskel sauer, aber noch mach ich hier die Ansage und nicht irgendein Muskel. Wie sagte Christian „heute ist kein Tag um zu sterben“. Recht hat er! Kurz vor Schluss bei Kilometer 90 wartete schließlich noch ein Highlight, Mammolshainer Berg, mit teilweiße richtig miesen Steigungsprozenten bis zu 18%. Das Filetstück 140m mit 16,6% im Schnitt…

Eine Wand! Aber gut, so fuhr das kleine Kettenblatt wenigstens nicht umsonst mit.

Ähnlich wie in Belgien bei Lüttich Bastogne Lüttich war die Kunst seine Linie zu finden in der man sein Tempo fahren kann. Bloß nicht stehen bleiben. Vor mir eierten zwei rum, links ging es schneller aber ich kam nicht rüber. Vom Streckenrad brüllten die Zuschauer einem die Motivation in die Beine. Herrlich!

Der letzte Anstieg war geschafft! Manch einer hat alles gegeben… am Ende des Anstiegs sah man ein paar verzweifelte Gesichter am Streckenrand. Einer der Teilnehmer hatte sich so richtig auskotzt, ich dachte mir nur „Schade um all die Kohlenhydrate“. Getrunken hatte er auf jeden Fall genug.

Finale

Das Schöne, nach jedem Anstieg kommt eine Abfahrt, es wurde somit noch Mal schnell. Schnell schmolzen dann auch die verbleibenden Kilometer dahin. 5km knapp 50kmh im Schnitt. Tuff, Tuff, Tuff, die Eisenbahn! Die Erholung in der Abfahrt, reichte um noch Mal kurz vorne zu fahren und Christian aus dem Wind zu holen. Positiver Schmerz. Gott sei Dank kam die Gruppe zügig nach. Den letzten Kilometer haben wir etwas rausgenommen, so konnte wir uns wieder zusammenfinden und gemeinsam ins Ziel rollen.

Einer für alle, alle für einen! Zwei Leoparden machen Eschborn-Frankfurt unsicher

Jetzt erstmal Bier!

Im Zielbereich gab es reichlich Bier (alles alkoholfrei). Niko von DixSept rief mir zu, praktisch so ein auffälliges Trikot (ich erkenn ja die Leute eh schlecht wieder, daher gut, wenn andere mich erkennen). Kurz über das Rennen gesprochen, gemeinsam angestoßen und dann noch etwas länger mit Oliver, der mit uns in der Gruppe fuhr gequatscht. Auf dem Rückweg zum Parkhaus lief Christian noch Martin vom Cycling Club Düsseldorf in die Arme. Scuderia Südstadt, RTC DSD auch am Start. RSC Nierenheim ebenfalls. Die Creme de la Creme trifft sich in Frankfurt.

Epilog

Es ging wieder entspannt zurück zum Parkplatz.  Auto finden, umziehen, Räder im Auto verstauen und Abfahrt! Christian ging noch Mal in die Führung und fuhr die erste halbe Stunde, aber dann war seine Batterie endgültig leer! Wir wechselten und er machte die Augen zu…  Nach einer Stunde Schlaf und so einer Leistung völlig klar. Ich fuhr den Partybus sicher zurück in die Heimat. Einer für alle und alle für einen (hab mich extra im Rennen nicht so verausgabt 😉

In Düsseldorf dann beim Einparken zufällig noch Alex getroffen, schnell noch ein echtes Bier auf den genialen Tag und ab nach Hause.

Fazit

Bestes Wetter, schöne Strecke, geile Landschaft, nette Leute kennengelernt, mega Stimmung an der Strecke! Anreise am gleichen Tag hat gut geklappt, aber ein Abend vorher anreisen und dann besser schlafen ist auf jeden Fall eine Option fürs nächste Mal. Bestimmt nicht das letzte Mal Eschborn-Frankfurt!

Nackte Zahlen:

Kilometer: 103,03
Höhenmeter: 1418
Fahrzeit: 03:05:00
Geschwindigkeit (Durchschnitt): 33,4 kmh/h
Höchstgeschwindigkeit: 81,7km/h
Gewichtete Leistung: 260 Watt

Strecke auf Komoot

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Ötztaler 2021, Sonne, Regen, Schnee…

Prolog

Freitagnachmittag parallel zum Kindergeburtstag, Sachen rausgesucht, Tasche gepackt, Auto beladen. Sonntag ist der Ötztaler! Ein Blick aufs Wetter ließ mich alles einpacken von Kurz/Kurz bis Lang/Lang, selbst die Winterschuhe kamen in die Tasche.

Um kurz nach 21 Uhr geht es los, Nachtschicht auf der Autobahn. Knapp über 730km stehen auf der Uhr, im Radio läuft „Can’t stop“ von den Red Hot Chili Peppers. Auf geht es! Bis kurz hinter Stuttgart dort gönn ich mir nach 4 Stunden eine Pause.

Erstaunlich gut erholt geht es um 04:20 Uhr weiter, noch 290km bis zum Frühstück in Sölden. Um kurz nach 8 Uhr sitze ich mit Henning am Frühstückstisch.

Einrollen

Im Anschluss gleich das zweite Frühstück, auf dem Rad! Einrollen für Sonntag. Henning und ich fuhren einmal nach Vent und zurück. Herrliche Gegend, traumhaft schön. 36 Kilometer und 730 Höhenmeter. Wahrscheinlich zählt das hier noch als flach, zu Hause muss man so eine Strecke erstmal suchen!

Afterwork

Der Nachmittag war entspannt, Startnummern abholen, ein wenig durch Sölden schlendern und viel essen. Zwischendurch gönnte ich mir ein Nickerchen. Neben dem ständigen Blick aus Wetter, war auch die mögliche Streckenführung eine spannende Unbekannte. Es sah so aus als sorgt ein Felssturz im Kühtai dafür das die 40. Austragung des Ötztaler Radmarathon, wieder über die Originalstrecke mit einer Länge von 238 Kilometern und 5500 Höhenmetern führt. Pacing Sheet und Erfahrungen aus vorherigen Austragungen verloren somit an Bedeutung.

Fahrerbriefing

Nach dem Abendessen wurde das Fahrerbriefing im Fernsehen übertragen, der Wetterbericht, wenn auch sehr fröhlich von der Wetterdame vorgetragen, ließ nix Gutes erahnen. Regen schon am Start bei circa 4 Grad, in Italien Föhn über 20 Grad und auf dem Timmelsjoch Schnee… Wir tauschten die Klamotten, pinnten die Startnummer um. Guckten noch mal durch diverse Apps. Der Start wohl doch trocken, Regen erst am Nachmittag. Nur der Schnee auf dem Timmelsjoch der war scheinbar sicher. So tauschten wir erneut die Klamotten inkl. Startnummer.

Start

Um 4:30 klingelte der Wecker, anziehen, Kaffee, Frühstück, Blick aufs Wetter und noch Mal aufs Klo und dann ab in den Startblock. Eine Stunde vor dem Start hieß es warten, sich mit anderen Fahrern austauschen, die Atmosphäre genießen. Neben uns wurden die Heißluftballons eingeheizt und ganz langsam brach der Tag an. Alle hatten Bock, alle waren angespannt. 4 Grad, gefühlt kälter… Aber wenigstens war es wirklich trocken!

Sölden hinter sich lassen

Die Hubschrauber für die Live-Bilder waren gestartet. 6:45 Uhr es ging los, das Feld rollte, doch es kommt nicht weit. Ein Werbebanner liegt kurz hinter dem Start auf der Strecke. Erster Test ob alle aufmerksam sind war geglückt. Zügig ging es weiter. In den Ortschaften standen schon die ersten Zuschauer und feuerten uns an. Da Feld fuhr aufmerksam, Fahrbahnteiler wurden gut angezeigt und es ging flott bis nach Oetz.

Heiminger Sattel

Die Vermutung bestätigte sich, aufgrund eines Felssturzes, führte der 40. Ötztaler Radmarathon nicht direkt aufs Kühtai, sondern über Oetz auf den Heiminger Sattel zum Kühtai. Gute 10 Kilometer und 500 Höhenmeter extra. Die liebevolle lokale Aussprache „Heiminger Sattele“ trügt. 9,65 Kilometer 1009 Höhenmeter… wie heißt es auf Quäldich.de „ist auch für Tiroler Verhältnisse kein ganz leichtes Unterfangen“. Ich quälte mich diesen unrhythmischen Endgegner hoch. 11km/h, 12km/h, 8km/h… das Powermeter pendelt zwischen 250 und 280 Watt… ich glaub mein FTP ist irgendwo bei 235. Es wurde warm, erste Jacke auf. Kurze Zeit später das Trikot auf, die Handschuhe aus. Ich fuhr mein Tempo, möglichst gleichmäßig. Es tat weh, ich dachte den Ötztaler fahr ich niemals zu Ende.

Kühtai

Vom Heiminger Sattel kommt man auf die ursprüngliche Route. Eine kurze Abfahrt und dann folgt noch ein Anstieg. Das Orga-Team scheuchte die Kühe von der Straße, eine Frau feuerte uns an „gleich habt ihr es geschafft, der erste Berg“. Nur kam er nicht, der Gipfel. Vielleicht war ich zu langsam für ihr „gleich“, vielleicht meinte sie „mit dem Auto habt ihr es gleich geschafft“. Um kurz nach 9 Uhr passierte ich die Verpflegungsstation am Kühtai. Ich stoppte ein paar Meter dahinter, aß kurz ein Gel packte mich wieder warm ein und gönnte mir dann die Abfahrt runter nach Innsbruck. Die Abfahrt war, wie im Fahrerbriefing angekündigt, teilweise sehr schlecht und die angekündigten Weidegitter erforderten in der eigentlich nicht besonders anspruchsvollen aber durchaus schnellen Abfahrt etwas mehr Aufmerksamkeit.

Brenner

Vom Kühtai ging es nach Innsbruck, aus der Wildnis in die Stadt. Verpflegen, im Windschatten rollen und genießen. Selbst die Sonne blinzelte durch die Wolken. Das Gruppetto rollte auf den Brennerpass. Etwa 38 Kilometer 3-4% durchschnittliche Steigung. Nach den bisherigen Steigungen redet man sich ein es wäre flach! Erholung? Mir kamen die Worte in den Sinn „am Brenner brauchst du eine gute Gruppe“. Ein italienischer Fahrer machte das Tempo, 38kmh, wir wechselten ein paar Mal, doch außer uns beiden wollte keine mitmachen. Das Tempo fiel, man rollte so vor sich hin. Alle wollten Körner sparen. Am Ende brachte ich das Stück Innsbruck bis Brenner in 1:20 Stunden mit einem Schnitt von 28,4 km/h hinter mich. Nach insgesamt 120 Kilometern gönnte ich mir an der Labestation am Brenner neue Getränke, eine Kleinigkeit zu essen, motivierende WhatsApp Nachrichten aus der Heimat und eine Toilette.

Jaufen

Gestärkt und gut gelaunt ging es vom Brenner auf überwiegend breiten Straßen runter nach Sterzingen. Mit 50km/h im Schnitt schaffte man die 15 Kilometer in 17 Minuten. Schon stand man am Fuß des Jaufenpass. Nun hieß es wieder 15 Kilometer, allerdings bergauf. 1100 Höhenmeter mit durchschnittlich 7,5% Steigung. Ich nahm ein großer Schluck von der Trinkflasche und es ging weiter, was willst du auch machen, der kürzeste Weg nach Hause war genau dieser. Der Jaufenpass fühlte sich angenehm an, schön gleichmäßig durch den Wald. Gott sei Dank, denn in der Sonne war es schon elendig heiß. Ich fuhr mein Tempo, stur den Pass hoch. Das letzte Stück bis zur Verpflegungsstation am Jaufenpass hat man freie Sicht auf genau diesen, das motivierte – mich zumindest. Nach 1:45 Stunden war ich oben. An der Verpflegungsstation gab es Banane, Kuchen, Wasser, Gels… Quasi einmal Buffet. Schließlich warteten ja noch 70 Kilometer und ca. 1800 Höhenmeter auf mich.

Von der Verpflegungsstation ging es, welch eine Gemeinheit, ging es noch 100 Meter weiter hoch bis zum Gipfel. Doch dann folgt die Belohnung. Eine traumhafte Abfahrt, schnell aber auch technisch anspruchsvoller. Mit jeder Kurve wurde das Grinsen im Gesicht breiter und es waren einige Kurven.

Timmelsjoch

Am Ende der Abfahrt vom Jaufenpass bremste einen eine schöne enge 180 Grad Kurve, angefeuert von den Zuschauern wurde im Anschluss wieder kräftig in die Pedale gedrückt. Aus dem bergab wurde wieder mehr und mehr bergauf. Das Timmelsjoch steht auf dem Programm, der Endgegner vom Ötztaler? 29 Kilometer und läppische 1724 Höhenmeter. Man hat ja auch erst gut 190 Kilometer und knapp 4100 Höhenmeter in den Beinen. Aber es wäre nicht der Ötztaler, wenn es einfach gewesen wäre. Die zusätzliche Mini Verpflegungsstation am Fuß des Anstiegs sparte ich mir, geht ja auch auf Zeit hier, ist ja keine Kaffeefahrt. Es war elendig warm, das Tacho zeigt 29 Grad. Ich packte meine Weste in die Jacke, die Jacke hinten in die Bib. Handschuhe unters Trikot. Mein Plan war erst an der letzten Station „Schöne Aussicht“ zu stoppen. Also weiter! Der Tacho zeigte 11, 8, 9 km/h an. Ich versuchte gleichmäßig zu pedalieren.

Erinnerte mich wie ich auf dem Stück 2013 hier von Sölden kommend mit dem Stahlrenner runter bin. Ich kam zu dem Entschluss, runter ging es schneller. In Gedanken versunken, rief jemand meinen Namen. Simon! Wie geil, am Start nicht zusammengefunden, aber dann auf der Strecke. Mega! Wir quatschten uns die Höhenmeter in die Beine. Die Sicht auf das Timmelsjoch wurde offener, man sah wo man hoch musste. Simon sagte leicht witzelnd nur noch 2,5 Stunden.

Es ist der Wahnsinn, es sind doch nur noch 20 Kilometer. Man hört die Schaltungen ins Leere schalten, da ist kein kleinerer Gang mehr. Ich sagte zu einem unbekannten Mitfahrer „ist scheinbar ein größeres Problem hab jetzt schon mehrere getroffen die ähnliches Problem haben“. Man lachte, leicht verzweifelt. An der letzten Verpflegungsstation, war es Mal wieder Zeit für ne Toilette. 9 Stunden unterwegs, hauptsächlich Gels, da sagt der Magen auch gerne Mal „f#@k dich“. Ich gönnte mir Käsebrot, Banane, eine Suppe, Cola und füllte auch meine Flaschen wieder auf. Simon saß auf einer Bank, ich blieb stehen. Ich dachte, jetzt sitzen und ich steh erst wieder für den Besenwagen auf.

Noch 11 Kilometer und 750 Höhenmeter bis zum Gipfel. Weiter ging es. Das quatschen wurde weniger. Jeder konzentriere sich auf den Anstieg. Mal lagen ein paar Meter zwischen uns aber wir kamen immer wieder zusammen. Vor einer Kehre ploppte eine Bierflasche auf. Unverschämt. Die Streckenposten sauften. Simon ergatterte ein Schluck und mit neuer Energie ging es gleich viel einfacher weiter, bestimmt! Das Wetter wurde schlechter, es fisselte. Der Wind blies kalt um die Ohren. Am Tunneleingang vor dem Gipfel zogen wir uns die letzten Klamotten an. Der Tunnel führte in eine andere Welt. Auf der österreichischen Seite wartete schlechtes Wetter auf uns. Doch es war geschafft, um kurz nach Fünf, passierten wir den Gipfel auf 2488m. Schneeregen von oben und eine ganz leichte Schneeschicht auf der Straße. Es war nass, es war kalt. Aber es war geschafft!

Nach kurzem Foto-Stopp, ging es runter ins Ziel nach Sölden. Ich fuhr gemäßigt bergab. Vor mir ein Fahrer als Orientierung, bis diese plötzlich die Kontrolle über sein Rad verlor und nur mit viel Mühe und Geschick nicht in die Mauer knallte. Ich war erschrocken. Nahm noch etwas mehr raus. Ich dachte mir, sich so kurz vorm Ziel noch lang machen, das muss nicht sein. Es geht um nix, Hauptsache ankommen! Nach einer schönen, aber dieses Mal sehr nassen Abfahrt kam der gerne vergessene Gegenanstieg hoch zur Mautstation. 2,5 Kilometer, 110 Höhenmeter. Das tat richtig weh. Mental war das Ziel der letzte Gipfel und dann so ein Gegenanstieg. Verflucht! Aber Zähne zusammenbeißen und dann war dieser auch geschafft. Von der Mautstation ging es nur noch runter, es war nass und kalt aber gleich geschafft. Das letzte Stück ab Zwieselstein führte auf der gleichen Route wie der Rückweg von Vent, man kannte die Strecke und konnte laufen lassen.

Zielsprint

Es roch nach Ziel, die Füße standen im Wasser, der Regen prasselte auf mich ein. Ich überholte noch schnell das Auto der Organisation und fuhr auf die Zielgerade. Kuhglocken, Jubel von Zuschauern. Noch 500m… Vollgas… Eieieiei sind 500m lang, ich strecke die Siegerfaust in die Kamera und erreiche das Ziel nach 11:12 Stunden!

Im Ziel wartete schon Simon, wir fielen uns in die Arme. Was war das für ein Tag, hart, härter Ötztaler! Unglaublich was man da hinter sich gebracht hat. Der Radcomputer zeigt 236,64 Kilometer, 5585 Höhenmeter 204 Watt (NP), 10 Stunden und 17 Minuten in Bewegung (23 Km/h), insgesamt 11 Stunden und 13 Minuten zwischen Temperaturen von 3 bis 29 Grad unterwegs!

Epilog

Zurück im warmen, trockenen Hotel wartete bereits Henning. Er war etwas flotter und fuhr mit 09:04:35 auf den 208. Platz! Wahnsinn! Aber dafür verpasste er den Regen. Wir tauschten uns aus, wie lief es am Sattel, wer litt wo, wie war die Gruppe am Brenner, wann schlug das Essen auf den Magen… Geduscht und aufgewärmt ging es zusammen mit Ronny ins Vaya den Abend kulinarisch ausklingen lassen.

Fazit

Der Ötztaler ist jede Pedalumdrehung wert. Selbst ohne den perfekt organisierten Radmarathon ist die Region traumhaft schön. Das zu erleben, wenn Sölden zum Radsport Mekka wird, mit gesperrten Straßen, Verpflegungsstationen und vielen anderen „verrückten“ Radsportlern, kann ich jedem empfehlen! Eine großartige Herausforderung! Ich selbst würde mich bei meinem nächsten Ötztaler besser vorbereiten, dies war aufgrund der knappen Zusage, zwei Monate vorher nicht wirklich möglich. Trotzdem Danke Henning, für das Überreden, ich habe es nicht bereut! Bei der Klamottenfrage würde ich in Zukunft wohl anders entscheiden und eher weniger als zu viel mitnehmen. Aber wenn man eins nicht planen kann, dann ist es das Wetter, vor allem beim Ötztaler!

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A day in Hell

Rapha lädt anlässlich Paris-Roubaix zum „A day in Hell„. Gravel, Kopfsteinpflaster, gebrauchter Asphalt, leiden wie die Profis nur direkt vor der Haustür. In über 30 Städten rund um die Welt wird „A day in Hell“ zelebriert. Bei uns in Düsseldorf hat sich Rapha mit der Schicken Mütze verbrüdert. Laden, Werkstatt, Radcafe. Eine Institution in Sachen Radsport in Düsseldorf.

Schicke Mütze, (c) Kerstin Kortekamp
Die Schicke Mütze von innen (c) Kerstin Kortekamp

Ich habe relativ kurzfristig von der Aktion Wind bekommen und dachte, oh ja da musst du mit machen. Corona konform, alleine aber doch irgendwie zusammen mit allen anderen die sich am vergangenen Wochenende auch ein Tag in der Hölle gegönnt haben. Der von Rapha ausgerufene 11. April passte mir nicht, aber man munkelte ein Starten rund um das Wochenende sei in Ordnung. So dachte ich, fährst du mal am Freitag und guckst ob die Strecke frei ist.

111 Kilometer und gut 2080 Höhenmeter auf „miesen kleinen Seitenstraßen, geschotterte Wald- und Feldquerungen und mehr schlecht als recht asphaltierte Wirtschaftswegen“ (Zitat Schicke Mütze) lockten mich.

Um halb 9 ging es los, direkt vor der Haustür, in Grafenberg, wartete an der Rennbahn der erste mir gut bekannte Anstieg. Allerdings, wie sich später heraus stellte, nicht die Fahneburgstraße hoch, sondern parallel den Roländer Weg. Egal, so oder so, die ersten gut 60m bergauf, nur noch 2020 Höhenmeter!

Kurz darauf ging es auf feinstem Gerresheimer Parkett durch den Ortskern von Gerresheim und dann auch schon Richtung Neandertal recht flott raus aus Düsseldorf.

Man fährt auf bekannten Pfaden, doch zack geht es links ab und man hat nie gesehen Asphalt oder anderen „Boden“ unter den Rädern. Es geht den Dörper Weg hoch und dann wieder runter zur Stindermühle und, richtig! Wieder hoch! Mir wird so langsam klar was da heute auf mich zu kommt.

Nach 20km ging es auf das wahrscheinlich längste Stück richtige Straße. Auf zwei Spuren geht es knapp einen Kilometer die Haaner Straße in Hochdahl runter. Viel Platz und 6,5% Gefälle zaubern ein Lächeln ins Gesicht.

Nach dem Spaß geht es wieder runter von der Straße auf einen kleinen Wirtschaftsweg parallel der A46. Das südlichste Stück der Runde gehört der Kategorie, „sieht aus als wäre es flach geht aber stetig bergauf“ an.

Es geht weiter in Richtung Norden, über Wirtschaftswege, einsame Landstraßen, urige Unterführungen mitten über den Golfplatz. Das Thema ist immer gleich, „rauf und runter“. Mit dem Anlauf aus der ein oder andere spritzige Abfahrt kann man ab und an mal über den folgenden Anstieg „drüber drücken“.

Nach 50 Kilometer geht es einen kleinen Weg rechts ab, „Stumbsberg“ steht auf dem Schild am Straßenrand, eine kleine Welle tut sich auf. Ich mach schnell noch ein Video in dem ich mein Unmut über diese Bezeichnung „Stumbsberg“ mache, ist ja kein richtiger Berg…

Hinter der kleinen Welle geht es links ab und ich dachte fuck… Spaziergänger motivierten mich und riefen „naja am Rad liegt es ja nicht„. Der Stumbsberg, ist keine Welle, sondern ein Anstieg der 4. Kategorie, 1,3 Kilometer 7% im Schnitt mit Spitzen über 20% da war ich etwas übermütig.

Kurz nach dem Stumbsberg erreicht man den „Sender“ in Langenhagen. Der Schnee lag noch am Straßenrand und die Sonne drückte sich durch die Wolken, herrlich. Die flotte Abfahrt konnte ich allerdings nicht genießen, ein Pritschenwagen vor mir bremste mich aus und so rollte ich die 2 Kilometer mit angezogener Bremse bergab.

An der Kreuzung kurz die Hände ausschütteln und weiter geht es, natürlich wieder hoch, die Voßnacker Straße… ich merke mir selten wo ich gerade fahre, aber diese Straße prägte sich ein. Das Segment hat schon den schönen Titel „Voßnacker Qual„.

Jeder Anstieg, hat eine Abfahrt, so auch hier, doch leider eher so die Qualität vom Segelflugplatz am Aaper Wald…viele große Schlaglöcher aber es wäre nicht „A day in Hell“ wenn hier alles glatt asphaltiert wäre und irgendwie macht das ja auch wach.

Gut gelaunt geht es immer weiter, in Dilldorf hat man nach etwas über 60 Kilometern den nördlichsten Punkt der Strecke erreicht. Die Strecke führt weiter über kleine Straßen, durch Wohnsiedlungen und Wirtschaftswege. Der Fahrer am Horizont scheint die gleiche Runde zu drehen, wir kommen uns näher und am Anstieg hinter der Zeche Herrmann ein kurzer Gruß und weiter. Auf altbekannten Pfaden der SSR dachte ich mir, an der Ruhrlandklinik „och nein, nicht „Kutschenweg“ die abgerotzte Abfahrt runter, das macht doch kein Spaß….“. Aber nein es ging weiter geradeaus, „Zum Timpen“, juhu! Meine anfängliche Freude wich jedoch relativ schnell, die Abfahrt war kaum besser.

Kurz drauf ging es mal wieder in den Wald, dieses Mal aber auch mit richtigem Waldboden, hier und da noch etwas matschig und im Verlauf immer steiler. Mit Gefühl ging es bergauf, das Hinterrad (25mm Sommerpellen drauf) drehte ein paar extra Runden aber wir erreichten gemeinsam den Gipfel. Runter ging es auf der gleichen Qualität von Boden. Die Leute am Ende der Abfahrt waren etwas schockiert als ich da aus dem Wald geballert kam. Aber gut, warum soll nur ich leiden 😀

Apropos Leiden, es ging weiter nach Isenbügel, entweder war ich schon voll durch oder es war einfach ein moderater Anstieg, fühlte sich gut an. Vielleicht lag es auch einfach daran, dass man immer näher ans Ziel kam. Zu Mindestens waren die Wege jetzt wieder vollumfänglich bekannt, man war es nur gewohnt aus der anderen Richtung zu kommen.

Mit guter Laune ging es weiter, immer weiter bis plötzlich die Straße voll mit Baufahrzeugen war. Mist, stimmt, auf dem Wittenhausweg war ja diese Baustelle… vorbei an den Autos, vorbei an der Absperrung, wird schon gut gehen. Ganz am Ende kurz vor der Hauptstraße, haben zwei Herren noch frischen Straßenbelag verteilt. Vermutlich die Strafe, wenn man zu früh auf die Runde geht? Ein Abstecher ins Feld und auch dieses Hinderniss war überwunden.

Das Gut Diepensiepen wäre beinah meiner Gewohnheit zum Opfer gefallen und ich wäre den Gollenbergsweg weitergefahren. Dumm von mir zu glauben da geht es direkt in Richtung Heimat, es ist schließlich „A day in Hell“ und die Schicke Mütze hat alle Filetstücke zusammengepackt, also extra Runde über Gut Diepensiepen.

Zurück auf der Mettmanner Straße ahnt man auch schon, da kommt bestimmt gleich der Mauer Weg… der Name ist Programm… vor allem nach 100 Kilometer und 2000 Höhenmetern in den Beinen. Ein Blick auf die Beine, auf die Kassette. Leere Gedanken. Einfach weiter. Es wird schon wieder aufhören.

Und so war es, über den Dernbusch Weg und die Rennbahn zurück in die urbanisierte Welt. 25 km/h fühlten sich wie 35 km/h an. Der letzte Ampelsprint die Grunerstraße hoch tat noch mal richtig weh, aber nach 4:38 Stunden hörte es auf. A day in Hell, es war geschafft!

Münsterland Giro Laktat
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Münsterland geballer…

Was macht man am 3. Oktober? Richtig man fährt in schönen Münsterland den Münsterland Giro!

Der Abend vorm Rennen

So war neben dem Team Wanty Group und Israel Cycling Academy auch unsere Wenigkeit am 2. Oktober im Parkhotel Schloss Hohenfeld am Stadtrand von Münster. Malte und ich sind mit dem Auto nach Münster und Christian kam später mit der Bahn nach. Auto ausladend, Check-In und ab in der angrenzenden Bierstube „Börneken“ was essen. Nach dem Essen trudelte Christian ein, wir gingen die Strecke noch mal durch, bereiteten unseren Kram für den nächsten Tag vor und dann war auch Zapfenstreich.

Frühstück

Um 6:15 klingelte der Wecker. Duschen, ins Lycra schlüpfen und ab zum Frühstück. Zum „besten Frühstücksbuffet Deutschlands„, so der Slogan am Check-In.

radmomente muensterland giro 2019 frühstück

Einrollen

Um 7:15 ging es los, mit ein paar gleichgesinnten ging es zum knapp 8 Kilometer entfernten Start. Es war knackig kalt aber immerhin der Wetterbericht machte Hoffnung das es trocken bleibt. Auf dem Weg wurden das Gruppetto immer größer, irgendwo müssen ja 4500 Starter herkommen. im Block A angekommen ging es auch fast direkt los.

Das Rennen

Es ging gewohnt flott los, nicht so harakiri wie bei Rund um Köln aber mit gut Druck auf dem Pedal. Malte stürmte voraus, ich folgte und mir folgte Christian. Nach ein paar Kurven fragte Christian wo Malte sei, ich sah ihn vorne noch und antwortete entsprechend und nahm die Verfolgung auf und das war der Anfang vom Ende unseres Grupettos. Malte vorne weg, ich irgendwo dahinter und Christian irgendwo hinter mir.

Wo ist Malte?

In mitten einer flotten Gruppe rollte es sich locker mit 40 km/h über die ersten Kilometer außerhalb Münsters. Als ich an der Reihe war die Gruppe zu führen, machte ich ein roten Helm in der vor uns fahrenden Gruppe aus, war das Malte? Geschätzt waren es 300 – 400 Meter. Der Zusammenschluss zog sich, vorne im Wind war das auch nachvollziehbar. Die Gruppe rollte ja gut, warum übertreiben? Weil Malte vorne in der Gruppe ist! Bäms! Ich dachte mir was soll es, ab in den Wind und hoch das Tempo. Wer Lutschen kann, kann auch Beißen. Nach 5 Minuten Vollgas, war der Zusammenschluss geschafft aber der rote Helm war nicht Malte. Viel Arbeit für nix und noch gut 75 Kilometer zu fahren. Wenigstens ist mir ein großer Teil der Gruppe gefolgt und so hat die Aktion wenigstens etwas Nutzen.

Es ging in der großen Gruppe flott weiter. Wie gewohnt über besten Asphalt, mal ein Abstecher auf schmalere Wirtschaftswege, aber auch in Zweierreihen lief das Rudel gut. Lediglich diese Kopfsteinpflaster Passage direkt nach der Kurve sorgte bei den nassen Bedingungen für etwas Kopfschütteln. Aber es klappte. Vielleicht dachte sich das Orga-Team um den Münsterland Giro das rüttelt das Fahrerfeld vor dem ersten Anstieg wieder wach.

Der Berg

Nach 46 Kilometer wartete mit dem „Bergstraße Lengerich“ Segment der „schwierigste“ Anstieg: 6% auf 1,3 Kilometer, man könnte es auch Hügel nennen. Viel Platz und guter Straßenbelag. Insgesamt keine große Herausforderung. Am „Gipfel“ zerlegte es meine Gruppe, haufenweise Platten zwangen etliche Fahrer vom Rad. So erwischte es auch mein Vorderrad. Mein erster defekt bei einem Wettkampf, was ein Mist. Anhalten, absteigen, fluchen, sich denken das war es und dann zackig Schlauch wechseln. Die vorbei fahrenden hörte man sich wundern, „was ist denn da los?„, „so viele Platten?„, „da noch einer„. Den Mantel hab ich dreimal gecheckt, sicher ist sicher. Das Stück Split steckte noch seitlich der Lauffläche. Als das Vorderrad wieder drin war winkte mir Christian ungläubig zu. Aufpumpen, Kram einpacken und weiter. 10 Minuten kostete mich der Stopp. Vermutlich hat da jemand Split verloren, komischer Zufall? Erinnert an die Sabotage der Tour de France 1905, da waren es 125 Kg Nägel 🙂

Halbzeit

Meine flotte gut funktionierende Gruppe war natürlich weg. Quasi „ge-Split-ed„. Ich machte mich also alleine auf die letzten 50 Kilometer. Das Feld war sehr zerstreut, ich schloss immer wieder auf Einzelkämpfer und Kleingruppen aus 4-6 Fahrern auf aber ich wollte den Giro nicht mit 30 km/h nach Hause rollen, so ging es circa 20 Kilometer von Fahrer zu Fahrer, von Kleingruppe zu Kleingruppe.

Auf einmal kam von der Seite die Frage ob wir es gemeinsam schaffen die nächste Gruppe einzuholen. Ich dachte, „Nein“ und sagte „Ja„. Die Frage kam von Andre, zusammen mit ihm und zwei weiteren Fahrern kreiselten wir an die nächste Gruppe. Andre und ich erholten uns kurz vom Kreiseln und machten uns dann auf zur nächsten größeren Gruppe. Angekommen an der Gruppe überrollte uns von hinten eine Gruppe dessen Fahrer mir bekannt vor kamen. Die Jungs waren zum Teil schon in der flotten Gruppe vor dem Defekt. Seltsam aber vielleicht ereilte sie das gleiche Schicksal? Gemeinsam fuhren wir das Ding gewohnt flott zu Ende.

Ergebnis

Durch den Defekt macht der Blick auf das Ergebnis eigentlich kein Sinn, aber der Vollständigkeit halber hier meine Münsterland Giro 2019 Zahlen:

Distanz: 106,4 Km,
Höhenmeter: 263m (Strava)
Fahrzeit: 2:47:51
Verstrichene Zeit / offizielle Zeitnahme: 2:57:35
Durchschnittsgeschwindigkeit: 38,1 Km/h

Männer gesamt Platz 489 (2018: 122)
Altersklasse Platz 133 (2018: 42)

radmomente muensterland giro 2019 fertig

Fazit

Insgesamt war der Münsterland Giro wie gewohnt perfekt organisiert, schöne Strecke, klare Routenführung, gesperrte Straßen und ein angenehmes Fahrerfeld. Das viele Split nach dem Anstieg und der damit verbundene Defekt war sehr ärgerlich aber so ist echter Radsport, da wechselt man noch selbst das Gummi. Die Anreise am Vortag, auf jeden Fall eine Empfehlung. Genug Zeit für die Startnummern, Bike-Setup und man geht relativ ausgeschlafen an den Start. 2020 versuchen wir es dann nochmal geschlossen ins Ziel zu kommen 😉

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Rund um die Kö | Offene Stadtmeisterschaft

… ein Laktatspektakel auf der Prachtmeile im Herzen von Düsseldorf.

Unser Team „Die 4 Ballermänner“ hat sich am Freitag zum 1.Training getroffen und dieses mit einem „oh Gott oh Gott“ beendet. So ging es mit dem „dabei sein ist alles“ Gedanken in den ersten Vorlauf bei der offenen Stadtmeisterschaft im Rahmen von Rund um die Kö.

Ein Team wie aus dem Lostopf... so scheint es, Rund um die Kö 2019
Muss noch jemand zum Bäcker?

Vorlauf

Schlechte Kommunikation, große Lücken… die Stimmung war nicht besonders gut, sind wir schon ausgeschieden oder kommen wir über die beste Zeit noch weiter? Wir mussten zittern bis alle Rennen durch waren, doch dann war das Glück auf unserer Seite und wir konnten uns über die beste Zeit noch für das Viertelfinale qualifizieren. Yeah!

Dixsept 04:50 vs 5:00 Die 4 Ballermänner

Mut zur Lücke... so scheint es, Rund um die Kö 2019
Mut zur Lücke?

Viertelfinale

Wir nutzten die Pause um zum einen die Kids beim Petit Départ anzufeuern, mit Freunden und Familie ein wenig zu Fachsimpeln und natürlich auch um mal unsere Strategie zu definieren. Der Plan: Rechtzeitig durch „Kürzer“ Rufe das Tempo zu reduzieren um nach den Kurven die Lücken nicht wie im Vorlauf aufreißen zu lassen. Um 14 Uhr ging es an den Start. Nach drei Runden und einer Zeit von 04:57 hieß es Halbfinale!!!

Atemlos 4:59 vs 4:57 Die 4 Ballermänner

Spaß muss sein..., Rund um die Kö 2019
Man kennt sich, man grüßt sich!

Halbfinale

Nach den Fixed Gear Crit – welches vom Düsseldorfer Luca Bröcher gewonnen wurde, mussten wir gegen Porno al Forno ran. Umfangreich mit Koffein gedopt und höchst motiviert durch die Aussicht aufs Finale ging es in das 3. Rennen. Trotz Polizeibulli auf der Strecke reichte es am Ende für den Sieg!

Porno al Forno 5:12 vs 4:53 Die 4 Ballermänner

Purer Kampf, Rund um die Kö 2019

Finale

Fiiiiiinaaaale ohoho… was ein Tag. Was eine Überraschung, auf jeden Fall für uns. Wir haben es ins Finale geschafft. Das „cool runnings“, bunt zusammengewürfelte Team gegen die starken Jungs von Dixsept. Man kennt sich, im 1. Vorlauf ging es schon gegeneinander auf die Strecke. Wir versuchten unsere Strategie noch anzupassen und auch das wieder auffahren mit „Da“ rufen zu kommunizieren, so dass direkt wieder Druck auf die Kette gegeben werden kann.

Der Aspahlt auf der Kö brannte. In einem heißen Kampf auf drei Runden reichte es am Ende nicht. 3 Sekunden… wir überlegten kurz Henning als unseren Juristen loszuschicken, aber dann akzeptierten wird die knappe Niederlage, organisierten uns ein leckeres Bier und einigten uns einfach das Dixsept 2020 Zweiter wird und wir Erster, zu mindestens einseitig.

Wie im ersten Vorlauf, Dixsept, Rund um die Kö

Die 4 Ballermänner 4:51 vs 4:48 Dixsept

Siegerehrung & Tombola

BIER, Rund um die Kö 2019
Endlich Bier!

Nach dem Rennen ging es zur Siegerehrung, ein bisschen Ruhm und ein leckeres Tröpfchen Wein für die Ballerei. Den Wanderpokal haben wir schon mal genau anvisiert. Zu dem Überraschenden Ergebnis kam noch das Losglück bei der Tombola hinzu, so räumte Henning noch ein Laufradsatz und Irena einWahoo Kicker Rollentrainer ab.

Fazit

Insgesamt ein langer, aber erfolgreicher Tag auf der Kö! Zwischen den Rennen zur Stadtmeisterschaft wurde ordentlich Rahmenprogramm geboten, Laufradrennen, Fixed Gear Crit, Amateurrennen, Petit Départ, Curry Wurst, Craft Bier, Shopping Meile…. nur die Hüpfburg fehlte 😉

Danke an die Zuschauer, Freunde, Familie und den ganzen Support vom Streckenrand, die Organisatoren rund um Schicke Mütze, SG Radschläger Düsseldorf und Cycling Club Düsseldorf!

Wir freuen uns auf 2020 bis dahin „allez chic klack bling go!“

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Rund um die Kö 2019

Allez allez… am 16. Juni findet die 49. Austragung des Düsseldorfer Radklassiker „Rund um die Kö“ statt. Düsseldorfs letzte lokale Radrennveranstaltung war etwas in die Jahre gekommen aber 2018 wurde das Event durch die Schicke Mütze wieder in die Community gepushed. Auch 2019 ist das Team Rund um die Schicke Mütze wieder ganz vorn dabei und stellt zusammen mit dem Cycling Club Düsseldorf, dem SG Radschläger, Life-Is-A-Ride ein Radsportspektakel der Extraklasse auf die Beine.

Das Programm

Amateur-Rennen

09.00
BDR Amateur-Rennen über 65 Runden, Anmeldung…

Offene Stadtmeisterschaft

11.00 1. Vorlauf
12.15 2. Vorlauf
13.35 Viertelfinale 1
14.30 Viertelfinale 2
16.00 Halbfinale
17.45 Finale

Verfolger Team Rennen, es treten immer 2 Teams á 4 Fahrer gegeneinander an. In insgesamt 14 Rennen á 3 x 1,1km wird das schnellste Team ermittelt. Anmeldung…

Petit Départ Finale

11.45 Jahrgänge 2009/2010
13.00 Jahrgänge 2007/2008
Die Kinderrennserie die im Rahmen des Grand Départ ins Leben gerufen wurde trägt auf der Kö das Finale der Jahrgänge 2007/2008er und 2009/2010 aus.

Laufradrennen

14.05
Locker lustiges 250m Laufradrennen für Kinder unter 5 Jahren. Anmeldung…

Fixed Gear Crit

15.00
Wie auch schon 2016 und 2018 laden die Jungs vom team lifeisaride zum Fixed Gear Crit. Mit Bahnrädern ohne Bremsen und Schaltung wird mit Tempo 50 über die Kö geballert. Anmeldung…

Frauenrennen

16.30
BDR Elite Frauen / Senioren 4 Rennen, Anmeldung…

Der Rahmen

Michael Scheibenreiter und Stefan Schwander legen die passenden Beats unter das Renngeschehen, Woyton, Uerige und Bäckerei Schüren sorgen für das leibliche Wohl und auf einer kleinen Ausstellermeile gibt es noch was für die Finger.

Der Radmoment

Mein „Radmoment“ wird die offene Stadtmeisterschaft sein, zusammen mit drei bekloppten gehen wir als Team „Die 4 Ballermänner“ an den Start und werden versuchen das Event mitzugestalten, ein paar Läufe zu überstehen und eine riesengroße Party mit euch allen zu feiern!

Weitere Details und Links auf der Webseite der „Schicken Mütze

L'Etape Testrunde
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L’Etape Testrunde

Knapp einen Monat vor der „Etape du Tour“ traf sich unser Grupetto auf ein Proberündchen. Es galt die 169 Kilometer und 4000 Höhenmeter, die in Anncey bei der L’Etape auf uns warten, Probe zu fahren, aber wo hier im Rheinland? Gut man könnte stundenlang irgendwelche Abraumhalden hoch und wieder runter und wieder hoch. Kann man aber auch lassen. Ricardo hat aufgrund seiner Leidenschaft für Berge Kenntnis über die „Gebirgszüge“ um Düsseldorf und dessen Rennradtauglichkeit. Hagen hieß seine Lösung, 166km 3300 Hm (geplant).

L'Etape Test Route Hagen

Um 7:40 ging es somit nach Hagen, per Zug. Sollte ja möglichst nah an der Strecke der Etape sein, daher keine großen extra Kilometer. Ankunft Hagen 8:35. Von Hagen ging es quasi direkt in die Berge. Damit am Berg jeder sein Tempo fahren kann, fuhr jeder in seinem Tempo rauf. Berg Nummer 1, ich nenne ihn mal Striepenberg, war eher etwas langezogen und schlängelte sich am Hang hoch. Ich war noch nicht so ganz im „Bergmodus“, Ricardo der Kletterer war quasi direkt vorne weg und Malte litt hinter mir. Nach 20 Kilometern ging es langsam wieder abwärts. Die Spitzkehre lud zur Pause ein, kurzes Foto und auf Malte warten. Zusammen macht es dann ja doch mehr Spaß. Mit Malte ging es die noch nasse Abfahrt runter und dann zur erste Runde auf den Kreinberg.

Der bergauf Teil wartete mit 257m Höhengewinn auf 2,59km, ergo 10% Steigung. Mit Spitzen bis 22% und 14% auf den letzten 600 Metern. Wenn bei solchen Steigungen das Hinterrad durchdreht, weil die Straße noch nass ist, dann ist man plötzlich hellwach. Den Kreinberg erklimmten Malte und ich 3 mal und mit jeder Runde wurde die Straße trockener, so macht die Abfahrt dann auch Spaß.

Am Fuß des Kreinbergs trafen wir uns mit Ricardo, der in der gleichen Zeit bereits jeweils zwei Runden Kreinberg und Wixberg hinter sich hatte. Verrückt. Trinkflaschen auffüllen, ne Cola in die Kiemen und los gehts, „wixen“. 3 Runden Wixberg standen auf dem Programm. 222m Höhengewin auf 2,38km, ergo 9% durchschnittliche Steigung bei Spitzen bis auf 14%.

Um 13 Uhr waren 75 Kilometer und ca. 2500 Höhenmeter auf dem Tacho. Fazit, mega geil, sicherlich auch anstrengend aber die Abfahrten belohnen einen und mit jeder Runde hoch wurde es „leichter“, man kennt die Steigungen, weiß was einen erwartet.
Mit frischen Getränken ging es vom Fuße des Wixbergs quasi nur noch in Richtung Heimat. 100 Kilomter to go 😉

Doch auf dem Weg wartete noch der ein oder Anstieg. So ging es in Altena direkt 257m hoch auf 2,7km im Schnitt 7% aber in der Spitze wieder bis 14%. Weitere Anstiege warteten immer mal wieder mit bis zu 6% auf aber insgesamt wurde es flacher. Um zu später der Tag, um so eher fühlten sich allerdings die 6% wie 12% an.

Die wunderschöne, sehr ruhige Route führte uns vorbei an der Ennepetalsperre, direkt durch den Jahrmarkt in Radevormwald – wir gönnten uns ein Eis – weiter bis zur Wuppertalsperre. Hinter der Wuppertalsperre machten wir uns auf Richtung Norden, hoch nach Burg, weiter nach Wuppertal. Kurz vor Solingen trennen sich unsere Wege. Malte kämpfte sich weiter von Süden an Düsseldorf heran und Ricardo und ich schlugen den Weg von Nord-Osten nach Düsseldorf ran. Über die Sambatrasse ging es bequm weiter. In Wuppertal-Sonnborn war der Trassenspaß vorbei und es ging ab in das städtische getroubel. Parallel mit der Schwebebahn schlängelten wir uns durch die Stadt. Hinter Wuppertal ging es dann durchs Neandertal und Erkrath bis an die östliche Stadtgrenze von Düsseldorf.

In Düsseldorf hieß es dann gemütliches „Ausrollen“. Auch wenn man den Tag in den Beinen spürt, die L’Etape kann kommen 😉

Nackte Zahlen:

Strecke 182,66km
Fahrzeit 7:55:27 (Gesamt: 9:48:30)
Höhenmeter 3.634m
Geschwindigkeit 23,1km/h