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Midsommar 500, Vier Höllenhunde auf dem Weg zum Himmel

Wie schon 2020 ging es auch dieses Jahr auf Midsommar Tour. Letztes Jahr rollten Malte und ich noch den Größtenteil alleine, dieses Jahr hatten wir Stefan und Janosch als Unterstützung dazu gewinnen können. Die Route der  „Midsommar 500“ Tour führte von Düsseldorf über Venlo, südlich vorbei an Breda bis nach Helwijk in den Westen der Niederlande. Von Helwijk ging es über Nijmegen und Arnhem zurück nach Düsseldorf. So weit der Plan.

Heute? Morgen?

Samstag um 5 Uhr sollte es losgehen, wäre da nicht der Regen im Anmarsch gewesen. Im Verlauf des freitagmittags kam aufgrund der Wettervorhersage der Vorschlag auf, unsere Midsommar Tour früher zu starten. Am Samstag um 4 oder gleich um 22 Uhr am Freitag? Schlussendlich entschieden wir uns für 0 Uhr. Das sollte reichen um nicht in den Regen zu kommen und Janosch behielt so etwas mehr Zeit zwischen Feierabend und Abfahrt. 

Zehn nach Mitternacht ging es los, über die Fleher Brücke nach Uedesheim. Uedesheim? Ja genau wir haben quasi als erste Amtshandlung die Route leicht verändert. Anstatt durch Grimmlinghausen ging es über Uedesheim raus, die Straßen waren eh frei, da ging es dann auch entspannt über die Landstraße.

Nachtexpress

Frisch und voller Energie drückten wir die ersten Kilometer in die Kette. „Kürzer“ rief man von hinten um dann langsamer zu werden und dem Nächsten ein „Kürzer“ nach vorne zu zurufen. Der Wille war da. Die ersten 30 Kilometer in einer Stunde, es lief. Doch Malte mahnte von hinten um etwas mehr Disziplin. Zu Recht, es warteten schließlich noch 470 Kilometer.

Wir pendelten uns schließlich auf 26-28 Km/h ein und erreichten nach 60 Kilometer gegen 2:15 Uhr die niederländische Grenze. Yeaaah nur noch 440 Kilometer.

Es wurde geplaudert und gewitzelt, die Führung wechselte regelmäßig. Nach einer Passage durch den Wald, ging plötzlich die Sonne schon wieder auf.

Quicky aufm Radweg

Es wurde heller, man sieht sich wieder und so ist Janosch auch die Dichtmilch an Stefans Tasche aufgefallen. Nur fuhr Stefan nicht mit tubeless. Die Dichtmilch entpuppte sich als undichte Fresubinflasche. Zeit für einen kurzen Stop. 4:30 Uhr irgendwo auf einem Radweg in den Niederlanden (Hooge Mierde), Stefan fing an die gesamt Tasche auszupacken um die Sauerei zu beseitigen. 120 Kilometer in den Beinen, Perfekt, dachte ich mir, dann Schlaf ich eine Runde. Also Rad zur Seite gelegt, mich daneben. 5 Minuten Power Nap. Malte und Janosch legten sich dazu. Gute Nacht!

Natürlich war Stefan ruck zuck fertig und es ging weiter. Quasi ausgeschlafen und mit dem Sonnenaufgang im Rücken gen Belgien.

Einmal um den Pudding rum

Plötzlich waren wir in Belgien, ohne dass wir es wussten. Zufällig führte die Route an einem Pudding Fachgeschäft vorbei. 6:47 Uhr, bei „aernouts“ räumte die Dame gerade die Auslage ein, wir räumten diese dann wieder aus.

Was ein Fest nach 164 Kilometern. Teilweise bereute man diese Eskalation mit Pudding schon bevor der Pudding gegessen war, aber gut – wird schon klappen. Pedal the Pudding! Energie ist Energie.

Kaffee gab es leider keinen und auch eine Tankstelle mit Verkauf suchten wir lange vergeblich. So fuhren wir immer weiter und weiter.

Aspirin, Doping fürs Knie

Nach 184 Kilometern machte Janoschs Knie leichte Probleme. Malte packte seine Reiseapotheke aus und half mit etwas Schmerzmittel aus. In guter Tradition der Midsommar500 Touren gab ich meine Beinlinge zur Unterstützung (bzw. es war dieses Jahr nur ein Beinling).

Knapp 50 zähe Kilometer später, in Numansdorp gab es wenigstens Gelegenheit die Getränke aufzufüllen und eine Drogerie für Janosch. Leider hatten die Restaurants noch zu, daher ging es ohne Mittagspause aber mit bandagiertem Knie und frischem Wasser weiter. Neuer Versuch im circa 20 Kilometer entfernten Dordrecht. Bis Düsseldorf waren es auch „nur“ noch 265 Kilometer.

Mittagspause

Die grob 20 Kilometer bis Dordrecht, wurden 35 Kilometer bis kurz hinter Dordrecht. Mein persönlicher Tiefpunkt. Das erfolglose Suchen nach Mittagessen und die Müdigkeit machten mir zu schaffen. Visier hoch, Wind ins Gesicht und sturres Pedalieren. In Sliedrecht fanden wir, nach insgesamt 269 Kilometer und 10 Stunden Fahrzeit, in einer kleinen Fußgängerzone die erste Chance für eine Mittagspause. Endlich Kaffee! In einem kleinen Panini Laden „BEL PANiNi“ bestellten wir uns durch die Speisekarte. Panini für alle! Schließlich war die Hälfte der Midsommar Tour geschafft. Die Angestellten hatten viel Arbeit und wir Zeit um Mal kurz die Augen zu schließen.

Die Pause war nötig, zwei Stunden gönnten wir uns, insgesamt waren wir nun gut 14 Stunden unterwegs. Noch mal ab in den Supermarkt, frische Bananen und Wasser für die kommenden Kilometer einkaufen und dann weiter, nur noch 230 Kilometer. Gut gelaunt und reichlich erholt ging es auf feinsten Radwegen weiter.

Träumchen, ohne Stress und Amplen über die Hauptverkehrsstraßen

Einer für alle, alle für einen!

Janosch biss zwar ordentlich auf die Zähne, aber spätestens nach 280 Kilometer, knapp 100 davon mit dem Knieproblem, war allen klar, die Tour fährt er nicht zu Ende. Kurz vor Gorinchem guckten wir, wo wir ihn auf die Bahn setzten könnten. Wir passten unsere Route an und eskortierten Janosch in Richtung „s’Hertogenbosch“.

Neue Route in grün, Flexibilität ist das A und O, der Weg ist das Ziel… egal welcher!

Mit Windschatten und etwas Schieben versuchten wir es Janosch möglichst angenehm zu machen. Einer für alle, alle für einen.

In Zaltbommel erkannte Malte die Möglichkeit, Janosch noch 15 Kilometer zu ersparen und etwas früher auf die Bahn zu kommen. Janoschs Midsommer Tour war somit nach 313 Kilometern beendet. Stramme Leistung. Respekt! Ich hätte mit dem Knie keine 150 Kilometer mehr getreten. Die kurze Abschiedspause nutzte Malte noch um sein Fuß mit Panzertape zu bandagieren… Blasen drohten mit einem weiteren Ausfall!

Flotter Dreier

Nur noch zu dritt, verfranzten wir uns dann auch direkt und drehten eine Ehrenrunde durch Zaltbommel. Wieder orientiert wurde ordentlich in die Pedale getreten. Mit der Fähre ging es über die Maas und dann weiter bis nach Oss. 342 Kilometer geschafft. Der Wahoo sagt, 13:08 Stunden Fahrzeit. Kurzer Wasserstop und wieder mit Vollgas weiter.

Malte als Wasserträger

Die Beine fühlten sich gut an, die etwas entspannteren letzten Kilometer mit Janosch zahlten sich aus. Das Ziel Düsseldorf in unter 24 Stunden wieder zu erreichen, schien zum Greifen nah. Doch nach 348 Kilometern fing es in Koolweijk an zu tröpfeln…. Regen! Gott sei Dank nur wenige Tropfen… aber der Blick in den Himmel versprach nachschlag.

In Overloon gönnten wir uns eine letzte Pause, einmal Toilette, kalte Cola und Stefan gönnte sich frische Klamotten. Ein kurzer Videocall mit der Family gab noch mal eine extra Portion Motivation für die letzten 100 Kilometer. Nur die Frage ob es in Düsseldorf schon regnet verhallte im Off. Ein Zeichen?

Tut gut auch mal die Schuhe auszuziehen

Wasserschlacht

Nach der Pause ging es wieder zügig weiter, doch wir waren nicht lange zu dritt, ein alter Bekannter kam zurück. Der Regen! Das Wetter vor dem wir quasi schon zum Start der Tour geflüchtet sind hatte uns 70 Kilometer vor dem Ziel eingeholt. Ich dachte „Midsommar“ hatte was mit Sommer, Sonne, Sahnetorte zu tun… aber vielleicht ist es dieser „Klimawandel“ an den keiner glaubt.

Innerhalb von 10 Minuten stand das Wasser in den Schuhen. Windschatten fahren ohne Schutzbleche brachte einem näher wie eine Naturteichfilteranlage funktioniert. Noch 2 bis 3 Stunden durch die Nacht standen auf dem Zettel, bei dem Regen der Tod. Wir entschieden uns in Venlo den Zug zu nehmen. Abfahrt 22.15, keine Ahnung wie viel Uhr es war, aber ein „das schaffen wir locker“ gab mir keinen Grund, das in Erfahrung zu bringen.

In Venlo, kurz vorm Bahnhof sammelte Malte noch eine Scherbe auf, Platten! Unter einer Unterführung konnten wir, wenigstens im Trockenen, den Schaden beseitigen. Die Uhr sagte in 10 Minuten kommt der Zug, der letzte Zug! Zügig aber möglichst Zielgerichtet beseitigte Malte den Platten, Stefan und ich halfen so gut wir konnten und dann ging es zackig weiter… weil es gerade so gut rollte, rollten wir noch mal eben falsch. Schließlich erreichten wir aber den Bahnsteig zeitgleich mit dem Zug.

Endzug

Im Zug kämpfte Stefan mit der Bahn App, erst der nette Zugbegleiter konnte uns mit dem Trick als Start nicht etwa Venlo – nein, nein da steigt man ja nur ein – sondern Kaldenkirchen anzugeben. Zack klappte es auch. In Mönchengladbach mussten wir umsteigen, um nicht zu erfrieren zog ich mir im Bahnhof alles an was ich hatte, kurzes Trikot, langes Trikot, Windweste, Regenjacke. Nach 15 Minuten Warten im kalten Bahnhof ging es wieder in einen warmen Zug.

Um 22:15 erreichten wir Düsseldorf, Malte und ich stiegen aus, Stefan musste noch bis Mettmann. Kaum hatte ich mich von Malte an der Völklinger Straße verabschiedet, fielen die ersten dicke Tropfen vom Himmel. Der Regen aus Venlo hatte mich wieder eingeholt. Ich schaffte es vor dem großen Regen noch nach Hause, ab unter die Dusche und dann lud die beste Frau der Welt zur Pasta Party!

Nackte Zahlen

Am Ende unser Midsommar Tour waren 429,52 Kilometer und 408 Höhenmeter in den Beinen. 16 Stunden und 17 Minuten mit einer Durchschnittsleistung von 116 Watt. Alle Pausen inklusive roter Amplen, Zebrastreifen, offener Brücken summierten sich auf 6 Stunden und 11 Minuten. In Summe waren wir 22 Stunden und 28 Minuten unterwegs. Mehr Zahlen findet ihr auf Strava.

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Midsommar 500, Prolog

Letztes Jahr sind Malte und ich zum ersten Mal auf „Midsommar“ Tour gefahren. Zur Sommersonnenwende ging es mit dem Fahrrad in einem Stück von Düsseldorf nach Amsterdam und zurück.

Mittlerweile ist die Erinnerung an die Schmerzen verblasst. Zeit es noch Mal zu tun. Dieses Jahr führen die 500 Kilometer
Im vergangenen Jahr begleiteten uns Janosch und Stefan schon die ersten 100 Kilometer, dieses Jahr gehen sie in die Vollen und begleiten uns auf der gesamten Tour.

Amsterdam 500, Midsommar Tour 2020
Gino, Stefan, Malte (hinten links), Lui, Janosch und Marlon

Dieses Jahr geht es somit zu viert auf die 500km Runde von Düsseldorf über Roermond nach Dordrecht und dann über Arnheim und Venlo zurück nach Düsseldorf. 4 Leute versprechen weniger Arbeit im Wind und trotzdem gute Gespräche die einem die hoffentlich die Kilometer leichter vom Tacho nehmen.

Midsommar 500 Route Komoot

„PreLUDERS“, Streckentest

Um aggressive, Fahrradfahrer niederfahrende Autofahrer und schlechte deutsche Radwege zu vermeiden. Haben wir den deutschen Teil der Strecke am vergangenen Sonntag Mal unter die Räder genommen. Sehr schön, selbst für deutsche Radwege. Lediglich zwei ungünstige Stellen haben wir in der Midsommar Strecke noch angepasst.

Die Qual der Wahl

Folgt die Frage was nimmt man mit, Aerorenner oder Alupanzer… Arschrakete oder Rahmentasche… Jacke oder Weste. Nach der guten Erfahrung von der ersten Midsommar Tour, bei der am Ende 538km auf dem Tacho standen, würde ich wieder den Aerorenner wählen, allerdings erwartet uns vermutlich ab Samstag Abend Regen. Vielleicht also doch das Rad mit Schutzblechen? Die Arschrakete, da bin ich mir sicher, tausche ich hingegen aus den frühen Erfahrungen durch die Rahmentasche aus. Verspreche mir dadurch leichteren Zugriff aufs Gepäck und eine bessere Organisation des Gepäcks. Bei der Bekleidungsfrage kommt beides in die Tasche, kurze Windweste und dünne Regenjacke.

In weniger als 24 Stunden geht es los

Ich bin gespannt, in ungefähr 20 Stunden geht es los, es wird Zeit die letzten Sachen zu organisieren. Powerbank, Licht und Wahoo laden, Rad fertig machen (wenn man sich entschieden hat welches man nimmt), Tasche packen, Klamotten rauslegen. Und dann geht es Samstag früh raus Mal eben 500 Kilometer in die Kette strampeln.
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Fietselfstedentocht 2020 Corona Edition
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Fietselfstedentocht 2020 – Corona Edition

Am Pfingstmontag ist ganz Friesland auf dem Rad und fährt durch die Fietselfstedentocht durch die 11 friesischen Städte Bolsward, Harlingen, Franeker, Dokkum, Leeuwarden, Sneek, Ijlst, Sloten, Stavoren, Hindeloopen und Workum.

Fietselfstedentocht Route

Ursprung dieser Rundfahrt ist das 1909 zum ersten Mal ausgetragene n Natureis-Langstreckenrennen im Eisschnelllauf durch Friesland, die Elfstedentocht.

Mit 15.000 Startern verschiedenster Art von gemütlich bis flott, von jung bis alt, alleine oder im Tandem, in Spandex oder Flipflops eigentlich immer ein Garant für riesig Spaß auf dem Rad und an der Strecke.

Fietselfstedentocht ohne Corona sieht es so aus
So sieht es ohne Corona aus

Eigentlich, dieses Jahr wurde die Veranstaltung aufgrund des Corona Virus abgesagt. Nun ist es aber schon Tradition das wir Pfingsten bei der Familie in Friesland sind und ich „mal kurz“ ne Runde mit dem Rad drehe und alte Tradition brechen, soll man nicht. So ging es Pfingsten mit dem Rad im Gepäck nach Friesland.

Das kleine Schwarze war zum Wellness beim Radsportladen meines Vertrauens. So kam das Winterrad zum Einsatz. Gut wenn man mehrere Räder zur Auswahl hat.

Da ich befürchtete das mehrere auf die Idee kommen die Fietselfstedentocht selbstorganisiert zu fahren, entschied ich mich Sonntag anstatt Montag zu fahren – passte auch privat besser ;-). Der Blick auf den Wind sagte Nord/Nord Ost mit 15-25kmh an, also Standard Route und die letzten 60 Kilometer Gegenwind oder verkehrt herum und die letzten 40 Kilometer Rückenwind? Bei geplanten 235 Kilometern entschied ich mich für den Rückenwind zum Abschluss.

Um 5:45 ging es los, etwas später als geplant aber dafür mit Kaffee und Frühstücksbrot von der lieben Frau. Los ging es nicht wie üblich in Bolsward, sondern in Franeker, ersparte die Anreise. Von Franeker ging es nach Harlingen und weiter nach Bolsward. Quasi auf den Spuren gern gefahrener „Hausrunden“.

Nach einer Stunde erreichte ich Bolsward, es war wie leergefegt, wie ausgestorben. Aber viele der gelben „Fietselfstedentocht“ Fahnen schmückten die Stadt und so fühlte es sich wenigstens etwas nach richtiger Fietselfstedentocht an.

Ich ließ Bolsward zügig hinter mir, wie zuvor kein Stempeln, kein Anstellen. Es ging weiter nach Süden über Workum bis nach Hindeloopen ans Ijsselmeer. Immer mal wieder kamen mir Grüppchen entgegen, mal 6, mal 10 aber auch ein zwei größere. Vielleicht die gleiche Idee wie ich gehabt? Ich folgte weiter einsam der Route, verkehrt herum wollte wohl keiner fahren. Einsam aber gut gelaunt ging es durch die schöne Landschaft, ich hatte das Gefühl man nimmt mehr wahr als wenn man „normal“ auf Fietselfstedentocht geht. In Oudemirdum drehte ich dem Ijsselmeer wieder den Rücken zu und es wurde waldig. Ich passierte das Waldgebiet „Starnumanbossen“ und gleizeitig mit 4m über Normalnull, den höchsten Punkt der Tour.

Nach kurzer Pause in Sloten ging es über Ijst und Sneek zurück nach Bolsward. Hier ist quasi die Mitte der wie eine Acht gezeichnete Route. Start, Halbzeit und Ziel sind normalerweise in Bolsward. Für mich war in Bolsward der Jumbo Supermarkt. 12 Minuten zu früh um 9:48 stand ich vor der Tür. Zwangspause bis der Supermarkt öffnete, dann schnell im mir unbekannten und somit völlig unübersichtlichen Jumbo alle Gänge dreimal nach was essbarem abgrasen zur Kasse und raus. 200g Erdnüsse, Wasser, Cola, Stropwaffeln und Smoothie einverleiben, den Rest verstauen und zack 10:32 Uhr also hopp hopp weiter geht’s es warten noch 114 von 235 Kilometern.

Mittlerweile saßen im Zentrum von Bolsward hier und da ein paar Fahrer, aßen was oder machten eine Pause. Von Bolsward ging es in nördlicher Richtung auf nach Leeuwarden. Wie vermutet kam nun der Teil mit dem Gegenwind. Irgendwie fahre ich das Stück Bolsward – Leeuwarden immer mit Gegenwind. Mein Schwiegervater verriet mir nach der Tour, man nennt diesen Abschnitt wohl liebevoll „Hölle des Nordens„. Aber vielleicht sind es auch die Beine nicht der Wind die mich fluchen lassen.

Jammern nützt nix sind ja nur knapp 80km bis zum Rückenwind. Was mir bei der üblichen Fietselfstedentocht mit den anderen 15.000 Leuten nie aufgefallen ist, die Routen Führung nach Leeuwarden ist recht verknotet. Hätte man einfacher haben können. Nach 160 Kilometern war Leeuwarden trotzdem erreicht. Ne Banane on the bike und weiter den Kopf in den Wind. Was ich auf dem Rad nicht wusste nur es waren nur noch 24 Kilometer im Wind. Nach 184 Kilometern von 235 war ich in Dokkum.

Die große Freude den Dreckswind hinter mir gelassen zu haben und Gewissheit der 30er Schnitt ist sicher, beflügelt mich und als ab Holwerd der Wind dann auch von hinten schob konnte ich noch mal letzte Reserven ins Pedal drücken. So flog ich die letzten 40 Kilometer mit einem 36er Schnitt nach Hause.

Fietselfstedentocht geschafft!

Nach 7:40 Fahrzeit war meine 4. Fietselfstedentocht im Sack. Mit Pause war ich 8:44 unterwegs. Keine Stempelkaart, kein einziger Stempel, keine Medaille aber mich erwartete leckerer Kochen. Perfekt!

Fietselfstedentocht der Kuchen danach

Was war das ein Tag. Froh mich entschlossen zu haben die Fietselfstedentocht selbstorganisiert zu fahren und schon etwas stolz das Ding auf dem Winterrad, alleine mit nem Schnitt von 30,8kmh in den Asphalt gebrannt zu haben. Was wäre nur mit dem kleinen schwarzen möglich gewesen 😉

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Langstrecke

Die Idee

„Mann“ hat ja viele Ideen die so im Kopf herumschwirren, manchmal reicht ein kleiner Impuls um solch eine Idee frei zu lassen. Die Idee mit dem Fahrrad an einem Tag von Düsseldorf nach Franeker zu fahren war solch eine Idee und der Impuls kam Anfang April.

Anreise

Nicht von Düsseldorf sondern ab Franeker… der Plan, die Tochter freitags mit dem Zug zu den Großeltern und Samstag mit dem Fahrrad zurück. Das Fahrrad ging praktischer Weise eine Woche vorher mit den besagten Großeltern schon vorab auf die Reise. Wir folgten seltsamerweise reibungslos mit der Bahn.

Es geht los

Samstag ging es nach dem Frühstück um 8:45 Uhr auf die Strecke. Es war mit 4 Grad knackig kalt aber die Sonne strahlte mir entgegen und so ging es voller Motivation auf die ersten 30 Kilometer. Ein Teil der Strecke war mir von den Teilnahmen an der Fietselfestedentocht noch bekannt. In Sneek angekommen, waren die zu fahrenden „Landstraßenkilometer“ für den niederländischen Teil der Strecke geschafft.

Radinfrastrukturgenuss

Die Route verlief von da an immer auf breiten Radwegen getrennt von der Landstraße weiter über Lemmer, Emmeloord und Kampen. Kreuzungen konnten dank Kreisverkehr oft ohne Halt gequert werden ab und an gab es auch mal eine aufwändige Brücken oder Tunnelkonstruktion um z.B. die Autobahn inklusive Anschlussstelle reibungslos passieren zu können. Kontaktschleifen im Boden schalten Ampeln rechtzeitig grün und wenn es doch mal Rot bleibt, zeigt ein Zähler an wie lange es bis zur nächsten Grünphase dauert. Naben der großartigen Infrastruktur sind aber auch die Autofahrer aufmerksam, zuvorkommend und an den Radverkehr gewöhnt.

So machte das Radfahren doppelt Spaß, hinzu kam noch der andauernde Rückenwind nur das Wetter drohte zu kippen. Die Sonne verschwand immer mal wieder hinter bedrohlich dunklen Wolken.

Status an die Radkumpels nach 75km: „2,5h unterwegs, 75km, 30er Schnitt, Dank mega Rückenwind 130bpm, 170 Watt

Der Höhepunkt

In Wezep, im Waldgebiet unweit der „Prinses Margriet“ Kaserne war der höchste Punkt der Strecke erreicht, 56 Meter über Normalnull. Ich dachte erst ich hätte diese Hürde schon in Ens auf der Brücke über das „Zwarte Meer“ genommen, aber dort waren es nur 16 Meter über Normalnull. Nach dem „Anstieg“ gönnte ich mir in Heerde die erste richtige Pause. Immer hin, von Der eigentliche Grund für die Pause war „Nahrungsbeschaffung“, nach 2 Bananen und einem Riegel auf den ersten 110 Kilometern war Nachschub angesagt, nicht das auf den restlichen 160 Kilometern irgendwann der Mann mit dem Hammer an der Ecke steht und wartet.

Mittagspause

Wasser, Fanta, Schoko-Croissants, Datteln, Nüsse und Stroopwaffels. Radfahrer ernähren sich ja immer gesund und nachhaltig. Kaum raus aus dem Supermarkt fing es an zu schneien, ein Blick auf den Wetterbericht verriet mir das es wohl nur ein Schauer ist, auch blieb der kram nicht liegen. Die Schneepause nutzte ich um ein wenig zu essen. Nach dem Schauer ging es gestärkt und noch gut gelaunt weiter.

Kreuzfahrt Teil 1

In Welsum ging es zur Abwechslung mal ein Stück mit der Fähre. Einmal rüber über die IJssel nach Olst. Nach 2 Minuten war die Schiffsreise auf der Olsterveer auch schon geschafft.

Deventer

Nach 130 Kilometern erreichte ich Deventer, scheinbar eine etwas größere Stadt, aber die Befürchtung das man sich durch den Stadtverkehr kämpfen muss war unbegründet. Fahrradspur, Grünpfeil (ohne Pfeil), eigene Fahrradampeln und die gewohnt guten Radwege ließen mich gut durch die Stadt rollen. Das so etwas die Leute aufs Rad lockt merkt man an jeder roten Ampel. Da stehen nicht zwei oder drei, sondern eher 10 bis 15 Radfahrer und warten geduldig auf die nächste Grünphase. 

Ab Deventer folgte die Route der IJsselline, eine alte Verteidigungsanlage, die zum Schutz vor einer Invasion Überschwemmungen entlang der IJssel und des Umlands herbeiführen konnte.

Bei Kilometer 150 Kilometer war es wieder Zeit für ein kurzen Status an die Jungs in Düsseldorf:

„150km, 5:12 Fahrzeit, 29er, zwischendurch mal Schnee“

Grenzübertritt

Zeit war es auch für getrennte Wege nach fast 40 gemeinsamen Kilometern, trennten ich mich von der IJssel und nahm die letzten 30 niederländischen Kilometer in Angriff. Ich motivierte mich mit der Idee an der Grenze ein Kaffee und Kuchen Pause einzulegen. Doch in Netterden ging es dann nach 180 Kilometern äußerst unspektakulär über die Grenze. Radweg neben der Landstraße, ein Schild, mehr nicht.

Aber was soll man machen, es muss weiter gehen, in Rees geht es mit der Fähre über den Rhein, da ist bestimmt eine Gelegenheit. Nach 10 Kilometern in Deutschland, das erste „Schlechter Radweg“ Schild, kurz darauf der erste Autofahrer der meine Vorfahrt missachtet, endlich wieder in der gewohnten Umgebung.

Kreuzfahrt Teil 2

Nach 200 Kilometer ging es durch Rees, eine Stadt die am Samstagnachmittag wohl schläft. Es war so ruhig, dass ich vor Schreck auf die Uhr guckte, es war doch erst 16:30. Ich entschied mich dank zurückgewonnener Motivation (Datteln machen glücklich) ohne Stopp die Fähre zu nehmen.

Der Fährmann war ein sehr netter Mann, erklärte mich aufgrund meiner Distanz für etwas bekloppt, aber lud ich ein gerne noch mal wieder zu kommen, empfahl mir aber auf besseres Wetter zu warten. Das Wetter hatte mich nämlich eingeholt, es regnete, der größte Teil zum Glück während der Überfahrt.

Rote Welle

Von Rees nach Xanten führte um größten Teil ein schöner Radweg zum Teil am Rhein zum Teil Xantener See entlang. Der beste Teil der deutschen Strecke. Hinter Xanten folgte die Route durch Rheinberg, Moers bis Uerdingen auf gut 30 Kilometer fast nur der Landstraße. An Kreuzungen hatte der parallele Autoverkehr grün, als Radfahrer / Fußgänger musste man erst den Taster an der Ampel drücken um dann auch direkt grün zu bekommen, Allerdings hieß das immer wieder anhalten, losfahren. Nervig. Gerade wenn man über 200 Kilometer in den Beinen hat.

Zielsprint

Nach 250 Kilometern war ich in Uerdingen, man kannte sich wieder aus, schön war es nicht aber die letzte „ich bin gleich zu Hause“ Motivation machte sich breit noch ein Foto und weiter. So langsam machte sich der Sonnenuntergang breit aber es war geschafft, 272 Kilometer, 9 Stunden 20 Minuten Fahrzeit, 11 Stunden (Gesamtzeit) ich war zu Hause!

Erstmal duschen, essen und dann bin ich auf dem Sofa eingeschlafen.
Was ein Tag!

Zahlen

  • 272 Kilometer,
  • 637 Höhenmeter
  • 9:20 Fahrzeit
  • 10:55 Gesamtzeit
  • 29,1 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit
  • 46,1 km/h maximal Geschwindigkeit
  • 76 Umdrehungen die Minute
  • 167 Watt
  • 5006 Kalorien
  • 2 bis 11 Grad, 6 Grad Durchschnitt

Die Tour auf Strava [link]

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Fietselfstedentocht

Noch beinahe 40 Tage dann geht’s zum zweiten Mal auf die Fietselfstedentocht, 235 Kilometer, durch 11 friesische Städte. Bei uns würde es in die Kategorie „RTF“ passen, vom Tandem über die klassische Gazelle bis zum Carbonrenner ist alles am Start. Gefahren von jung bis alt. Die Stimmung ist ausgelassen, fröhlich nicht nur auf den Fiets auch an der Strecke. Blaskapellen in manch einem Vorgarten heizen am Streckenrand Mitfahrer und Publikum ein. Eine Party auf 235 Kilometer. So war es letztes Jahr, so wird es wahrscheinlich auch dieses Jahr werden. Die Niederländer wissen wie Volksfest mit dem Fahrrad funktioniert!


Die Strecke ist flach aber der Wind ist hier der wahre Gegner. Die 235 Kilometer der Fietselfstedentocht führen durch Harlingen, Franeker, Holward, Dokkum, Leeuwarden, Bolsward, Sneek, Ijlst, Sloten, Oudemirdum, Stavoren, Hindeloopen, und Workum. Start und Ziel ist Bolsward.

Nach der netten Begegnung letztes Jahr, gehe ich auch 2018 mit den Elfstedenexperten aus dem Radforum an den Start. Das Los schickt uns um 5:16 auf die Strecke, mal sehen wann ich mich einer Fluchtgruppe anschließe.  Möge das Wetter mit uns sein!