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Mit dem Rad in den Sommerurlaub

Der Sommerurlaub stand an, Ferien auf dem Bauernhof. Ziel westliche Eifel nahe der luxemburgischen Grenze. Was liegt da näher als mit dem Rad vor zu fahren und sich von der Familie einholen zu lassen. 205 Kilometer knapp 2000 Höhenmeter klingt spaßig, auf geht es!

Mit dem Fahrrad in den Sommerurlaub in die Eifel. Die Strecke und das Profil.

Alles schläft nur einer Wattnert

Um 5:30 ging es auf bekannten Routen durch die schlafende Stadt, nach Neuss, leichter Niesel, kräftiger Gegenwind. Hochmotiviert flott durch Ramrath und vorbei an Neurath. Der frische Brötchen Duft lockte mich in Bedburg zum ersten Stopp nach knapp 40 Kilometern. Käsebrötchen und Rosinenmürbchen und erstmal raus aus der Stadt.

Alles nur für die Kohle

Kurz hinter Bedburg beginnt der Terra Nova Speedway, eine alte Abraumbandtrasse zwischen dem Tagebau Bergheim und Hambach, kurze Frühstückspause und dann auf zum Tagebau. Kurz vorm Aussichtspunkt in den Tagebau, am Ende des Speedway, roch es nach Rennen. Schwalbe Fähnchen, Rose Zelte… es wurde für das CoronaChrono Zeitfahren aufgebaut, ich fuhr bestimmt eine Top 10 Zeit aber wahr wohl zu früh. Noch keine Zeitnahme 😉

Vom Aussichtspunkt ging es weiter zum Forum Terra Nova. Hier hat man einen weiten Blick über den Tagebau. Schon ein riesiges Loch und alles nur für die Kohle. Es ging noch ein Stück am Tagebau entlang und dann weiter südlich Richtung Nörvenich.

Wind, Gegenwind, Windschatten…

Es rollte gut, knapp 60 Kilometer in der Kette, doch irgendwie kam der Wind von hinten, ich guckte auf den Wahoo… scheinbar war das Piepsen bei Abweichungen von der Route aus. 1 Kilometer in die falsche Richtung was soll es, jetzt wo der Wind wieder ins Gesicht bläst passt die Route auch wieder. 145 Kilometer to go ?

Im Windschatten hinter dem Traktor mit Heu Anhänger

Nach knapp 80 Kilometern überholte mich in Vettweiß ein Traktor mit einem Anhänger voll Heu… was eine Gelegenheit. Kurz reinhauen und dann etwas im Windschatten ausruhen. Nur Schade das sich unsere Wege schon nach 2 Kilometern trennten.

Willkommen in der Eifel

Kaum war der Kollege weg wurden die Straßen enger und es wurde richtig hügelig. 85 Kilometern auf der Uhr, bis hier her war ich erst 370 von „geplanten“ 1950 Hm geklettert. Aber so sollte es nicht bleiben, es ging immer wieder knackig hoch und wieder runter. Die Eifel 😉 Für die nächsten 370 Hm brauchte es dann nur noch 20 Kilometer. Zusammen gefasst kann man sagen nach halber Strecke die halbe Menge an Höhenmeter geschafft… aber der Teufel steckte im Detail.

Nach einer flotten Fahrt ins Tal machte ich nach ca. 110 Kilometern in Gmünd eine kurze Pause. 10 Uhr, 4,5 Stunden unterwegs, Zeit für neues Wasser und etwas Gebäck für die nächsten Anstiege, wer weiß wann die nächste Gelegenheit zum Auffüllen kommt.

Ich dachte mir, wenn das so weiter geht war ich zu Beginn im Flachland wohl zu spritzig unterwegs. Aber was nützt das Jammern, weiter geht es, rauf und runter immer wieder. Was soll man auch erwarten wenn die Orte so Namen tragen wie „Sch-Leiden“?

Letzte Pause

In Berk rollte es sich gerade bequem bergab, ein Bäcker…ein Bäcker? Im Kopf dauerte es was, doch dann bremsen, umdrehen und rein in die urige Backstube. Es gab nicht mehr viel. Zucker Zucker… Ach ja zwei Donats, noch neues Wasser und kurzen Status an die restliche Familie. Noch 75 Kilometer.

Windschatten geliehen

Mitten im Wald, auf einer für die Eifel relativ ruhigen Landstraße, auf der nur ab und an ein paar PS Proleten ihre Golf GTIs und Opel Corsas durchnudelten (okay es waren drei Porsche und ein Lamborghini), hörte ich dann einen Freilauf, meiner war es nicht. Ich nahm direkt raus. Auf einen Lutscher hatte ich mal überhaupt kein Bock. Aber der vermeintliche Lutscher kam neben mich grüßte freundlich und gab mir Windschatten. Leider nur 3-4 Kilometer, da bog er rechts ab und ich musste alleine weiter. Aber nette Abwechslung.

Trasse gefunden

Nach knapp 170 Kilometern ging es in Pronsfeld, trotz des Versuchs mich durch wirre Baustellenabsperrungen davon abzuhalten, auf den Enztal Radweg, dort kreuzt auch der Eifel-Ardennen-Radweg und der Prümtal-Radweg. Der Enztal-Radweg ist eine ehemalige Trasse der Westeifelbahn, die seit 1996 zum Radfahren lockt. Aber all die Trassenfreude begann erstmal mit einem moderaten Anstieg von 1,5%. Meter für Meter. Nach 10 Kilometern drehte sich das Spiel in Atzfeld und es ging moderat bergab. In Üttfeld Bahnhof führte die Trasse direkt auf eine Schaukel zu und was liegt da näher als kurz umzusatteln und eine Schaukelpause einzulegen. Die Trasse führte 12 Kilometer moderat mit 1,5% bergab, perfekt um noch mal richtig zu #ballern. Der Wahoo zeigt zwischenzeitlich 50+ an und Spaaaaß drückte die vorherigen Anstiege und den nervigen Gegenwind aus dem Sinn.

Der letzte Hügel

In Neuerburg ging es leider runter von der Trasse noch 30 Kilometer. Der Radweg führte seltsam parallel zur Straße und auch immer mal wieder auf die enge Landstraße. Tendenz bergab aber irgendwo sollte am Ende noch ein Hügel warten. Und zack da war er… zäh zog es sich 5 Kilometer die Straße hoch. Von Mettendorf bis Hommerdingen. Wahrscheinlich Kategorie lächerlich, aber ich spielte – nach dem Tag in den Beinen – mit dem Gedanken aufs kleine Blatt zu wechseln 😉
Doch wo es hoch geht, geht es auch wieder runter, die letzten Kilometer hieß es ausrollen.

Nach 211 Kilometern, 7,5 Stunden auf dem Rad war es geschafft, das Ziel „Landgasthaus Hoffmann“ war erreicht!

Nackte Zahlen

Zahlen Eifel, Sommerurlaub 2020
Fietselfstedentocht 2020 Corona Edition
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Fietselfstedentocht 2020 – Corona Edition

Am Pfingstmontag ist ganz Friesland auf dem Rad und fährt durch die Fietselfstedentocht durch die 11 friesischen Städte Bolsward, Harlingen, Franeker, Dokkum, Leeuwarden, Sneek, Ijlst, Sloten, Stavoren, Hindeloopen und Workum.

Fietselfstedentocht Route

Ursprung dieser Rundfahrt ist das 1909 zum ersten Mal ausgetragene n Natureis-Langstreckenrennen im Eisschnelllauf durch Friesland, die Elfstedentocht.

Mit 15.000 Startern verschiedenster Art von gemütlich bis flott, von jung bis alt, alleine oder im Tandem, in Spandex oder Flipflops eigentlich immer ein Garant für riesig Spaß auf dem Rad und an der Strecke.

Fietselfstedentocht ohne Corona sieht es so aus
So sieht es ohne Corona aus

Eigentlich, dieses Jahr wurde die Veranstaltung aufgrund des Corona Virus abgesagt. Nun ist es aber schon Tradition das wir Pfingsten bei der Familie in Friesland sind und ich „mal kurz“ ne Runde mit dem Rad drehe und alte Tradition brechen, soll man nicht. So ging es Pfingsten mit dem Rad im Gepäck nach Friesland.

Das kleine Schwarze war zum Wellness beim Radsportladen meines Vertrauens. So kam das Winterrad zum Einsatz. Gut wenn man mehrere Räder zur Auswahl hat.

Da ich befürchtete das mehrere auf die Idee kommen die Fietselfstedentocht selbstorganisiert zu fahren, entschied ich mich Sonntag anstatt Montag zu fahren – passte auch privat besser ;-). Der Blick auf den Wind sagte Nord/Nord Ost mit 15-25kmh an, also Standard Route und die letzten 60 Kilometer Gegenwind oder verkehrt herum und die letzten 40 Kilometer Rückenwind? Bei geplanten 235 Kilometern entschied ich mich für den Rückenwind zum Abschluss.

Um 5:45 ging es los, etwas später als geplant aber dafür mit Kaffee und Frühstücksbrot von der lieben Frau. Los ging es nicht wie üblich in Bolsward, sondern in Franeker, ersparte die Anreise. Von Franeker ging es nach Harlingen und weiter nach Bolsward. Quasi auf den Spuren gern gefahrener „Hausrunden“.

Nach einer Stunde erreichte ich Bolsward, es war wie leergefegt, wie ausgestorben. Aber viele der gelben „Fietselfstedentocht“ Fahnen schmückten die Stadt und so fühlte es sich wenigstens etwas nach richtiger Fietselfstedentocht an.

Ich ließ Bolsward zügig hinter mir, wie zuvor kein Stempeln, kein Anstellen. Es ging weiter nach Süden über Workum bis nach Hindeloopen ans Ijsselmeer. Immer mal wieder kamen mir Grüppchen entgegen, mal 6, mal 10 aber auch ein zwei größere. Vielleicht die gleiche Idee wie ich gehabt? Ich folgte weiter einsam der Route, verkehrt herum wollte wohl keiner fahren. Einsam aber gut gelaunt ging es durch die schöne Landschaft, ich hatte das Gefühl man nimmt mehr wahr als wenn man „normal“ auf Fietselfstedentocht geht. In Oudemirdum drehte ich dem Ijsselmeer wieder den Rücken zu und es wurde waldig. Ich passierte das Waldgebiet „Starnumanbossen“ und gleizeitig mit 4m über Normalnull, den höchsten Punkt der Tour.

Nach kurzer Pause in Sloten ging es über Ijst und Sneek zurück nach Bolsward. Hier ist quasi die Mitte der wie eine Acht gezeichnete Route. Start, Halbzeit und Ziel sind normalerweise in Bolsward. Für mich war in Bolsward der Jumbo Supermarkt. 12 Minuten zu früh um 9:48 stand ich vor der Tür. Zwangspause bis der Supermarkt öffnete, dann schnell im mir unbekannten und somit völlig unübersichtlichen Jumbo alle Gänge dreimal nach was essbarem abgrasen zur Kasse und raus. 200g Erdnüsse, Wasser, Cola, Stropwaffeln und Smoothie einverleiben, den Rest verstauen und zack 10:32 Uhr also hopp hopp weiter geht’s es warten noch 114 von 235 Kilometern.

Mittlerweile saßen im Zentrum von Bolsward hier und da ein paar Fahrer, aßen was oder machten eine Pause. Von Bolsward ging es in nördlicher Richtung auf nach Leeuwarden. Wie vermutet kam nun der Teil mit dem Gegenwind. Irgendwie fahre ich das Stück Bolsward – Leeuwarden immer mit Gegenwind. Mein Schwiegervater verriet mir nach der Tour, man nennt diesen Abschnitt wohl liebevoll „Hölle des Nordens„. Aber vielleicht sind es auch die Beine nicht der Wind die mich fluchen lassen.

Jammern nützt nix sind ja nur knapp 80km bis zum Rückenwind. Was mir bei der üblichen Fietselfstedentocht mit den anderen 15.000 Leuten nie aufgefallen ist, die Routen Führung nach Leeuwarden ist recht verknotet. Hätte man einfacher haben können. Nach 160 Kilometern war Leeuwarden trotzdem erreicht. Ne Banane on the bike und weiter den Kopf in den Wind. Was ich auf dem Rad nicht wusste nur es waren nur noch 24 Kilometer im Wind. Nach 184 Kilometern von 235 war ich in Dokkum.

Die große Freude den Dreckswind hinter mir gelassen zu haben und Gewissheit der 30er Schnitt ist sicher, beflügelt mich und als ab Holwerd der Wind dann auch von hinten schob konnte ich noch mal letzte Reserven ins Pedal drücken. So flog ich die letzten 40 Kilometer mit einem 36er Schnitt nach Hause.

Fietselfstedentocht geschafft!

Nach 7:40 Fahrzeit war meine 4. Fietselfstedentocht im Sack. Mit Pause war ich 8:44 unterwegs. Keine Stempelkaart, kein einziger Stempel, keine Medaille aber mich erwartete leckerer Kochen. Perfekt!

Fietselfstedentocht der Kuchen danach

Was war das ein Tag. Froh mich entschlossen zu haben die Fietselfstedentocht selbstorganisiert zu fahren und schon etwas stolz das Ding auf dem Winterrad, alleine mit nem Schnitt von 30,8kmh in den Asphalt gebrannt zu haben. Was wäre nur mit dem kleinen schwarzen möglich gewesen 😉

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#Festive500 Winterspaß

Was macht man zwischen Weihnachten und Neujahr? Richtig man fährt mal eben nach Belgien und am nächsten Tag wieder zurück. Eine Hand voll verrückter auf ihrem #Festive500 Abenteuer.

Tag 1 | 240 Kilometer | 1910 Höhenmeter

4:00, der Wecker klingelt, aufstehen!

Die am Vortag geschmierten Brote und eine Banane frühstücken, kurz ins Badezimmer, in die Radklamotten hüpfen und noch die letzten Kleinigkeiten verstauen und ab geht es, schließlich war mit Sebastian und Stefan „Fortuna Büdchen um 4:40 Uhr“ ausgemacht.

Vom Büdchen ging es direkt weiter durch die Stadt zum Graf-Adolf-Platz, dort trafen wir um 4:50 Uhr Janosch. Zu dritt ging es dann zur Fleher Brücke, den im Süden gestarteten Malte treffen.

Nach allgemeiner Anerkennung für diese verrückte Bereitschaft im Urlaub mitten in der Nacht aufzustehen oder wie der ein oder andere erst gar nicht ins Bett zu gehen, ging es dann um kurz nach 5 auf die Strecke nach Libramont, es warteten 240 Kilometer und 1910 Höhenmeter Winterspaß auf uns!

Die Maschinen für den Winterspaß 2019, #Festive500

Bei völliger Dunkelheit und leichtem Regen ging es höchst motiviert in Richtung Jülich. Die ersten Kilometer auf Teilen meiner beinahe täglichen Pendelroute und dann weiter über die Landstraßen und Wirtschaftswege des Rhein-Kreis-Neuss. Letztere waren aufgrund der letzten Tage noch leicht feucht. Im kleinen Gang ging es durch den Gravelspaß, Stefan mit seiner BMC Timemachine litt am meisten, Sebastian folgte gleich, beide ohne Schutzbelche und eher auf Asphalt „konfiguriert“, Janosch, Malte und ich waren mit unseren Winterrädern unterwegs,  Schutzblech und gefühlte Sicherheit im Schlamm dank Panaracer oder 4-Season ließen gleich mehr Mut frei. Nach 46 Kilometern stoppte der Tross an einer Abzweigung irgendwo bei Grottenherten, die Route sagte rechts, der Weg sagte, Badehose anziehen! Der Wirtschaftsweg stand auf der gesamten Breite in einer Länge von mindestens 10 Meter unter Wasser.

Der See von Grottenherten, Winterspaß 2019, #Festive500

Janosch und ich überlegten ob wir es wagen einfach durchzufahren, aber wir erinnerten uns noch an unsere Schwimmprüfung zum Seepferdchen, dort hieß es „Unbekannte Gewässer bergen Gefahren“. Während wir grübelten ging Malte, mit MTB Schuhen, übers Feld und versicherte der Untergrund sei fest. Wir folgten, aber mit 28mm Schluppen und Rennradschuhen hieß es bloß nicht absteigen, sonst kommt man nicht mehr ins Pedal. Eine Mischung aus Lachen und Fluchen schallte über die Felder.

Am See vorbei übers Feld, Winterspaß 2019, #Festive500

Am Forschungszentrum Jülich war der Gravelteil scheinbar beendet. Am Ende waren auch die Bremsbeläge von Malte. Aber zur Verteidigung die Beläge waren schon eine Weile drauf, der Matsch hat den Rest erledigt, aber er hatte vorsorglich schon Ersatz dabei. Mit der kurzen Pause zum Tauschen der Beläge kam uns der Sonnenaufgang entgegen und wir konnten mit etwas mehr Licht auf die restlichen 180 Kilometer.

Neue Bremsbeläge für Malte, Winterspaß 2019, #Festive500

Mit der Sonne kamen der Nebel und die ersten längeren Anstiege über einsame Landstraßen. Während der Anstiege suchte Stefan einen Punkt zum Umdrehen, aber es ging erstmal nur gerade aus. Nach 95 Kilometern stand seine Exit-Strategie. Schließlich war er schon seit 22 Uhr auf dem Rad unterwegs und wollte uns nur ein Stückchen bei unserem Winterspaß begleiten. Er drehte ab Richtung „nächster Fahrradladen“. Den Schlamm und ein starres Kettenglied wollte er nicht bis nach Düsseldorf mitnehmen (er fuhr am Ende 340 Kilometer).

Kurz darauf erreichten wir vor Lammersdorf mit 560 Metern den höchsten Punkt des Tages. In Lammersdorf begann die Vennbahn, überwiegend flach oder moderate Anstiege von 1-2% und schöner Asphalt warteten zusammen mit Chris auf uns. Chris kam aus Aachen, wartete schon eine ganze Weile auf uns und fror sich ordentlich den Arsch ab. Wieder zu fünft ging es weiter nach Monschau.

In Monschau lockte uns ein Schild „Monschau Cafe“ von der Vennbahn, angelockt von warmen Kaffee stürzten wir uns hinunter bis auf den Marktplatz von Monschau. Im Café Kaulard gab es Apfelstrudel, Kakao mit Sahne, mehrere Kännchen Kaffee, Suppe und Strom für die diversen Wahoo’s und Lezyne 1300XXL Mega Blaster Booster Lampen. Vorsorgen für das, was da noch kommt.

Kaffeestopp Cafe Kaulard, Monschau, Winterspaß 2019, #Festive500

Pünktlich um 12:00 Uhr ging es weiter, zurück hoch auf die Vennbahn. Die Hälfte war geschafft, also noch 120 Kilometer. Bei gleicher Reisezeit, wären wir aktuell um 19:30 Uhr im Hotel. Auf der Bahn rollte es fluffig, immer gerade aus. Um 14:00 erreichten wir nach 165 Kilometern St. Vith. Auf Empfehlung von Christian machten wir ein Kuchenstopp okay, es wurden mehrere Puddingteilchen und für jeden eine Frikadelle im Brötchen aber der Titel der Tour heißt ja auch Winterspaß und nicht Le Tour de Hungerast.

Gestärkt und immer noch motiviert ging es auf die letzten 75 Kilometer, 3 Stunden, wenn es gut läuft. Dieser optimistische Gedanken sollte nach kurzer Fahrt zerstört werden, Platten vorn schallte es aus dem Gruppetto. Janosch hatte sich irgendwas eingefangen. Während er den Platten behob, erreichte Malte die Nachricht vom Magen-Darm Alarm zu Hause. Ein Weg schnell zurück nach Düsseldorf gab es nicht. Also weiter… 50 Kilometer to go!

Die Dunkelheit holte uns wieder ein, aber mit Licht für einen ganzen Flughafen rollte es sich weiter gut. In Luxemburg machten wir noch einen kurzen Stopp an einer Tankstelle, füllten unsere Trinkflaschen auf und gönnten uns noch einen Riegel für die letzten knapp 30 Kilometer.

In Bastonge war der Radweg sogar beleuchtet und fuhr am Denkmal zur La Doyenne, „Lüttich Bastonge Lüttich“ vorbei. Sebastian wollte ein Foto mit sich machen, schließlich hatte er eine Laufveranstaltung abgesagt und es kam die Vermutung der „Mitläufer“ hoch, er drückt sich nur und sitzt auf dem Sofa. Als er dann ein Foto gemacht hatte, wollte der Rest auch ein Foto. So „vertrödelten“ wir dann noch 10 Minuten für den guten Zweck plus ein paar weitere Minuten damit Janosch seine SPD-SL Cleats vom Hundekot befreien konnte. Die letzten Kilometer führten auf kleineren Landstraßen durch Belgien. Kurz vorm Ziel in Libramont stoßen wir auf gesperrte Straßen. Es fand wohl ein Nachtlauf statt. Aber wir durften die Absperrung passieren und feuerten jeden Läufer mit „Allez allez!“ an. Generell war der Tag in Belgien sehr Radfahrer freundlich, abgesehen von der recht guten Infrastruktur, waren auch der Großteil der Autofahrer wohl gestimmt, Überholabstand ist in Belgien wohl selbstverständlich, zu mindestens wurde man sehr selten knapp überholt.

Nach 16 Stunden um 20:45 Uhr hatten wir das Hotel „L‘ Amandier“ gefunden. Tag 1 geschafft! 264 Kilometer, 2.127 Höhenmeter, 11:25 Stunden Fahrzeit.

Statistik Tag 1/2, Winterspaß 2019, #Festive500

Wir durften die Räder im gefliesten Konferenzraum abstellen. Erstmal ankommen, duschen und dann mal sehen, was es zu essen gibt. Nachdem Malte das halbe Pizza Hut Menü online ordern wollte gab es die Meldung „zu spät, es wird nicht mehr geliefert“, also ab in Jogginghose raus in die Kälte und den Kram abholen. Leider fanden wir den Pizza Hut nicht bis 22 Uhr, so raubten wir den Burger-Laden um die Ecke aus. Die Bedienung staunte nicht schlecht als wir für über 80 Euro vollgepackt bis oben hin da aus dem Laden marschierten. Zurück im Hotel wurde gemeinsam gegessen, der nächste Tag grob geplant und dann ging es ab ins Bett.


Tag 2 | 270 Kilometer | 1930 Höhenmeter

06:00 Uhr der Wecker klingelt, anziehen, grob zusammenpacken und ab zum Frühstück. 5 Radfahrer unter sich, der Rest schlief vermutlich noch. Am Frühstück lag es auf jeden Fall nicht, das war überragend. Brot, Baguette, Brötchen, Müsli, Obst, diverse Brotaufstriche, Wurst, Käse und Saft, Kaffee, Espresso…. wir nahmen reichlich, vor allem Espresso! Nach dem Frühstück wurde der Rest gepackt, die Räder gesattelt hier und da noch eine Kette gepflegt und um 8:00 klickten die Schuhe wieder in die Pedale.

Auf dem Plan standen heute 270 Kilometer Winterspaß. Malte wollte nach 40 Kilometer in Chanxhe abzweigen und in Aachen vorbei, um dort den Zug zu nehmen, so dass er früher zu Hause bei Frau und Kind ist und sich dort dem Thema „Magen Darm“ annehmen kann. 

Aus Libramont ging es erstmal bergauf der Sonne entgegen bzw. nach Osten, die Sonne war noch nicht zu sehen, aber es war ausreichend hell, so dass Positionslicht reichte.

Zum Start bergauf, Winterspaß 2019, #Festive500

Bergauf war auch das erste Kapitel des Tages, zwar sparten wir uns die Wirtschaftswege-Fango Packung und rollten auf feinster Landstraße. Wir hatten sogar kurz das Gefühl wir fahren auf der Autobahn, aber es war doch nur die Nationalstraße N89. Allerdings ging es ständig hoch und wieder runter. Die ersten 34km sammelten wir schon 480 Höhenmeter. In Rochefort war die Routenführung nicht ganz klar, wir machten kurz Halt, gönnten uns ein Riegel, eine Banane oder etwas Gymnastik und ich nutzte die Pause um meine Hinterradbremse nach zu justieren, damit der Hebelweg des Bremsgriffs nicht so weit ist und das Bremsgummi wieder sauber auf der Felge bremst. Gestärkt, mit Plan wo es lang geht und dem Gefühl nicht mehr ins Leere zu greifen, rollte es sich gleich wieder viel entspannter.

Von Rochefort ging es runter von der breiten Landstraße durch den Wald hoch – was auch sonst – im Anstieg öffnete sich der Wald und ermöglichte uns einen herrlichen Blick über die Ardennen. Selbst die Sonne blinzelte mal durch die Wolken.

Nach 63 Kilometern erreichten wir Hotton, dass Peleton schrie nach Kaffee und so machten wir im Cafe „La Jacquemart“ Pause. Diverse Kakaos und Kaffees stürmten unseren Tisch, als Großkunde gab es lustige Mützen gratis und wer, wenn nicht wir mit Janosch als Vertreter der Schicken Mütze sagten da nicht nein.

Schicke Mützen, Winterspaß 2019, #Festive500

63 Kilometer und 864 Hōhenmeter standen auf dem Tacho, und noch 210 Kilometer und etwa 800 Hōhenmeter zu fahren. Mensch muss das Ende der Tour flach sein. Doch wir änderten die Route kurzerhand um, um Malte nicht allein zu lassen und folgten seine „Quick & Dirty“ Route (rot). Anstatt über Lüttich und Maastricht ging es über Vierviers und Henri-Chapelle nach Aachen (noch 90km) und dann weiter nach Düsseldorf (noch 175km).

Zurück auf den Rädern folgte in gewohnter Manier ein reges auf und ab durch Belgien. Nur die Witze wurden konstant flacher. Motivationsschub gab uns ein nicht angeleinter eifriger Wachhund der sein Grundstück auch bis auf die Landstraße verteidigte. Den Letzten beißen die Hunde, also Druck aufs Pedal! Zeitweise hatte man das Gefühl man fährt durch klein Amerika, überall hingen amerikanische Flaggen an den Häusern, wahrscheinlich die Reste der Alliierten. Bei Kilometer 90 wurde es dreckig, aber gut die Route hieß schließlich auch „Quick & Dirty“, was Malte verspricht hält er auch. In Ferion führte uns die Route an der Ourthe entlang, schöner Radweg allerdings hörte dieser einfach auf und wurde zum Trail. Malte lief voraus, dank MTB Schuhe sicher im Gelände, aber trotzdem weg… Der Deal war er guckt und kommt zurück, er kam und kam nicht, Mountainbiker passierten uns und wir grübelte ob wir einfach fahren sollten oder nicht. Doch da klingelte das Telefon, Malte sagte der Weg sei nix, direkt am Fluss, sehr schmal und sehr schlammig. Umdrehen war angesagt, während Janoschs Gravelherz blutete, atmete Sebastian mit seinen Slicks auf. Über die Landstraße ging es dann flott zu Malte, der Weg führte wieder am Fluss entlang, aber auf festem Untergrund. Mal sehen wie lang.

Gerade als man sich an den flachen Streckenverlauf entlang des Flusses gewöhnt hatte, führte die Route vom Fluss weg und es folgten wieder knackigen Anstiege. Der erste in Chanxhe führte immer steil hinauf, ich lockte die Jungs hinter mir mit, „es wird nicht flacher“ und eine Kehre weiter rief ich „Graaaavel„. So ging es auf grobem Schotter-Waldweg-Mix die letzten Teile des Anstiegs hoch. Eine Mischung aus Lachen und Weinen begleitete uns dabei.

Nach dem Anstieg folgte ein weiterer allerdings ganz einfach auf Asphalt. Aber es sollte nicht der letzte gewesen sein. Nach 115 Kilometern stoppten wir in Louveigné, Toilette, Trinken auffüllen und weiter. Janosch haderte noch mit seinem Luftdruck im Vorderrad. Vielleicht war das letzte Gravelstück doch zu wild? Es dämmerte, Malte machte Druck, wollte er doch nicht zu viel Zeit in der Pause verlieren, die er am Ende später bei der kranken Familie sein wird. Der Plan etwas Richtiges zu essen wurde bis Aachen geschoben. Nachvollziehbar, aber das Gruppetto war angespannt.

In Vierviers ging es erst durchs tiefste Ghetto und dann auf einem nicht enden wollende Anstieg durch die gehobenen Straßen der Stadt. Es wurde flotter, Malte wollte nach Hause, ich persönlich sah da noch 110 Kilometer auf dem Tacho. So sah es auch Janosch, Christian war die letzten Tage noch fett krank und nicht in bester Form und Sebastian war das Tempo auf seiner ersten Ausfahrt dieser Länge einfach zu hoch und so einigten wir uns die Gruppe zu trennen, anstatt weiter zu zerfahren. Malte, Christian und Sebastian in Team Aachen und Janosch und ich im Team Düsseldorf.

Janosch und ich verabschiedeten uns, drückten auf Tempo bis Kelmis kurz vor der Grenze. Dort entschlossen wir uns beim Italiener „La Pasteria“ eine Ladung Pasta zu essen, quasi letzte Pause vor Düsseldorf. Wir studierten draußen noch die Karte, da passierte uns Team Aachen schon wieder. Während ich was zu essen bestellte, kümmerte sich Janosch um sein Vorderrad. Der Besitzer des Restaurants, ein Grieche, war sehr freundlich und als er erfuhr was wir vor uns und vor allem hinter uns hatten, spendierte er uns zwei Espressi.

Abendessen, Winterspaß 2019, #Festive500

17:55 Uhr, gestärkt ging es auf die letzten 90 Kilometer. Team Aachen meldete sich gerade mit einem Foto aus dem Zug. Wir quälten uns durch Aachen und fanden uns irgendwann auf einem Trassen ähnlichem Radweg wieder, von da an ging es überwiegend auf kleineren Straßen und Wirtschaftswegen weiter. Hier mal ein Hund, da mal ein Fußgänger, an der Kreuzung mal ein Auto. Wir führen nebeneinander durch die Nacht. Viel Quatschen und wenig belgischer Kreisel. Das kostet extra Kraft, aber ist aber extra gesellig und schließlich machen wir das hier ja alles zum Spaß.

Es wurde eisig, der Wind kam von vorne, wir scherzten uns durch die Nacht und drückten uns über die Hügel. Einen nach dem anderen, es rollte sich gut wirklich schnell waren wir aber nicht. Umso näher man nach Düsseldorf kam umso bekannter werden einem die Städte auf den Straßenschildern. Bedburg, Grevenbroich, Neuss-Holzheim, Düsseldorf. Jawohl zu Hause noch den Schlenker am Landtag vorbei. Team Düsseldorf, Finisher Foto um 22:00 Uhr! Jetzt nur noch nach Hause.

Auf der Fischer Straße trennte ich mich dann von Janosch und fuhr die letzten paar Kilometer alleine nach Hause. Nach 242 Kilometern, 2473 Höhenmeter und 10:36 Fahrzeit war es geschafft. Zu Hause!

Statistik Tag 2/2, Winterspaß 2019, #Festive500

Taschen abladen, Rad abspritzen, bei den besten Nachbarn der Welt eine selbst gemachte Pizza abholen, Duschen und ins Bett fallen!

Pizza, Winterspaß 2019, #Festive500

Was ein Tag. Danke ans Grupetto!

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Rapha Festive 500

2009 rief die Radsport Bekleidungsmarke Rapha zum ersten Mal dazu auf zwischen den Tagen die neu gewonnen Fettpolster der Festtage auf dem Rad abzuarbeiten. 500 Kilometer von Weihnachten bis Silvester.

„Es ist kein Kilometersammeln, sondern eher eine Reise. Es geht darum, rauszukommen, die Zeit auf dem Rad zu genießen und mit anderen Leuten zu fahren oder sie zu besuchen.“

rapha.cc

Etwas über 60 Kilometer am Tag, eigentlich kein Problem aber manch einer kommt noch der ein oder anderen weihnachtlichen Verpflichtung nach und so wird aus 8 Tagen vielleicht 6 oder nur 4?

Rapha Festive 500 Badge

Wer ein Badge abstauben oder sich die Chance auf diverese Gewinne nicht nehmen lassen möchte, der kann sich bei Rapha zur Festive 500 anmelden:

https://www.rapha.cc/de/de/stories/festive-500

Für mich geht es dieses Jahr mit ein paar Freunden auch auf Rapha Festive 500 Weihnachtsrunde, einmal von Düsseldorf nach Bastonge und wieder zurück. Das ganze in zwei Tagen, klingt vielleicht nach Stress wir planen das ganze aber im „Rapha Style“ und wollen rauskommen und die Zeit auf dem Rad genießen.
Wird bestimmt ein riesen Spaß (hoffentlich, ich werde Berichten).

>> Rückblick zur Weihnachtsrunde 2018

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Langstrecke

Die Idee

„Mann“ hat ja viele Ideen die so im Kopf herumschwirren, manchmal reicht ein kleiner Impuls um solch eine Idee frei zu lassen. Die Idee mit dem Fahrrad an einem Tag von Düsseldorf nach Franeker zu fahren war solch eine Idee und der Impuls kam Anfang April.

Anreise

Nicht von Düsseldorf sondern ab Franeker… der Plan, die Tochter freitags mit dem Zug zu den Großeltern und Samstag mit dem Fahrrad zurück. Das Fahrrad ging praktischer Weise eine Woche vorher mit den besagten Großeltern schon vorab auf die Reise. Wir folgten seltsamerweise reibungslos mit der Bahn.

Es geht los

Samstag ging es nach dem Frühstück um 8:45 Uhr auf die Strecke. Es war mit 4 Grad knackig kalt aber die Sonne strahlte mir entgegen und so ging es voller Motivation auf die ersten 30 Kilometer. Ein Teil der Strecke war mir von den Teilnahmen an der Fietselfestedentocht noch bekannt. In Sneek angekommen, waren die zu fahrenden „Landstraßenkilometer“ für den niederländischen Teil der Strecke geschafft.

Radinfrastrukturgenuss

Die Route verlief von da an immer auf breiten Radwegen getrennt von der Landstraße weiter über Lemmer, Emmeloord und Kampen. Kreuzungen konnten dank Kreisverkehr oft ohne Halt gequert werden ab und an gab es auch mal eine aufwändige Brücken oder Tunnelkonstruktion um z.B. die Autobahn inklusive Anschlussstelle reibungslos passieren zu können. Kontaktschleifen im Boden schalten Ampeln rechtzeitig grün und wenn es doch mal Rot bleibt, zeigt ein Zähler an wie lange es bis zur nächsten Grünphase dauert. Naben der großartigen Infrastruktur sind aber auch die Autofahrer aufmerksam, zuvorkommend und an den Radverkehr gewöhnt.

So machte das Radfahren doppelt Spaß, hinzu kam noch der andauernde Rückenwind nur das Wetter drohte zu kippen. Die Sonne verschwand immer mal wieder hinter bedrohlich dunklen Wolken.

Status an die Radkumpels nach 75km: „2,5h unterwegs, 75km, 30er Schnitt, Dank mega Rückenwind 130bpm, 170 Watt

Der Höhepunkt

In Wezep, im Waldgebiet unweit der „Prinses Margriet“ Kaserne war der höchste Punkt der Strecke erreicht, 56 Meter über Normalnull. Ich dachte erst ich hätte diese Hürde schon in Ens auf der Brücke über das „Zwarte Meer“ genommen, aber dort waren es nur 16 Meter über Normalnull. Nach dem „Anstieg“ gönnte ich mir in Heerde die erste richtige Pause. Immer hin, von Der eigentliche Grund für die Pause war „Nahrungsbeschaffung“, nach 2 Bananen und einem Riegel auf den ersten 110 Kilometern war Nachschub angesagt, nicht das auf den restlichen 160 Kilometern irgendwann der Mann mit dem Hammer an der Ecke steht und wartet.

Mittagspause

Wasser, Fanta, Schoko-Croissants, Datteln, Nüsse und Stroopwaffels. Radfahrer ernähren sich ja immer gesund und nachhaltig. Kaum raus aus dem Supermarkt fing es an zu schneien, ein Blick auf den Wetterbericht verriet mir das es wohl nur ein Schauer ist, auch blieb der kram nicht liegen. Die Schneepause nutzte ich um ein wenig zu essen. Nach dem Schauer ging es gestärkt und noch gut gelaunt weiter.

Kreuzfahrt Teil 1

In Welsum ging es zur Abwechslung mal ein Stück mit der Fähre. Einmal rüber über die IJssel nach Olst. Nach 2 Minuten war die Schiffsreise auf der Olsterveer auch schon geschafft.

Deventer

Nach 130 Kilometern erreichte ich Deventer, scheinbar eine etwas größere Stadt, aber die Befürchtung das man sich durch den Stadtverkehr kämpfen muss war unbegründet. Fahrradspur, Grünpfeil (ohne Pfeil), eigene Fahrradampeln und die gewohnt guten Radwege ließen mich gut durch die Stadt rollen. Das so etwas die Leute aufs Rad lockt merkt man an jeder roten Ampel. Da stehen nicht zwei oder drei, sondern eher 10 bis 15 Radfahrer und warten geduldig auf die nächste Grünphase. 

Ab Deventer folgte die Route der IJsselline, eine alte Verteidigungsanlage, die zum Schutz vor einer Invasion Überschwemmungen entlang der IJssel und des Umlands herbeiführen konnte.

Bei Kilometer 150 Kilometer war es wieder Zeit für ein kurzen Status an die Jungs in Düsseldorf:

„150km, 5:12 Fahrzeit, 29er, zwischendurch mal Schnee“

Grenzübertritt

Zeit war es auch für getrennte Wege nach fast 40 gemeinsamen Kilometern, trennten ich mich von der IJssel und nahm die letzten 30 niederländischen Kilometer in Angriff. Ich motivierte mich mit der Idee an der Grenze ein Kaffee und Kuchen Pause einzulegen. Doch in Netterden ging es dann nach 180 Kilometern äußerst unspektakulär über die Grenze. Radweg neben der Landstraße, ein Schild, mehr nicht.

Aber was soll man machen, es muss weiter gehen, in Rees geht es mit der Fähre über den Rhein, da ist bestimmt eine Gelegenheit. Nach 10 Kilometern in Deutschland, das erste „Schlechter Radweg“ Schild, kurz darauf der erste Autofahrer der meine Vorfahrt missachtet, endlich wieder in der gewohnten Umgebung.

Kreuzfahrt Teil 2

Nach 200 Kilometer ging es durch Rees, eine Stadt die am Samstagnachmittag wohl schläft. Es war so ruhig, dass ich vor Schreck auf die Uhr guckte, es war doch erst 16:30. Ich entschied mich dank zurückgewonnener Motivation (Datteln machen glücklich) ohne Stopp die Fähre zu nehmen.

Der Fährmann war ein sehr netter Mann, erklärte mich aufgrund meiner Distanz für etwas bekloppt, aber lud ich ein gerne noch mal wieder zu kommen, empfahl mir aber auf besseres Wetter zu warten. Das Wetter hatte mich nämlich eingeholt, es regnete, der größte Teil zum Glück während der Überfahrt.

Rote Welle

Von Rees nach Xanten führte um größten Teil ein schöner Radweg zum Teil am Rhein zum Teil Xantener See entlang. Der beste Teil der deutschen Strecke. Hinter Xanten folgte die Route durch Rheinberg, Moers bis Uerdingen auf gut 30 Kilometer fast nur der Landstraße. An Kreuzungen hatte der parallele Autoverkehr grün, als Radfahrer / Fußgänger musste man erst den Taster an der Ampel drücken um dann auch direkt grün zu bekommen, Allerdings hieß das immer wieder anhalten, losfahren. Nervig. Gerade wenn man über 200 Kilometer in den Beinen hat.

Zielsprint

Nach 250 Kilometern war ich in Uerdingen, man kannte sich wieder aus, schön war es nicht aber die letzte „ich bin gleich zu Hause“ Motivation machte sich breit noch ein Foto und weiter. So langsam machte sich der Sonnenuntergang breit aber es war geschafft, 272 Kilometer, 9 Stunden 20 Minuten Fahrzeit, 11 Stunden (Gesamtzeit) ich war zu Hause!

Erstmal duschen, essen und dann bin ich auf dem Sofa eingeschlafen.
Was ein Tag!

Zahlen

  • 272 Kilometer,
  • 637 Höhenmeter
  • 9:20 Fahrzeit
  • 10:55 Gesamtzeit
  • 29,1 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit
  • 46,1 km/h maximal Geschwindigkeit
  • 76 Umdrehungen die Minute
  • 167 Watt
  • 5006 Kalorien
  • 2 bis 11 Grad, 6 Grad Durchschnitt

Die Tour auf Strava [link]

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Cycling World 2019

Nach dem erfolgreichen Start 2017 und der gelungenen Wiederholung in 2018 findet auch dieses Jahr wieder die Cycling World in Düsseldorf statt. Ab jetzt ist es somit Tradition, dass sich einmal im Jahr feinste Radkultur auf dem hippen Areal Böhler sammelt. Auf 14.000 Quadratmetern heißer Stoff rund um das Fahrrad, egal ob Carbonrenner, Edelstahl, Lastenrad, FatBike oder Citybike es ist für jeden was dabei.

Neben einer langen Liste von Austellern gibt es auch ein deftiges Rahmenprogram, lifeisaride Fixedgear Crit, Biehler-Cyclingword-Cyclocross-Challenge, Cargobikecup, Cyclingworld Awards, Maren Schink „Mein Weg von der Couch aufs Rad“, Philipp Hympendahl – FotoaustellungWonderful losers – Film Session, Klassikerausfahrt, Pucky Kids Bike Parcours, Womens Ride by Schicke Mütze…. und und und…

Kommt einfach vorbei!

23. März und 24. März, 10-18 Uhr,
Areal Böhler, Hansaallee 321 40549 Düsseldorf

Tagesticket 10€
Wochenendticket 15€
Tickets online kaufen

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Weihnachtsrunde: 2 Tage, 3 Verrückte, 400km

Weihnachten gerade gefeiert, Silvester steht vor der Tür, warum nicht mal zwei Tage Rad fahren? Aus einer spontanen Idee anlässlich der Festive500 wurden zwei Rennradtage von Koblenz über Trier nach Aachen.

Tag 1 Koblenz – Trier, 199 Kilometer, 551 Höhenmeter

Abfahrt 6.27 ab Hauptbahnhof Düsseldorf. Auf dem Weg zum Bahnhof sagte der Nieselregen schon mal guten Morgen. Pünktlich fuhr der Zug mit Christian, Malte und mir in Richtung Koblenz. Genug Zeit für Kaffee und so eine Art Frühstück.

Gegen 8 Uhr ging es auf die Piste erstmal zum Deutschen Eck, Fotosession mit dem Kaiser. Dann ab auf die Pferde und raus aus Koblenz. Das Wetter war nass, leichter Nieselregen begleitete uns, aber nichts wildes was uns hätte stoppen können. Von Koblenz aus ging es im Prinzip immer an der Mosel entlang. Der Plan war 25-27 km/h, kein Stress, Tisch im Hotel war für 18 Uhr reserviert.

Nach 50 Kilometern hielten wir in Cochem zur ersten Pause. Direkt am Marktplatz gönnte wir uns einen warmen Kaffee und ein Frika-Brötchen. Aber Malte ließ Christian und mich nicht lang rasten, wir philosophierten gerade darüber, dass so eine Pommes, wie die am Nachbartisch, auch nicht schlecht sei, da hieß es kommt weiter, besser Zeit am Ziel im Hotel-Wellness verlieren als hier.

Hinter Cochem verlief die Strecke zunächst parallel zur Landstraße, quasi auf dem gleichen Stück Asphalt, gutem Asphalt. Aber viel Zeit zum Genießen gab es nicht, nach nur 5 Kilometern trennte sich der Weg wieder von der Landstraße und die lockere Temporomantik nahm ein schnelles Ende. Der Weg am Ufer der Mosel war von Schlamm überdeckt und nachdem die ungebremste Durchfahrt dazuführte, dass mein Fahrrad ausbrach, lies ich erstmal nur rollen. Tempo raus, Konzentration und hoffen das es besser wird. Es half, es wurde besser, aber scheinbar war die Mosel hier zuletzt über die Ufer getreten und solche Schlammabschnitte wiederholten sich. Christian gab dem nix, Vollgas scheinbar taugen seine Pannaracer etwas bei solchem Untergrund. Malte war auch vorne dabei, bis er ebenfalls einmal kurz quer stand. Ich hab mich auf meinen Conti GP4000 nicht so wirklich auf gute Haftung verlassen und bin mit Gefühl auf dem Pedal hinterher. Nach weiteren 5 Kilometern war die „Tactical Session“ geschafft. Die Räder sahen aus wie aus der Mosel gezogen, man konnte quasi hören wie das Metal an Kette, Kassette und Felge weniger wurde.

Nach gut 70 Kilometern ging es hinter Senheim in den Wald. Gravelparadies. Äste, Steine – nein – ganze Felsen und der ein oder andere Baum lagen auf der hügeligen Strecke. Wir nahmen es gelassen, machten Witze und düsten knapp 10 Kilometer durch den Wald. Am Ende des Waldes teilte sich der Weg. Doch wir wussten nicht wo drauf wir uns einließen als wir uns für diesen einen der drei Möglichkeiten entschieden. Alle drei Wege waren eher Feldwege, nicht asphaltiert, aber fahrbar. Doch der auserwählte führte hoch, links rum, höher, höher, immer weiter in den Weinberg. Manch ein Hinterrad drehte an den Anstiegen durch. Nach Schlamm und Wald die nächste „Tactical Session“. Aber es lohnte sich die Aussicht war genial und die Abfahrt war asphaltiert. Das Abfahrtherz schlug höher, auch wenn die Nässe zur Vorsicht rief.

In Bernkastel-Kues machten wir nach 136 Kilometern und 7 Stunden (inkl. Pausen) die zweite Pause. Die Bedienung war reichlich verwirrt als wir 3 Tee, 3 Kaffee und 3 Cola bestellten, aber wir versicherten jeweils unsere Absicht und bekamen was wir bestellten. „Akkus“ aufladen für die letzten gut 60 Kilometer. Mit dem strengen Blick auf die Wellness Uhr löste Malte Christian und mich wieder aus Anfängen längeren pausieren.

Gestärkt ging es auf die Räder, aber nach so einer Pause hat man glatt vergessen wie kalt es draußen ist. Im Kopf rechnete man sich aus, noch 3 mal die Strecke ins Büro und so rollte es sich doch ganz gut. Irgendwann ereilte uns die Dunkelheit, die Lampen leuchteten uns zwar den Weg, aber es ist etwas anderes Nachts auf unbekannter Strecke als den Standardweg ins Büro oder die Hausrunde zu fahren. Wegweiser, Navigation und gute Aufmerksamkeit von allen brachte uns am Ende sicher ans Ziel. Doch bevor es Wellness für uns gab, hielten wir noch an einer Tankstelle und gönnten den Rädern etwas Wellness. Malte fegte mit Gefühl den Schlamm aus Bremsen, Kassette und ach einfach vom ganzen Rad. Wir wussten ja nicht das uns kurz vorm Hotel noch ein Regenguss einholte.

Nach 199 Kilometern und 10,5 Stunden Gesamtzeit errichten wir etwas später als geplant das Nells Park Hotel in Trier. Räder entladen, aufs Zimmer und erstmal heiß duschen. Aufgewärmt und umgezogen ging es zum Abendessen. Das Bier hatten wir uns verdient und die Sauna im Anschluss erst recht. Wellness und gute Nacht!

Zahlen am Rande:

199 Kilometer, 551 Höhenmeter, 8:47 Fahrzeit, 10:34 Gesamtzeit, 22,6 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit, 0°C Durchschnittstemperatur

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Rapha Festive 500

Jedes Jahr ruft die englische Radbekleidungsmarke Rapha zur #Festive500 auf, dabei geht es darum zwischen Weihnachten und Neujahr 500 Kilometer mit dem Rad zurückzulegen. 500 Kilometer in 8 Tagen ist für viele Radsportler kein Problem, allerdings kommt dazu ja noch das übliche Weihnachtsprogram mit vielen Leckereien dem ein oder anderen Glas Alkohol und oft eh schon zu wenig Zeit für diverse Familienbesuche. Als wäre das nicht genug, um es einfach sein zu lassen, kommt in dieser Jahreszeit auch oft noch fieses Dreckswetter dazu.
Die Festive500 ist also der Versuch trotz allem das Rad und sich selbst raus zu jagen. Eine Herausforderung!

Ich hab das Rad über die Weihnachtsfeiertage stehen lassen, keine Festive500. Bei fast 11.000 Radkilometern in 2018 wollte ich Weihnachten mit der Familie verbringen. Vielleicht wollte ich insgeheim auch nicht raus in die Kälte.

Im Weihnachtsurlaub formiert sich in der Radsport What’s App Gruppe die Idee die Festive500 einfach in 2 Tagen zu fahren. Die Idee, einfach 2 Tage Radfahren und nicht jeden Tag 3 Stunden. Malte hatte eine Strecke im Hinterkopf, die er teilweise dieses Jahr schon mal gefahren war, und so wurde aus der Idee der Plan von Koblenz nach Trier und weiter nach Aachen zu fahren. 400 Kilometer in 2 Tagen, die restlichen 100 muss man sich dann vorher zusammenfahren.

Aktueller Stand, noch 3 Tage, 0 von 500 Km gefahren. Heute hieß es Sachen packen, letzte Feinheiten am Fahrrad und morgen geht es los. Etappe 0, von Düsseldorf mit dem IC nach Koblenz. Seid gespannt, ich werde berichten!

Münsterland Giro
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Münsterland Giro

Der 3. Oktober, Tag der Deutschen Einheit, Feiertag. Perfekt für ne Ausfahrt mit Freunden. Zufällig findet an diesem Tag der Münsterland Giro statt und da es im Münsterland ja sehr schön sein soll, hab ich mich mit den Jungs angemeldet.

4:30 Aufstehen, zwei Espresso, ne Banane und ein paar Nutella Brote. Radklamotten an und den Rest ins Auto packen. Um 5:25 hatten wir uns zur Abfahrt verabredet. Wir, das war das „L’Etape du Tour Kernteam“ plus Chris, Henning müsste leider aus Watt/Kg Gründen passen. 2 Autos, 4 Verrückte inklusive Fahrräder auf dem Weg nach Münster.

Nach dem wir unsere Startnummern abgeholt und alles ans Rad gedängelt hatten, standen wir um kurz nach 8 am Start. Um 8:25 starteten die Lizenzfahrer der Klasse A/B und wir durften 10 Minuten später auf die Strecke. Im Startblock trafen wir noch ein paar Bekannte Gesichter aus Düsseldorf und den üblichen Ausfahrten dort (Sunday Sunrise Ride, Facebook Radsport Gruppe, Schicke Mütze und Cycling Club Düsseldorf).

In unserem jugendlichen Leichtsinn gaben wir bei der Anmeldung einen Schnitt von 40Km/h an. Ein 40er auf fast 100 Kilometern ist noch keiner von uns gefahren. Aber man hörte die Aspekte vorher immer sagen, Münster ist schnell, sehr schnell. Unser Plan: einer schnellen Gruppe anschließen und die Tempoarbeit möglichst breit aufteilen.

Vom Start an ging es flott los, 54kmh und mehr im dichten Pulk, Konzentration war gefragt. Bremst einer bremsen alle, es stinkt nach Gummi. Eine Trinkflasche rollt durchs Feld, aber alle sind aufmerksam und bleiben auf dem Rad.

Am ersten „Anstieg“ nahm das Tempo abrupt ab und die Gruppe riss in zwei Teile. Ricardo hat sich taktisch klug vor dem Anstieg in eine gute Position gefahren und war in der vorderen Gruppe. Chris, Malte und ich hingen im Verfolgerfeld. Nach dem Anstieg sortierte sich die Gruppe und „Lokomo-Malte“ guckte vorne mal nach dem Wind.

Malte und der Wind, beide Vorne. Die Tempoarbeit war nicht gerade gut organisiert, es gab gelegentlich mal ein Wechsel, aber in der Regel nahm das Tempo ab sobald Malte aus dem Wind ging. Mit der Zeit bildete sich ein Feld von circa 20 Fahrern, welches durch das Münsterland rollte.

An den Anstiegen, hatte ich das Gefühl, fiel das Tempo enorm. Vielleicht lag es daran, dass die Jungs mit den dicken Beinen in der Regel etwas mehr Gewicht dabei haben und keine Bergziegen sind. Mir lagen die moderaten Steigungen und so ging es wie von alleine nach vorne. Nach dem Anstieg hinter Darup (ca. 36km) erreichte ich den „Gipfel“ ohne das Feld, abgehängt quasi aus versehen. Völlig alleine vorne im Wind macht das ganze kein Sinn, dann lieber ein Feld im Rücken dem der Windschatten etwas bringt. Ich verpflegte mich und kämpfte mit dem drecks PowerBar Energize Riegel, der nicht aus der Packung wollte. Der Riegel verlor am Ende und das Feld fing mich wieder ein. Malte und die anderen Maschinen übernahmen wieder die Kontrolle.

An Kilometer 40 führte ich die Gruppe durch Billerbeck, die Straße ging leicht bergauf, irgendwann fuhr ich raus, aber ich täuschte mich, da kam keiner. Die Gruppe war zurückgefallen. Ich dachte kurz daran den zweiten Riegel auszupacken, aber nach dem Desaster mit dem ersten Riegel verzichtete ich. Ich drehte mich um, nahm raus, hatte was von Profi rumgepimmel… Es dauerte etwas bis das Feld ran rollte. Aber auch dieses Mal stellte sich Malte wieder nach vorne in den Wind.

Chris war genial, wir fuhren immer mal wieder nebeneinander oder hintereinander oder er rollte an mir vorbei und rief nur laut in bester Laune „Was geht Ginooo“. Immer wieder frische Motivation.

40 Kilometer vor dem Ziel meldeten sich meine Waden. Das war wohl die Strafe für das Einstellen der Nahrungsaufnahme. Kack PowerBar Energize Riegel. Ich versuchte mich am Ende des Feldes zu erholen, aber der Kurs war verwinkelt und jede Kurve zog das Feld weit auseinander und es kostete enorm Kraft wieder ans Feld ran zu fahren.

Bei Kilometer 75, hatte Malte initiiert einen Ausreißversuch zu starten. Ich war irgendwie mit mir beschäftigt, konzentriert mich darauf keinen Krampf zu bekommen und kam nicht rechtzeitig nach vorne. Malte und ein Mitfahrer flüchteten und fuhren eine kleine, bei den Windverhältnissen, fiese Lücke raus. Ich dachte *fuck* da musst du mit. Es dauerte etwas bis ich nach vorne kam um dann mit Vollgas hinter her zu gehen. Es sah erst so aus als gingen zwei, drei mit, aber sicher war ich mir nicht. Eine scharfe Linkskurve, maximal durchfahren und dann richtig Druck und der Abstand wurde geringer, allerdings hatten die beiden vorne schon raus genommen. Malte sah mich kommen, rief mir motivierend zu und so waren wir zu dritt. Vorne, wie gehabt Malte. Allerdings gemeinsam mit dem Dritten im Bunde in perfekter Tempoarbeit. Ich durfte mich zwei Runden erholen und dann auch nach vorne. Fühlte sich nach dem Sprint und den Krampfproblemen gar nicht so schlimm an wie erwartet. Aber urplötzlich war auch das Feld wieder da.

Beim nach hinten „Kreiseln“ sagte eine Mitfahrerin noch zu mir, sie würde gern mithelfen, das vorne fairer gewechselt wird, aber sie könne nicht mehr. Ich sagte, ich auch nicht. Lachte und ließ mich weiter zurück fallen, bis ich am Ende des Feldes war. Hungrig, aber immer noch auf Kriegsfuß mit dem Riegel, versuchte ich es mit Trinken. Half nicht. Es riss eine Lücke auf, drei vier Fahrer, ich ging aus dem Sattel versuchte zurück an die Gruppe zu kommen. Das Begleitmotorrad im Nacken. Ich hatte das Gefühl wenn es mich überholt bin ich weg. Die Straße ging wieder leicht bergauf, meine Chance. Ich schaffte es zurück ans Feld. Im Feld frage ich mich dann, was war so schwer, hier roll ich ja nur.

Die Abfahrt war wie die anderen auch eher gemäßigt, ich hatte das Gefühl, niemand wollte nach vorne. Es wurde sogar gebremst! Verrückt, aber wir hatten ja Lokomo-Malte!

Nach Münster rein, nahm das Tempo wieder zu, die Absperrgitter zeigten quasi an, ihr habt es gleich geschafft. Ich glaube alle außer Malte versuchten noch mal alles. Kurz vorm Ziel hat sich bei einem Fahrer neben mir eine Mülltüte im Schaltkäfig verfangen und um die Kassette gewickelt. Gefährliches Ding, aber er hat sehr gut reagiert und das Rad Sturzfrei zum Stehen bekommen.

Malte, Chris und ich trudelten mit wenigen Sekunden Abstand ins Ziel. Nur Ricardo kam mit fast 7 Minuten weniger „weit“ vor uns an.

NameZeitPlatzPlatz AK-WertungGeschwindigkeit
Ricardo02:20:57772940,44km/h
Chris02:26:551184038,80km/h
Gino02:26:571214138,77km/h
Malte02:27:011304338,77km/h

Im Ziel angekommen, tauschten wir noch unsere Eindrücke aus, gönnten uns ein isotonisches Kaltgetränk, eine Ladung Pasta und machten uns dann auf den Weg zurück nach Düsseldorf.

Fazit:

Der Münsterland Giro ist eine gut organisierte Veranstaltung in der „Nachbarschaft“. Start, Ziel, Startnummernausgabe, Parkmöglichkeiten (gratis) alles nah beieinander und gut organisiert. Auf der Strecke merkt man das noch ein Grand Tour Rennen folgt, viel Polizei, alles gut ausgeschildert und abgesperrt. Vor Gefahrenstellen warnen Streckenposten mit Flaggen und durch Pfeifen und Begleitmotorräder und Polizei sichern das Feld von hinten. Das Rennen selbst ging sehr flott los und aufgrund des großen Fahrerfeldes musste man gerade am Anfang besonders aufmerksam sein. Insgesamt verlief das Rennen sehr gesittet, für die gute Teamarbeit sollte man aber sein eigenes Team mitbringen, es fährt halt doch der größte Teil sein „eigenes“ Rennen.

Aber auf jeden Fall: Nachahmung empfohlen 😉

L'Etape Testrunde
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L’Etape Testrunde

Knapp einen Monat vor der „Etape du Tour“ traf sich unser Grupetto auf ein Proberündchen. Es galt die 169 Kilometer und 4000 Höhenmeter, die in Anncey bei der L’Etape auf uns warten, Probe zu fahren, aber wo hier im Rheinland? Gut man könnte stundenlang irgendwelche Abraumhalden hoch und wieder runter und wieder hoch. Kann man aber auch lassen. Ricardo hat aufgrund seiner Leidenschaft für Berge Kenntnis über die „Gebirgszüge“ um Düsseldorf und dessen Rennradtauglichkeit. Hagen hieß seine Lösung, 166km 3300 Hm (geplant).

L'Etape Test Route Hagen

Um 7:40 ging es somit nach Hagen, per Zug. Sollte ja möglichst nah an der Strecke der Etape sein, daher keine großen extra Kilometer. Ankunft Hagen 8:35. Von Hagen ging es quasi direkt in die Berge. Damit am Berg jeder sein Tempo fahren kann, fuhr jeder in seinem Tempo rauf. Berg Nummer 1, ich nenne ihn mal Striepenberg, war eher etwas langezogen und schlängelte sich am Hang hoch. Ich war noch nicht so ganz im „Bergmodus“, Ricardo der Kletterer war quasi direkt vorne weg und Malte litt hinter mir. Nach 20 Kilometern ging es langsam wieder abwärts. Die Spitzkehre lud zur Pause ein, kurzes Foto und auf Malte warten. Zusammen macht es dann ja doch mehr Spaß. Mit Malte ging es die noch nasse Abfahrt runter und dann zur erste Runde auf den Kreinberg.

Der bergauf Teil wartete mit 257m Höhengewinn auf 2,59km, ergo 10% Steigung. Mit Spitzen bis 22% und 14% auf den letzten 600 Metern. Wenn bei solchen Steigungen das Hinterrad durchdreht, weil die Straße noch nass ist, dann ist man plötzlich hellwach. Den Kreinberg erklimmten Malte und ich 3 mal und mit jeder Runde wurde die Straße trockener, so macht die Abfahrt dann auch Spaß.

Am Fuß des Kreinbergs trafen wir uns mit Ricardo, der in der gleichen Zeit bereits jeweils zwei Runden Kreinberg und Wixberg hinter sich hatte. Verrückt. Trinkflaschen auffüllen, ne Cola in die Kiemen und los gehts, „wixen“. 3 Runden Wixberg standen auf dem Programm. 222m Höhengewin auf 2,38km, ergo 9% durchschnittliche Steigung bei Spitzen bis auf 14%.

Um 13 Uhr waren 75 Kilometer und ca. 2500 Höhenmeter auf dem Tacho. Fazit, mega geil, sicherlich auch anstrengend aber die Abfahrten belohnen einen und mit jeder Runde hoch wurde es „leichter“, man kennt die Steigungen, weiß was einen erwartet.
Mit frischen Getränken ging es vom Fuße des Wixbergs quasi nur noch in Richtung Heimat. 100 Kilomter to go 😉

Doch auf dem Weg wartete noch der ein oder Anstieg. So ging es in Altena direkt 257m hoch auf 2,7km im Schnitt 7% aber in der Spitze wieder bis 14%. Weitere Anstiege warteten immer mal wieder mit bis zu 6% auf aber insgesamt wurde es flacher. Um zu später der Tag, um so eher fühlten sich allerdings die 6% wie 12% an.

Die wunderschöne, sehr ruhige Route führte uns vorbei an der Ennepetalsperre, direkt durch den Jahrmarkt in Radevormwald – wir gönnten uns ein Eis – weiter bis zur Wuppertalsperre. Hinter der Wuppertalsperre machten wir uns auf Richtung Norden, hoch nach Burg, weiter nach Wuppertal. Kurz vor Solingen trennen sich unsere Wege. Malte kämpfte sich weiter von Süden an Düsseldorf heran und Ricardo und ich schlugen den Weg von Nord-Osten nach Düsseldorf ran. Über die Sambatrasse ging es bequm weiter. In Wuppertal-Sonnborn war der Trassenspaß vorbei und es ging ab in das städtische getroubel. Parallel mit der Schwebebahn schlängelten wir uns durch die Stadt. Hinter Wuppertal ging es dann durchs Neandertal und Erkrath bis an die östliche Stadtgrenze von Düsseldorf.

In Düsseldorf hieß es dann gemütliches „Ausrollen“. Auch wenn man den Tag in den Beinen spürt, die L’Etape kann kommen 😉

Nackte Zahlen:

Strecke 182,66km
Fahrzeit 7:55:27 (Gesamt: 9:48:30)
Höhenmeter 3.634m
Geschwindigkeit 23,1km/h