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NC4K – Tag 17, Sie haben ihr Ziel erreicht

Dienstag 09.08.2022

Von der Sonne geweckt oder so ähnlich. Auf jeden Fall ein herrlicher Start in den letzten Tag. Es ging früh los, 6:30 drehten sich die Pedale. Wir wollten um 11 am Nordkap sein.

Die Fjorde, bin mir nicht sicher ob ich es bereits erwähnt habe, sind einfach traumhaft. Sicherlich hilft das gute Wetter dabei diesen Eindruck zu bekommen. Aber ich kann es jedem empfehlen, musst ja nicht gleich von Italien mit dem Rad anreisen 😉

Erstes Ziel heute war Honigsvåg 50km vom Hotel entfernt. Auf der wunderschönen Route gab es den Nordkap Tunnel… 6,8km lang führt dieser unter dem Meer durch. Mit 9% Gefälle schießt man in den Tunnel um dann ab der Hälfte die 9% wieder hinauf zu klettern. Es ist ziemlich laut wenn Autos an einem vorbei fahren und 6,8km in einem Tunnel sind auch ziemlich lang. Aber es gibt kein Wind. Alles hat etwas Gutes!

Nach dem langen Tunnel folgte noch ein kurzer und Zack war man in Honigsvåg. Zur Tankstelle, der erste Kaffee des Tages eine Kleinigkeit zu essen und dann weiter.

Von Honigsvåg waren es 29 Kilometer bis zum Nordkap. Die Stecke führt eigentlich nur bergauf, zwei längere Anstiege a 6 und 3 Kilometer und ein paar „rolling hills“. Im Anstieg fuhr jeder sein Tempo. Letzter Tag, da hab ich gedacht sparst du dir den kleinsten Gang und drückst noch Mal die Beine leer! Am Ende war ich eine halbe Stunde vor meinen indischen Freunden oben.

Es war unglaublich die letzten 10 Kilometer, man hat es quasi geschafft. Um 11:36 erreichte ich als 136er das Nordkap. Lustiger Zufall, letztendlich ja völlig egal welcher Platz, ist ja kein Rennen.

Von Italien durch die Schweiz, Österreich, Deutschland, Tschechien, Schweden, Finnland und Norwegen. 3800 Kilometer mit dem Fahrrad. Ein cooles Gefühl. Bin noch ganz gerührt während ich diesen Beitrag schreibe.

Am Nordkap trifft man andere verrückte, welche vom NorthCape4000 Event, andere die einfach so unterwegs waren. Auch mein amerikanischer Freund Al erreichte das Nordkap. Man kennt sich kaum aber es ist halt trifft man ein Freund nach langer Zeit wieder. Fotos, bissl Quatschen, was essen und einfach das ganze realisieren. Ich glaub letzteres dauert noch eine Weile!

Zahlen des Tages
87 Kilometer
1453 Höhenmeter
4:07 Fahrzeit
4:40 Gesamtzeit
21,1 Km/h

Insgesamt war ich 18 Tage unterwegs (eine Tour mit 500km bin ich durch gefahren, daher sind es hier nur 17 Beiträge/Tage. Dabei hab ich 3.905,07 Kilometer zurückgelegt und 25.721 Höhenmeter überwunden. Wahnsinnig 🤣

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NC4K – Tag 13 Rastlos durch Finland

Freitag 05.08.2022

Es ging direkt mit Begleitung los, Al und ich teilten das Zimmer und Krishna und Sashi, die indischen Fahrer trafen wir direkt vor der Wohnung.

So schön das Apartment in Oulu auch war, es gab keine Frühstück. Also erstmal einkaufen!

Die Radinfrastruktur in Oulu ist großartig, wir würden über ein schönen Radweg aus der Stadt geführt.

Leider war das Wetter weniger schön, es fing Recht früh an zu regnen. Aber haben wir eine Wahl? Nein!

Durch den Regen, über die einsamen Straßen Finnlands. Wobei die Hauptstraßen Recht voll waren und man große Teile der Tour aus Sicherheitsgründen nur hintereinander fahren konnte.

Unser erster und beinah letzter Stopp, war nach 40 Kilometer. Der erste heiße Kaffee des Tages.

Nach dem Stopp fing es wieder an zu regnen. Jacke zu und durch! Zwischenzeitlich hatten wir eine Gruppengröße 7 Fahrern, es rollte gut. Auf den großen Hauptstraßen war es schwer dem „Spray“ des Vordermans auszuweichen. Direkt hinter dem Vordermann war es kaum auszuhalten.

Ich ging in die Führung, James folgte mir und ich hatte das Gefühl es rollt super gut. Allerdings verloren wir den Rest der Gruppe. Scheinbar war ich zu schnell unterwegs. Ich sah nur James hinter mir und dachte, okay die anderen sind hinter mir. Dem war leider nicht so, es gab etwas Diskussionsbedarf weil die anderen sich angehängt fühlten aber es konnte alles geklärt werden. Sicherlich war da auch etwas der Hunger und der Regen Schuld. Die letzten Tage funktionierte die Gruppe ja auch super.

150 Kilometer nach dem ersten Stopp hielten wir an einem kleinen Park. Fragten dort nach Kaffee und hatten Glück. Der Mann vor Ort machte uns Kaffee und bat uns rein. Es stellte sich heraus, es war die private Unterkunft des Mannes, kein öffentlicher Park.

Wir waren begeistert von der Gastfreundlichkeit. Kaffee, Kuchen, Saft, Joghurt alles wurde aufgetischt. Wir wussten zünden Zeitpunkt allerdings nicht, das der Mann 10€ pro Nase für deine Gastfreundlichkeit habe wollte. Komische Wende, aber egal wir hatten Kaffee und fühlten uns dort für die letzten 40 Kilometer.

Am Polarkreis angekommen, war der Checkpoint bereits geschlossen. Unklar warum man einen Ort wählt der nur von 10-16 Uhr geöffnet hat, wenn direkt nebenan ein Hotel mit einer 24h Rezeption ist.

Check-in, lecker Abendessen und dann ab ins Santa Clause Cottage. Sehr sehr touristisch hier, ähnelt ein wenig einem Center Parcs.

Zahlen des Tages
234 Kilometer
774 Höhenmeter
9:14 Fahrzeit
11:49 Gesamtzeit
25,3 Km/h

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NC4K – Tag 11, Gruppenausfahrt

Mittwoch  03.08.2022
Wie am Vortag abgesprochen fuhr unsere Gruppe aus James, Krishna, Al und mir zusammen los.

Es wurde wild gequatscht, etwas viel für meine müden Ohren, ich reihte mich hinten ein und irgendwan ging es auch. Vielleicht war ich einfach noch müde.

Nach etwa 20 Kilometer kam das versprochenen Gravel Stück, wobei es größtenteils nur leichter Schotter war.

Es rollte gut, auch Dank Rückenwind. Diesen Wind will aber auch keiner von vorne erleben. Nach etwa 70km erreichten wir ein kleinen Imbiss, es gab Kaffee und Omlet. Das Omlet war großartig, die Mündigkeit war verschwunden und ich fühlte mich super!

Die Landschaft war sehr langweilig, da tat die Abwechslung in der Gruppe gut. Es kristallisieren sich unterschiedliche Fahrer Typen raus. Aber man kommt zurecht.

Das Wetter klarte auf, eine Temperatur Anzeige draußen sagte es einen 17 Grad, naja fühlte sich eher wie 12 an.

Das Hotel in Kustinen war super, netter Service. So wurde extra für uns noch gekocht. Okay „Pommes“ aber nach 250km isst der Radfahrer eh alles.

Zahlen des Tages
137 Kilometer
1276 Höhenmeter
5:32 Fahrzeit
9:14 Gesamtzeit
24,7 Km/h

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NC4K – Tag 8, Halbzeit!

Sonntag 31.07.2022

Frühstück erst um 8 Uhr? Perfekt mich Mal führt auf die Straße zu bekommen. Brote hatte ich mir ja am Vorabend geschmiert und die Vorräte ebenfalls aufgefüllt. Also 8 Uhr „Time to Abfahrt“

Frühstück gab es auf dem Rad, Knäckebrot, Brot mit Schmierkäse und Schinken, Nüsse es war alles da. Nur kein Kaffee aber egal erstmal etwas radeln.

Unterwegs traf ich mein Windschatten Franzosen wieder, wir quatschten kurz und führen eine Weile zusammen weiter. Sammelten noch Feras (#cap195) ein und trennten uns dann nach und nach wieder. Aber es tut gut Mal überhaupt jemanden zu treffen. So quatscht man auch Mal eben ne halbe Stunde oder Stunde beim fahren und zack purzeln die Kilometer

Ich traf dann noch auf Noémie (#cap236) und ihre Freundin Camille (#cap235) die beiden Französinen kämpften auch. Alle mit dem Ziel möglichst bald in Stockholm zu sein.

Es rollte sich besser als gedacht. Die Wellen bin ich ganz ruhig im kleinen Gang gefahren, ein wenig Rückenwind half mit. Die Landschaft glich der gestern. Schön aber wenig los.

Am Nachmittag türmten sich wieder dunkel Wolken auf, es wurde windiger das Regenradar sagt es bleibt trocken also kurze Pause und eine Pizza essen bevor es auf die letzten 60 Kilometer geht.

Aus Nörrköping raus, war deutlich mehr Verkehr und auch die Straßen ausnahmsweise Mal schlechter. Aber ich war ja gestärkt und motiviert bald das Hotel zu erreichen. Ein paar Höhenmeter lagen noch auf der Straße aber umso mehr war das Bier im Hotel dann verdient!

Zahlen des Tages
259 Kilometer
1701 Höhenmeter
10:45 Fahrzeit
12:34 Gesamtzeit
24,0 Km/h

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NC4K | Tag 6, Teil 1, Frühsport

Freitag 29.07.2022

2:15 der Wecker klingelt… Warme Sachen anziehen und ab aufs Rad. Draußen ist es richtig kalt. Wie wird das bloß in Schweden. Krass. Na hab ja noch ein Trikot und ne Regenjacken übrig, sonst muss ich mir wohl noch was gönnen 😉

Nachts ist es zwar kälter, aber die Straßen sind leer. Auf den 65 Kilometer zum Rostocker Hafen haben mich nur 10 Autos überholt (und nein ich war nicht zu schnell)!

5:15 Uhr hab ich den Hafen erreicht, ein paar haben hier übernachtet, wäre auch ne Idee gewesen. Durchfahren entweder Schiff bekommen oder schlafen und am nächsten Tag ein Schiff nehmen. Aber Schiffe sind wohl teilweiser ausgebucht, keine Ahnung ob das auch Fahrradfahrer betrifft oder nur Autos.

Um 6:45 ging es dann zum Schiff, ich hab noch zwei Fahrerinnen getroffen und wir haben zusammen die Räder festgemacht.

An Board gab es erstmal Frühstück und Kaffee! Da mein Handy die Nacht nicht richtig geladen hat, musste ich bis 10 Uhr an der Steckdose verweilen und dann meinen reserviert Liegestuhl wieder frei diskutieren bevor es endlich etwas Schlaf gab!

Zahlen des Tages (Teil 1)

  • 84 Kilometer
  • 387 Höhenmeter
  • 2:32 Fahrzeit
  • 2:34 Gesamtzeit
  • 25,1km/h
  • 1392km von 3800 (37%)

Teil 2 folgt…

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NC4K – Tag 5, Leg day

Donnerstag 28.07.2022

War das eine Arbeit die Sachen die per Post nach Berlin sind in die vorhandenen Taschen zu packen. Ein paar zivile Sachen unter anderem die Schuhe musste ich zurück lassen. Lieber ne warme Jacke als Straßenschuhe!

Alex und ich frühstückten noch zusammen und dann hieß es für mich Abfahrt! Wieder alleine weiter! Dickes Danke an Alex für die 700km Motivation, jemanden zum quatschen oder auch Mal nicht 🙂 Windschatten…

Heute auf den Programm ein lockerer Tag „Leg day“, kaum Höhenmeter und nur 200 Kilometer. Damit die Beine sich Mal erholen können. Fähre nehm ich dann Freitag früh entspannt, statt Donnerstag Nacht noch am Hafen ankommen zu müssen.

Berlin ist übrigens die Hölle (oder schrieb ich das schon?). Von der Wohnung ging es zum Brandenburger Tor auf die Route zurück und dann raus aus Berlin. Ich glaub das waren Mal eben 20km!

Außerhalb wurde es dann angenehmer, Radwege, ruhige Straßen, kleine Ortschaften und viel Landschaft.

Leider gab es auch schlechte Radwege mit Wurzelsalat und viel Passagen mit Kopfsteinpflaster, grobes Kopfsteinpflaster! Da kann man dann nur über den Gehweg. Auch sehr schmal und auch nicht ideal zu fahren. Wer so was als offiziellen Radweg ausruft ist da selbst nie lang!

Wetter war windig, bin Recht früh auf Armlinge umgestiegen und hab die beinah den ganzen Tag angelassen.

Ein Stopp beim Bäcker, 3 Kuchen ein Kaffee gegen die Müdigkeit. Die meldete sich Mal wieder. Im Radio lief auch eine Meldung und zwar von so Bekloppten die 4000 Kilometer mit dem Rad fahren. Mega cool, das die da im Radio drüber berichten.

30 Kilometer vor meinem Tagesziel Teterow, fuhr ich auf einen Franzosen #cap174 auf, er sprach so gut Englisch wie ich Französisch aber mit Händen und Füßen verständigten wir uns. Beinah 20 Kilometer spendete ich ihn Windschatten. Er selbst sagt irgendwann es tut ihm leid er schafft es im Wind nicht. War mir egal, ich hatte eine Motivation nicht die Beine hangen zu lassen. Perfekt! Muss ja eh in die Richtung ob da einer hinter mir ist oder nicht.

Nach 205 Kilometer erreichte ich Treptow, schnell das Rad abstellen, einkaufen und was essen. Der Grieche neben an gab noch ein Ouzu und ne kleine Flasche Wein aus (die ich nicht Mal halb getrunken habe). Duschen, bissl Social-Media, Telefonieren mit den Liebsten daheim und zack ist es wieder spät!



Per Zufall gesehen ich muss morgen spätestens um 6 Uhr in Rostock sein und nicht wie ich dachte erst um 7 Uhr. Mist… Schnell alles zurecht gepackt, warme Jacke raus, Handschuhe… angesagt sind nur 8 Grad am Morgen. Wecker auf 2:30 Uhr gestellt. „Dein Wecker klingelt in 2 Stunden und 50 Minuten“… Gute Nacht!

Zahlen des Tages
212 Kilometer
566 Höhenmeter
8:12 Fahrzeit
9:25 Gesamtzeit 25,8 Km/h

1331km von 3800km (35%)

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NC4K – Tag 4, all night long

Viel unterwegs, wenig Zeit für die üblichen Blog Beiträge, also nicht wundern wenn es was dauert, die Texte kurzer sind. Bilder fehlen vielleicht auch Mal, da hab ich dann nicht so gutes Internet… Kommt aber alles als Nachtrag!

Mittwoch 27.07.22

Heute ging es von Freudenberg nach Berlin. Es ging gleich mit Höhenmetern los. Juhuuu! Nicht!

Es war ein ewiges auf und ab, dazu gab es in Tschechien teilweise richtig schlechte Straßen. Einige Abfahrten konnte man nur langsam runter, da geht die Anstrengungen für den Anstieg quasi spaßlos verloren.

Gegen Abend waren wir auf der Suche nach einem Restaurant und einer Unterkunft letztere weniger dringend. Gut gegessen fährt es sich auch durch. Die Pizzaria unserer Wahl, lag etwas abseits der Route und als wir dort waren war schon Feierabend.. der gute Mann hat 30 Minuten früher schluss gemacht, weil nix los war. Blöd für uns. Da blieb uns nur der REWE als Quelle (der hatte noch auf!)

Also „Street food“ und dann weiterfahren und abwarten wie es läuft!

Um Mitternacht zog Regen auf, Regen wir stellten uns unter mehreren Tannen verbrachten. Aus den 15 Minuten laut Regenradar würde über eine Stunde. Nach dem Regen war es gefühlt eiskalt auf der Rad. Da sehnt man sich nach Anstiegen!
Rettungsdecke unters Trikot und
strampeln bis es warm wird!

Insgesamt kamen wir erstaunlich gut durch die Nacht. In Begleitung von Fuchs, Jgel und Wild war auch immer was Aufmerksamkeit gefragt. Gegen 5 Uhr legten wir uns eine Stunde auf ne Wiese. Herrlich ich war direkt eingeschlafen. Nach der Stunde ging es weiter. Es war bitter kalt und ganz schön weit bis zu einer Ortschaft mit Frühstück. Mittags müssten wir noch Mal schlafen, also kurz stoppen hinkehen und dann weiter.

In Berlin ging es erst an der Wohnung von der lieben Fritzi vorbei, zum Brandenburger Tor. Dann zu einem Freund von Fritzi ein Paket mit den warmen Sachen abholen und wieder in die Wohnung. Über feinstes Kopfsteinpflaster – unfahrbar! Berlin ist das totale Chaos. Besonders wenn man sich nicht auskennt. Schrecklich vorallem nach 500 Kilometer.

Angekommen gab es noch für jeden je eine Portion Pizza und Nudeln. Kühles Bier und Beine ausstrecken.

Zahlen des Tages
505km
4422hm
23:35 Fahrzeit,
33:53 Gesamtzeit
21,4km/h

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Midsommar 500, Vier Höllenhunde auf dem Weg zum Himmel

Wie schon 2020 ging es auch dieses Jahr auf Midsommar Tour. Letztes Jahr rollten Malte und ich noch den Größtenteil alleine, dieses Jahr hatten wir Stefan und Janosch als Unterstützung dazu gewinnen können. Die Route der  „Midsommar 500“ Tour führte von Düsseldorf über Venlo, südlich vorbei an Breda bis nach Helwijk in den Westen der Niederlande. Von Helwijk ging es über Nijmegen und Arnhem zurück nach Düsseldorf. So weit der Plan.

Heute? Morgen?

Samstag um 5 Uhr sollte es losgehen, wäre da nicht der Regen im Anmarsch gewesen. Im Verlauf des freitagmittags kam aufgrund der Wettervorhersage der Vorschlag auf, unsere Midsommar Tour früher zu starten. Am Samstag um 4 oder gleich um 22 Uhr am Freitag? Schlussendlich entschieden wir uns für 0 Uhr. Das sollte reichen um nicht in den Regen zu kommen und Janosch behielt so etwas mehr Zeit zwischen Feierabend und Abfahrt. 

Zehn nach Mitternacht ging es los, über die Fleher Brücke nach Uedesheim. Uedesheim? Ja genau wir haben quasi als erste Amtshandlung die Route leicht verändert. Anstatt durch Grimmlinghausen ging es über Uedesheim raus, die Straßen waren eh frei, da ging es dann auch entspannt über die Landstraße.

Nachtexpress

Frisch und voller Energie drückten wir die ersten Kilometer in die Kette. „Kürzer“ rief man von hinten um dann langsamer zu werden und dem Nächsten ein „Kürzer“ nach vorne zu zurufen. Der Wille war da. Die ersten 30 Kilometer in einer Stunde, es lief. Doch Malte mahnte von hinten um etwas mehr Disziplin. Zu Recht, es warteten schließlich noch 470 Kilometer.

Wir pendelten uns schließlich auf 26-28 Km/h ein und erreichten nach 60 Kilometer gegen 2:15 Uhr die niederländische Grenze. Yeaaah nur noch 440 Kilometer.

Es wurde geplaudert und gewitzelt, die Führung wechselte regelmäßig. Nach einer Passage durch den Wald, ging plötzlich die Sonne schon wieder auf.

Quicky aufm Radweg

Es wurde heller, man sieht sich wieder und so ist Janosch auch die Dichtmilch an Stefans Tasche aufgefallen. Nur fuhr Stefan nicht mit tubeless. Die Dichtmilch entpuppte sich als undichte Fresubinflasche. Zeit für einen kurzen Stop. 4:30 Uhr irgendwo auf einem Radweg in den Niederlanden (Hooge Mierde), Stefan fing an die gesamt Tasche auszupacken um die Sauerei zu beseitigen. 120 Kilometer in den Beinen, Perfekt, dachte ich mir, dann Schlaf ich eine Runde. Also Rad zur Seite gelegt, mich daneben. 5 Minuten Power Nap. Malte und Janosch legten sich dazu. Gute Nacht!

Natürlich war Stefan ruck zuck fertig und es ging weiter. Quasi ausgeschlafen und mit dem Sonnenaufgang im Rücken gen Belgien.

Einmal um den Pudding rum

Plötzlich waren wir in Belgien, ohne dass wir es wussten. Zufällig führte die Route an einem Pudding Fachgeschäft vorbei. 6:47 Uhr, bei „aernouts“ räumte die Dame gerade die Auslage ein, wir räumten diese dann wieder aus.

Was ein Fest nach 164 Kilometern. Teilweise bereute man diese Eskalation mit Pudding schon bevor der Pudding gegessen war, aber gut – wird schon klappen. Pedal the Pudding! Energie ist Energie.

Kaffee gab es leider keinen und auch eine Tankstelle mit Verkauf suchten wir lange vergeblich. So fuhren wir immer weiter und weiter.

Aspirin, Doping fürs Knie

Nach 184 Kilometern machte Janoschs Knie leichte Probleme. Malte packte seine Reiseapotheke aus und half mit etwas Schmerzmittel aus. In guter Tradition der Midsommar500 Touren gab ich meine Beinlinge zur Unterstützung (bzw. es war dieses Jahr nur ein Beinling).

Knapp 50 zähe Kilometer später, in Numansdorp gab es wenigstens Gelegenheit die Getränke aufzufüllen und eine Drogerie für Janosch. Leider hatten die Restaurants noch zu, daher ging es ohne Mittagspause aber mit bandagiertem Knie und frischem Wasser weiter. Neuer Versuch im circa 20 Kilometer entfernten Dordrecht. Bis Düsseldorf waren es auch „nur“ noch 265 Kilometer.

Mittagspause

Die grob 20 Kilometer bis Dordrecht, wurden 35 Kilometer bis kurz hinter Dordrecht. Mein persönlicher Tiefpunkt. Das erfolglose Suchen nach Mittagessen und die Müdigkeit machten mir zu schaffen. Visier hoch, Wind ins Gesicht und sturres Pedalieren. In Sliedrecht fanden wir, nach insgesamt 269 Kilometer und 10 Stunden Fahrzeit, in einer kleinen Fußgängerzone die erste Chance für eine Mittagspause. Endlich Kaffee! In einem kleinen Panini Laden „BEL PANiNi“ bestellten wir uns durch die Speisekarte. Panini für alle! Schließlich war die Hälfte der Midsommar Tour geschafft. Die Angestellten hatten viel Arbeit und wir Zeit um Mal kurz die Augen zu schließen.

Die Pause war nötig, zwei Stunden gönnten wir uns, insgesamt waren wir nun gut 14 Stunden unterwegs. Noch mal ab in den Supermarkt, frische Bananen und Wasser für die kommenden Kilometer einkaufen und dann weiter, nur noch 230 Kilometer. Gut gelaunt und reichlich erholt ging es auf feinsten Radwegen weiter.

Träumchen, ohne Stress und Amplen über die Hauptverkehrsstraßen

Einer für alle, alle für einen!

Janosch biss zwar ordentlich auf die Zähne, aber spätestens nach 280 Kilometer, knapp 100 davon mit dem Knieproblem, war allen klar, die Tour fährt er nicht zu Ende. Kurz vor Gorinchem guckten wir, wo wir ihn auf die Bahn setzten könnten. Wir passten unsere Route an und eskortierten Janosch in Richtung „s’Hertogenbosch“.

Neue Route in grün, Flexibilität ist das A und O, der Weg ist das Ziel… egal welcher!

Mit Windschatten und etwas Schieben versuchten wir es Janosch möglichst angenehm zu machen. Einer für alle, alle für einen.

In Zaltbommel erkannte Malte die Möglichkeit, Janosch noch 15 Kilometer zu ersparen und etwas früher auf die Bahn zu kommen. Janoschs Midsommer Tour war somit nach 313 Kilometern beendet. Stramme Leistung. Respekt! Ich hätte mit dem Knie keine 150 Kilometer mehr getreten. Die kurze Abschiedspause nutzte Malte noch um sein Fuß mit Panzertape zu bandagieren… Blasen drohten mit einem weiteren Ausfall!

Flotter Dreier

Nur noch zu dritt, verfranzten wir uns dann auch direkt und drehten eine Ehrenrunde durch Zaltbommel. Wieder orientiert wurde ordentlich in die Pedale getreten. Mit der Fähre ging es über die Maas und dann weiter bis nach Oss. 342 Kilometer geschafft. Der Wahoo sagt, 13:08 Stunden Fahrzeit. Kurzer Wasserstop und wieder mit Vollgas weiter.

Malte als Wasserträger

Die Beine fühlten sich gut an, die etwas entspannteren letzten Kilometer mit Janosch zahlten sich aus. Das Ziel Düsseldorf in unter 24 Stunden wieder zu erreichen, schien zum Greifen nah. Doch nach 348 Kilometern fing es in Koolweijk an zu tröpfeln…. Regen! Gott sei Dank nur wenige Tropfen… aber der Blick in den Himmel versprach nachschlag.

In Overloon gönnten wir uns eine letzte Pause, einmal Toilette, kalte Cola und Stefan gönnte sich frische Klamotten. Ein kurzer Videocall mit der Family gab noch mal eine extra Portion Motivation für die letzten 100 Kilometer. Nur die Frage ob es in Düsseldorf schon regnet verhallte im Off. Ein Zeichen?

Tut gut auch mal die Schuhe auszuziehen

Wasserschlacht

Nach der Pause ging es wieder zügig weiter, doch wir waren nicht lange zu dritt, ein alter Bekannter kam zurück. Der Regen! Das Wetter vor dem wir quasi schon zum Start der Tour geflüchtet sind hatte uns 70 Kilometer vor dem Ziel eingeholt. Ich dachte „Midsommar“ hatte was mit Sommer, Sonne, Sahnetorte zu tun… aber vielleicht ist es dieser „Klimawandel“ an den keiner glaubt.

Innerhalb von 10 Minuten stand das Wasser in den Schuhen. Windschatten fahren ohne Schutzbleche brachte einem näher wie eine Naturteichfilteranlage funktioniert. Noch 2 bis 3 Stunden durch die Nacht standen auf dem Zettel, bei dem Regen der Tod. Wir entschieden uns in Venlo den Zug zu nehmen. Abfahrt 22.15, keine Ahnung wie viel Uhr es war, aber ein „das schaffen wir locker“ gab mir keinen Grund, das in Erfahrung zu bringen.

In Venlo, kurz vorm Bahnhof sammelte Malte noch eine Scherbe auf, Platten! Unter einer Unterführung konnten wir, wenigstens im Trockenen, den Schaden beseitigen. Die Uhr sagte in 10 Minuten kommt der Zug, der letzte Zug! Zügig aber möglichst Zielgerichtet beseitigte Malte den Platten, Stefan und ich halfen so gut wir konnten und dann ging es zackig weiter… weil es gerade so gut rollte, rollten wir noch mal eben falsch. Schließlich erreichten wir aber den Bahnsteig zeitgleich mit dem Zug.

Endzug

Im Zug kämpfte Stefan mit der Bahn App, erst der nette Zugbegleiter konnte uns mit dem Trick als Start nicht etwa Venlo – nein, nein da steigt man ja nur ein – sondern Kaldenkirchen anzugeben. Zack klappte es auch. In Mönchengladbach mussten wir umsteigen, um nicht zu erfrieren zog ich mir im Bahnhof alles an was ich hatte, kurzes Trikot, langes Trikot, Windweste, Regenjacke. Nach 15 Minuten Warten im kalten Bahnhof ging es wieder in einen warmen Zug.

Um 22:15 erreichten wir Düsseldorf, Malte und ich stiegen aus, Stefan musste noch bis Mettmann. Kaum hatte ich mich von Malte an der Völklinger Straße verabschiedet, fielen die ersten dicke Tropfen vom Himmel. Der Regen aus Venlo hatte mich wieder eingeholt. Ich schaffte es vor dem großen Regen noch nach Hause, ab unter die Dusche und dann lud die beste Frau der Welt zur Pasta Party!

Nackte Zahlen

Am Ende unser Midsommar Tour waren 429,52 Kilometer und 408 Höhenmeter in den Beinen. 16 Stunden und 17 Minuten mit einer Durchschnittsleistung von 116 Watt. Alle Pausen inklusive roter Amplen, Zebrastreifen, offener Brücken summierten sich auf 6 Stunden und 11 Minuten. In Summe waren wir 22 Stunden und 28 Minuten unterwegs. Mehr Zahlen findet ihr auf Strava.

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Midsommar 500, Prolog

Letztes Jahr sind Malte und ich zum ersten Mal auf „Midsommar“ Tour gefahren. Zur Sommersonnenwende ging es mit dem Fahrrad in einem Stück von Düsseldorf nach Amsterdam und zurück.

Mittlerweile ist die Erinnerung an die Schmerzen verblasst. Zeit es noch Mal zu tun. Dieses Jahr führen die 500 Kilometer
Im vergangenen Jahr begleiteten uns Janosch und Stefan schon die ersten 100 Kilometer, dieses Jahr gehen sie in die Vollen und begleiten uns auf der gesamten Tour.

Amsterdam 500, Midsommar Tour 2020
Gino, Stefan, Malte (hinten links), Lui, Janosch und Marlon

Dieses Jahr geht es somit zu viert auf die 500km Runde von Düsseldorf über Roermond nach Dordrecht und dann über Arnheim und Venlo zurück nach Düsseldorf. 4 Leute versprechen weniger Arbeit im Wind und trotzdem gute Gespräche die einem die hoffentlich die Kilometer leichter vom Tacho nehmen.

Midsommar 500 Route Komoot

„PreLUDERS“, Streckentest

Um aggressive, Fahrradfahrer niederfahrende Autofahrer und schlechte deutsche Radwege zu vermeiden. Haben wir den deutschen Teil der Strecke am vergangenen Sonntag Mal unter die Räder genommen. Sehr schön, selbst für deutsche Radwege. Lediglich zwei ungünstige Stellen haben wir in der Midsommar Strecke noch angepasst.

Die Qual der Wahl

Folgt die Frage was nimmt man mit, Aerorenner oder Alupanzer… Arschrakete oder Rahmentasche… Jacke oder Weste. Nach der guten Erfahrung von der ersten Midsommar Tour, bei der am Ende 538km auf dem Tacho standen, würde ich wieder den Aerorenner wählen, allerdings erwartet uns vermutlich ab Samstag Abend Regen. Vielleicht also doch das Rad mit Schutzblechen? Die Arschrakete, da bin ich mir sicher, tausche ich hingegen aus den frühen Erfahrungen durch die Rahmentasche aus. Verspreche mir dadurch leichteren Zugriff aufs Gepäck und eine bessere Organisation des Gepäcks. Bei der Bekleidungsfrage kommt beides in die Tasche, kurze Windweste und dünne Regenjacke.

In weniger als 24 Stunden geht es los

Ich bin gespannt, in ungefähr 20 Stunden geht es los, es wird Zeit die letzten Sachen zu organisieren. Powerbank, Licht und Wahoo laden, Rad fertig machen (wenn man sich entschieden hat welches man nimmt), Tasche packen, Klamotten rauslegen. Und dann geht es Samstag früh raus Mal eben 500 Kilometer in die Kette strampeln.
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