Zieleinfahrt im Leoparden Trikot als HakunaMatataRacingTeam
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Eschborn-Frankfurt

Eschborn-Frankfurt, der Radklassiker. Seit 1962 auf dem Rennkalender der Profis, damals hieß es noch „Rund um den Henninger-Turm„, mittlerweile starten die Männer zum 63. Mal, ein Frauen Elite Rennen gab es bisher nicht, aber seit – ich glaube – 18 Jahren steht der 1. Mai auch für Jedermänner und Frauen im Rennkalender. Dieses Jahr machten zwei Leoparden den Taunus unsicher! Christian und ich gingen für unser Hakuna Matata Racing Team an den Start!

Prolog

Leoparden, bekannt für die schnelle Jagd, sparen sich natürlich die Anreise am Vortag. Manch ein Leopard tanzte sogar noch in den Mai. Schlaf wird überbewertet!

Ich will nix verraten, aber ich war nicht tanzen, müde war ich trotzdem und am Feiertag um 4:00 Uhr aufstehen mache ich üblicherweise nicht. Nicht mal fürs Radfahren. 4:30 Uhr stand Ricardo vor meiner Tür und gab mir sicheres Geleit. Er war zufällig in der Gegend da er gerade für seine 24h Einzelfahrt bei Rad am Ring die Nachtfahrt simuliert und schon 5 Stunden auf dem Rad saß (am Ende 232km, 2437hm, 8h Fahrzeit). Um 5 Uhr war der Partybus von Christian geladen und wir bereit zur Abfahrt… Frankfurt wir kommen!

7:15 Uhr kamen wir am Main-Taunus Zentrum 5km vor Eschborn an. Der Event Parkplatz fast so groß wie unsere Vorfreude. Umziehen, Trinkflaschen füllen, Gels und Trikot, aufsatteln und Abfahrt zum Start…

Ah Moment, im Wagen neben uns gab es noch ein Defekt. Durchstich so kurz vorm Start. Zum Glück Tubeless. Man hilft sich natürlich, die Scherbe wollte allerdings nicht raus. Die Dichtmilch tat ihr Werk, es gab noch ne Ladung Luft und mit der Zuversicht „der Reifen hält“ ging es dann für alle los. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

Randnotiz: der Reifen hielt.

Vom Parkplatz ging es über ruhige Feldwege durchs Grüne auf bestens ausgeschilderter Strecke nach Eschborn. Perfekt um sich etwas warm zu fahren.

In Eschborn sahen wir die Schlange an der Startnummernausgabe und dachten erst es wird knapp, aber es ging richtig flott. Nummer ans Trikot, Rad und Helm. Schnell noch ein Bierchen (alkoholfrei) -Druckbetankung ist einer unserer Paradedisziplinen – und dann rollten wir auch schon in den Startblock 2.

Abfahrt!

Um 8:45 Uhr ging es zackig los, große Straßen führten das Feld vom Start nach Frankfurt. Christian machte vorne richtig Dampf und ich fuhr hinterher. Die ersten 20 Minuten mit 45kmh im Schnitt und Zack biste in Frankfurt. Viel gesehen von Frankfurt habe ich nicht, es ging links, rechts, links, über den Main und wieder über den Main. Sightseeing war nicht drin. Fokus aufs Rennen, stressigste Phase überhaupt. Bloß nicht abräumen lassen und das schnelle Hinterrad halten. Erheblich angenehmer als bei Rund um Köln, aber gibt immer Leute die von rechts durchschießen, Lücken sehen wo keine ist, Kurvenlinien nicht halten. Nach der Kurve die Lücke aufgehen lassen, Flaschen die aus den Haltern flogen… was eine Hektik. Museumsufer, Blick auf Tacho 52km/h, 350 Watt. Ah okay, dachte erst 34km/h und schwere Beine 😉

Nach Frankfurt legte sich der Stress etwas, geballert wurde aber weiter. Mit den ersten Wellen streckte sich das Feld. Die Route führte durch Oberursel, es ging über den Marktplatz und das erste Kopfsteinpflaster Stück rüttelte das Feld wach.

Feldberg

So waren alle wachgerüttelt für den Feldberg. Feldberg… Was ein Name… Klingt wie kleiner Hügel sind aber 532 Höhenmeter allerdings auf 11,1 Kilometer mit einem Schnitt von 5% Prozent eine angenehme Steigung (Strava). Die letzten 1,5 Kilometer gibt es noch mal 1,5% gratis. Aber alles im gelben Bereich (4-7,9%) so das Wahoo Farbschema. Wäre man jetzt vorher die 35 Kilometer nicht schon so geballert, waren die Beine nicht so schwer, naja… Wäre wäre…. Heckenschere…

Christian und ich, artig wie wir nun mal sind, rollten den Feldberg hoch. Christian ist ja immer in guter Form, mit seinem Training für den Ironman Switzerland Thun ist er allerdings trotz Tanz in den Mai richtig stabil unterwegs! Das gibt Mut für die Zukunft, bin ich doch etwas jünger und nehme die Erkenntnis mit, Saufen und Ballern geht über 40 deutlich besser.

Apropos jünger, noch jüngere kamen uns zu Fuß entgegen. „nur noch drei Kurven“… „Haut rein, die andere Gruppe ist nur 5 Minuten vor euch“ … Neben mir Schmunzeln „ah danke, Gott sei Dank nur 5 und keine 6 Minuten“. Bei den Profis kann man die Gruppe 7 Minuten oder mehr vorlassen aber im Hobbybereich fährt man so unorganisiert keine 6 Minuten zu.

Am Feldberg reichte André Greipel einem das Wasser, also mir konnte er es nicht reichen, wie auch, ich fuhr ja auf der anderen Seite der Fahrbahn… Christian hielt an der Verpflegungsstationen am Gipfel, ich dann auch. Eigentlich wollte er nur ein Foto machen, aber dann war ich doch schneller da als gedacht… die Jugend von gestern! Die Mädels boten uns fast alles an, Gel, Riegel, Bananen, Wasser… Wasser in Glaslaschen war mir irgendwie suspekt, wirft man die dann hinter sich auf die Straße? Kam allerdings nicht auf die Idee das in die Trinkflasche zu füllen… Also zwei Gels und weiter!

Vom Feldberg ging es wieder auf großen Straßen runter. Die Abfahrten ein Traum, bis auf eine Haarnadelkurve, alles sehr schnell zu fahren. In der Kurve hatte ich das Gefühl hier bremsen alle etwas mehr als vor der Kurve gedacht.

Die Leute standen an der Strecke, Groß und Klein, Jung und Alt. Großartig Stimmung, super Support vom Streckenrand. Alpenhorn, Blaskappelle, Mülltonnen oder die klassischen Ratschen und Kuhglocken es würde richtig Alarm gemacht.

Wellenreiten im Taunus

Die Strecke war jetzt welliger, Kittelhütte (1,2km, 5,8%, Strava), Oberems (3,9km 3,3%, Strava), Glasshütten (1,5km, 4,7%, Strava). Christian arbeitete viel vorne in der Führung und war auch Mal etwas weiter weg. Aber er hatte nicht nur gute Beine, sondern auch immer ein Blick nach hinten, so fanden wir uns immer wieder. Die Abfahrt teilweise mit bis zu 80 km/h durch putzige Ortschaften. Diese digitalen Geschwindigkeit Messeanlagen leuchteten panisch rot und traurige Smileys strahlten uns entgegen.

In Eppstein wartete nach 71 Kilometern das nächste Kopfsteinpflaster. Mit etwas mehr Schuss als beim ersten Mal ging es durch schmale, schöne urige Gassen über 600m richtiges Kopfsteinpflaster. Flaschen flogen durch die Gegend, ketten tanzten Quick Stepp. Ich hatte mit meinen 25mm Tubular ohne Handschuhe etwas Sorge, dass aus dem Laktat in den Beinen Sahne oder gar Butter wird.

Die Idee in den Gruppen war oft, jemanden finden der Führungsarbeit macht. Oft hieß derjenige Christian, ab und an habe ich mich auch Mal getraut… Dann wirst du überholt und dann hängt man entweder eingekeilt im Pulk und hat Probleme der eigentlichen Gruppe zu folgen oder man hängt hinten und dann wird es wieder langsamer. Ganz komisch. Bei so einem Geeier verlor ich nach 75 Kilometern Christian aus den Augen.

Mit etwas Abstand fuhren wir also durch die Dörfer, besonders lustig wenn die Zuschauer an der Strecke rufen „ah noch ein Leopard“. Generell viel Feedback zum Trikot „geiles Trikot“, „heißes Trikot“, „mega“, „ihr seht gut aus“, „Tiger“. Beim Tiger verdreht man schon gewohnt die Augen.

Merke
Der Tiger ist kein Leopard! Der Tiger hat Streifen, der Leopard Flecken.
Man nennt ein Leopard auch Panther.

Tiger vs. Leopard

Mammolshainer Laktat

Knapp 15 Kilometer später kam ich wieder an Christian ran, also eigentlich hat er etwas rausgenommen. Ich selbst hatte jetzt nicht nur Christian bei mir, auch erste Krämpfe im rechten hinteren Oberschenkel schlossen sich mir an… es zwickt fies. Im Sitzen viele Watt ins Pedal, da meldete sich der Muskel: „Ich glaub du spinnst! Weiter so und ich lass dich absteigen!“.  Ein Gel rein, oh… das Gel vom Feldberg war ja ein Riegel.. lecker… dann noch ein Gel von mir hinterher… das restliche Wasser trinken, alles rein! Leichteren Gang und wo es ging, im Stehen gegen den Krampf arbeiten.

Aber die Laune war gut, der Muskel sauer, aber noch mach ich hier die Ansage und nicht irgendein Muskel. Wie sagte Christian „heute ist kein Tag um zu sterben“. Recht hat er! Kurz vor Schluss bei Kilometer 90 wartete schließlich noch ein Highlight, Mammolshainer Berg, mit teilweiße richtig miesen Steigungsprozenten bis zu 18%. Das Filetstück 140m mit 16,6% im Schnitt…

Eine Wand! Aber gut, so fuhr das kleine Kettenblatt wenigstens nicht umsonst mit.

Ähnlich wie in Belgien bei Lüttich Bastogne Lüttich war die Kunst seine Linie zu finden in der man sein Tempo fahren kann. Bloß nicht stehen bleiben. Vor mir eierten zwei rum, links ging es schneller aber ich kam nicht rüber. Vom Streckenrad brüllten die Zuschauer einem die Motivation in die Beine. Herrlich!

Der letzte Anstieg war geschafft! Manch einer hat alles gegeben… am Ende des Anstiegs sah man ein paar verzweifelte Gesichter am Streckenrand. Einer der Teilnehmer hatte sich so richtig auskotzt, ich dachte mir nur „Schade um all die Kohlenhydrate“. Getrunken hatte er auf jeden Fall genug.

Finale

Das Schöne, nach jedem Anstieg kommt eine Abfahrt, es wurde somit noch Mal schnell. Schnell schmolzen dann auch die verbleibenden Kilometer dahin. 5km knapp 50kmh im Schnitt. Tuff, Tuff, Tuff, die Eisenbahn! Die Erholung in der Abfahrt, reichte um noch Mal kurz vorne zu fahren und Christian aus dem Wind zu holen. Positiver Schmerz. Gott sei Dank kam die Gruppe zügig nach. Den letzten Kilometer haben wir etwas rausgenommen, so konnte wir uns wieder zusammenfinden und gemeinsam ins Ziel rollen.

Einer für alle, alle für einen! Zwei Leoparden machen Eschborn-Frankfurt unsicher

Jetzt erstmal Bier!

Im Zielbereich gab es reichlich Bier (alles alkoholfrei). Niko von DixSept rief mir zu, praktisch so ein auffälliges Trikot (ich erkenn ja die Leute eh schlecht wieder, daher gut, wenn andere mich erkennen). Kurz über das Rennen gesprochen, gemeinsam angestoßen und dann noch etwas länger mit Oliver, der mit uns in der Gruppe fuhr gequatscht. Auf dem Rückweg zum Parkhaus lief Christian noch Martin vom Cycling Club Düsseldorf in die Arme. Scuderia Südstadt, RTC DSD auch am Start. RSC Nierenheim ebenfalls. Die Creme de la Creme trifft sich in Frankfurt.

Epilog

Es ging wieder entspannt zurück zum Parkplatz.  Auto finden, umziehen, Räder im Auto verstauen und Abfahrt! Christian ging noch Mal in die Führung und fuhr die erste halbe Stunde, aber dann war seine Batterie endgültig leer! Wir wechselten und er machte die Augen zu…  Nach einer Stunde Schlaf und so einer Leistung völlig klar. Ich fuhr den Partybus sicher zurück in die Heimat. Einer für alle und alle für einen (hab mich extra im Rennen nicht so verausgabt 😉

In Düsseldorf dann beim Einparken zufällig noch Alex getroffen, schnell noch ein echtes Bier auf den genialen Tag und ab nach Hause.

Fazit

Bestes Wetter, schöne Strecke, geile Landschaft, nette Leute kennengelernt, mega Stimmung an der Strecke! Anreise am gleichen Tag hat gut geklappt, aber ein Abend vorher anreisen und dann besser schlafen ist auf jeden Fall eine Option fürs nächste Mal. Bestimmt nicht das letzte Mal Eschborn-Frankfurt!

Nackte Zahlen:

Kilometer: 103,03
Höhenmeter: 1418
Fahrzeit: 03:05:00
Geschwindigkeit (Durchschnitt): 33,4 kmh/h
Höchstgeschwindigkeit: 81,7km/h
Gewichtete Leistung: 260 Watt

Strecke auf Komoot

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Liége-Bastogne-Liége Challenge 2023

Am Wochenende stand Liége-Bastogne-Liége, la Doyenne – das älteste noch ausgetragene Eintagesrennen und eines der Klassiker des Radsports, auf dem Plan. Seit 1892 kämpfen sich die Profis durch die Ardennen und natürlich gibt es auch eine Version für Hobbysportler. Samstags, ein Tag vor den Profis ging es auf drei Distanzen durch die Ardennen, 80, 155 und 251 Kilometer. Dazu noch eine ordentliche Portion Höhenmeter (1445, 2869, 4442). Die lange Strecke entspricht bis auf wenigen Kilometer dem gleichen Kurs wie bei den Profis.

Ich bin mit meinen Jungs vom Hakuna Matata Racing Team ebenfalls nach Belgien, natürlich um die 251 Kilometer unter die Felgen zu nehmen. Letztes Jahr reichte es für Alex und mich nur für 200 Kilometer und so war „Wiedergutmachung“ angesagt.

Henning und Stefan sind mit dem Rad schon von Düsseldorf nach Belgien, quasi 150 Kilometer Beine warm fahren. Alex, Christian und ich haben die Räder ins Auto geworfen und sind „Watt-arm“ angereist. Vor Ort das übliche, Startnummern abholen, Supermarkt überfallen, die Räder vorbereiten, Abendessen und ein paar Bier. Gute Nacht!

Warm-up

6:20 Uhr die Sonne versteckte sich noch hinter den Bergen, das Thermometer zeigte 4 Grad. Abfahrt! Wir fuhren von Aywaille entgegengesetzt der eigentlichen Route zum Start nach Banneux. Start der Liége-Bastogne-Liége Challenge ist immer in Banneux, eine kleine Stadt 20 Kilometer südöstlich von Lüttich. Die 12 Kilometer und 200 Höhenmeter bis zum Start waren ideal um sich aufzuwärmen. Der ein oder andere zog sich noch schnell ein Kaffee rein und fast pünktlich um 7 Uhr gingen „les léopards“ auf die Strecke.

Die Sonne geht auf, die Leo’s sind raus!

Die ersten 12 Kilometer führten uns erstmal wieder zurück nach Aywaille. Zweites Frühstück? Bierchen? Nein! Stattdessen wartete der erste „benannte“ Anstieg der Côte de Havelange mit 2,8 Kilometern Länge und 5,6% Steigung ein Anstieg der 4. Kategorie. Anstieg hin oder her, im Prinzip geht es ja die ganze Zeit irgendwo hoch, laut Wahoo 40 Anstiege aber 13 dieser Anstiege werden „beworben“.

Nicht nur wir auch die Sonne schaffte es über die Berge und wir ließen eine Gruppe nach der anderen hinter uns. Henning und Mathias machten vorne Druck und wir rollten hinter her. Liége-Bastogne-Liége ist im Prinzip eine RTF, bedeutet die Straßen sind nicht gesperrt und man muss – oder es empfiehlt sich für die Gesundheit – auf den Verkehr achten. Auf seiner Spur bleiben, Kurven nicht schneiden, wenn man nicht sieht ob sie frei sind, Rechts-vor-Links und Ampeln beachten (wobei Ampeln beachten diese Rennradfahrer ja eh nie, hörte ich mal). Für manche war es dann doch ein Rennen, so ballerte eine Gruppe von drei Fahrern trotz Gegenverkehr auf der Gegenspur am Feld vorbei und zog dann unvermittelt ins Feld. Einer touchierte den Vorderreifen eines anderen Teilnehmers, der versuchte alles sich und sein Rad oben zu halten, bremste und flog dann als sein Hintermann ihm auffuhr vom Rad. Mindestens zwei hatte die Aktion abgeräumt, der Verursacher drehte sich nur ein paar Mal um und fuhr einfach weiter. Krasse Nummer!

Waffel!

Noch vor dem ersten Verpflegungspunkt nach 33 Kilometer abgeräumt hat was von Rund um Köln 😉 Wir Leoparden sind alle sicher in Manhay angekommen, kurz ne Waffel und weiter, die Taschen und Flaschen waren schließlich noch voll.

Bei Kilometer 50 ging es knapp 10 Kilometer auf breiter schöner Landstraße bergab nach La Roche. Typisch belgisch scheint wohl das Bremsen in Abfahrten, war es doch schlicht nicht nötigt aber wurde immer wieder festgestellt… Abfahren und einfach genießen! Man fragt sich wann man das alles hochgefahren ist aber gut vielleicht war dies die Belohnung vor der eigentlichen Arbeit? Nach der sagenhaften Abfahrt ging es in den Côte de la Roche en Ardenne, ähnlich des ersten Anstiegs ging es 2,9 Kilometer mit 5,7% bergauf. Wir fuhren jeder unser Tempo Henning der Bergfloh war gefühlt schon in Bastogne und der Rest sammelte sich oben oder dann tatsächlich in Bastogne.

Bastogne

Nach 87 Kilometer kam der zweite Verpflegungspunkt in – Trommelwirbel – Bastogne. Bastogne war zugleich der südlichste Punkt der Strecke und das Ende des totalen Gegenwinds. Wie vermutet trafen wir dort Henning und Mathias. Auch Alex stieß dort wieder zur Gruppe. Meine Beine fühlten sich nicht mehr sonderlich frisch an, scheinbar hing die vergangene Themenwoche „Pendeln im Wind“ und vor allem dieser angebliche „Cappuchino Ride“ mit DixSept am Mittwoch noch in den Muskeln. Spannend, sind es ja nur noch 164 Kilometer und ca. 3500 Höhenmeter.

Heulen bringt nix! Dieses Jahr wird Liége-Bastogne-Liége zu Ende gefahren! Von Bastogne ging es flott raus, breite Straße, dreckiger Radweg aber stetig bergab. Irgendwann durfte man runter von der breiten auf eine kleinere, ruhige Straße, „Bunny Hop“ über drei üble Kopfsteinpflaster Hubbel, zack fliegt einem die Trinkflasche aus dem Halter… gerade so nicht drübergefahren aber rechts am Rand stand schon ein Kind mit bestimmt 10 verschiedenen Trinkflaschen. Scheint häufiger ne Flasche zu fliegen. Die kleinere Straße führte zum 3. Anstieg, bei Kilometer 107 ging es in Houffalize den Côte de St. Roch hoch. Nur knapp ein Kilometer lang aber 12% durchschnittliche Steigung mit Spitzen um die 16% führen auf einer kleinen Ortsstraße durch die Häuserreihen. Herrlich belgisch!

Halbzeit

Nach der Hälfte, kamen wir in Gouvy zur 3. Verpflegungsstation. Dort richtiges Essen! Nuden! Ich nahm mir gleich zwei Portionen. Gemütlich etwas essen und ein wenig mit den Jungs quatschen ist ja ne RTF und kein Rennen! Gut gestärkt ging es weiter, die Beine waren noch da, aber frischer wurden sie nicht. Dafür wurde das Wetter schlechter, es fing an zu nieseln. Belgien ohne Regen wäre auch Betrug! Stefan war uns nach vorne entwischt. Erst war er hinter uns und während wir entspannt weiter rollten ballert er mit einem Affenzahn ans uns vorbei! Ciao… bis zur nächsten Verpflegungsstation in Stavelot (Kilometer 165) bekamen wir ihn nicht mehr zu sehen. Neben den typischen Wellen kamen auch immer wieder Abschnitte auf denen man einfach laufen lassen konnte, Vollgas minutenlang bergab ohne viel Verkehr oder schweren Kurven. Christian machte Tempo, ich hing mich in seinen Windschatten und so zog er mich aus meinem Tief raus. Vermutlich hatte ich auf dem ersten Stück bis Bastogne einfach zu wenig gegessen, mit diversen Gels, Bananen, Waffeln und Kuuuuuuuchen versuchte ich das seit Bastogne aufzuholen.

Zwischen dem ganzen Verpflegen kamen auch mal wieder zwei offizielle Anstiege, nach 158 Kilometer ging es in den Côte de Wanne (5. Anstieg), der nach einer kurzen Abfahrt direkt in den Côte de Stockeu (6. Anstieg) führte. 1,1 Kilometer und 11,5 Prozent Steigung im Schnitt mit Spitzen bis zu 20%, da freut sich das 36er Ritzel. Gemütlich geht es den Anstieg hoch am Straßenrand jubeln uns hier und da mal ein paar Leute zu und holen noch ein zwei Watt aus einem raus. Am Gipfel des Stockeu steht ein Denkmal zu Ehren Eddy Merckxs der Liége-Bastogne-Liége 5 Mal gewann (1969, 1971, 1972, 1973, 1975) und damit der Fahrer mit den meisten Siegen ist. Remco Evenepoel hat dieses Jahr seinen dritten Sieg eingefahren (2021, 2022, 2023) und ist mit seinen 23 Jahren auf einem guten Weg den Rekord von seinem Landsmann einzustellen.

„Keep right“

Die Abfahrt vom Stockeu hatte ich schlechter in Erinnerung aber vielleicht lag es an der schlechteren Form… neuen Asphalt oder sonstige Instandhaltung von Straßen in Belgien kann man ja getrost ausschließen. Vielleicht etwas enger, aber das ist ja nicht unbedingt schlechter. Nach 165 Kilometer erreichte man Stavelot. Stavelot liegt genau zwischen den Anstiegen Côte de Stockeu und dem Côte de la Haute-Levée und ist der Ort der 4. Verpflegungsstation. Das übliche, irgendwas zu essen packen und rein damit. Die Auswahl nahm gefühlt immer mehr ab. Auch dauerte es hier eine Ewigkeit bis man seine Trinkflasche füllen konnte. Es gab quasi nur eine Station an der man sein Trinken auffüllen konnte und das Prinzip des Anstellens war nicht allen Teilnehmern klar. Es fing an zu regnen, schnell die Regenjacke drüber und weiter. Zunächst sogar typisch belgisch auf Kopfsteinpflaster. Bei Liége-Bastogne-Liége eher die Ausnahme. Keine Ausnahme waren die Anstiege. Der Côte de la Haute-Levée ist der 7. Anstieg mit 3,6km Länge, 202hm und 5,6% Steigung wesentlich einfacher zu fahren als der Stockeu aber auch weniger spektakulär! Größte Schwierigkeit hier, der Autoverkehr! Warntafeln zeigen mit „Keep right“ an, es wird eng! Dank Betonwand als Mittelstreifen ist hier viel Geduld der Autofahrer gefordert. Die meisten fahren Ewigkeiten hinter den Rennradgruppen hinterher, dem ein oder anderen Platz aber dann doch mal eine Sicherung. Über die gesamte Strecke waren solche Ausfälle aber doch erstaunlich selten. Muss man doch sagen auch die Radfahrer legten manche Ampel oder Rechts-vor-Links Situation recht flexibel aus.

Die Strecke führte Richtung Nordosten nach Francorchamps unweit der bekannten Formel 1 Rennstrecke Spa-Francorchamps vorbei. Letztes Jahr hörte man hier sogar die Motoren heulen, dieses Jahr stand der Wind vermutlich ungünstig. In Francorchamps drehte man dann wieder Richtung Südwesten und nahm Anlauf auf den 8. Anstieg, den Côte de Rosier. Mit 4,4 Kilometern einer der längeren Anstiege bei Liége-Bastogne-Liége. Nach einem U-Turn warten durchschnittlich 5,8% mit Spitzen über 10% auf die Oberschenkel. Oben das übliche man hält einfach unvermittelt an oder zieht von der Mitte unvermittelt nach Links um seinem Schatz ein Bussi zu geben… „me first“. Aber gut nach 185 Kilometern ist man vielleicht auch etwas müde. Mir taten die Anstiege gut, die Beine erholten sich, vermutlich kam das – gefühlt – dauerhafte Essen an!

Die Abfahrt durch den Wald war zwar verregnet und der Asphalt nicht sonderlich geil, aber es machte nach wie vor „Spa-ß“. Keine Autoseele weit und breit einfach nur großes Blatt und abfahren! Der nächste Anstieg ließ schließlich nicht lange auf sich warten. 10 Kilometer später ging es direkt hinter Spa in den Anstieg Nr. 9. Rauf zum Côte de Desnié. Das steilste Stück der 6,5 Kilometer wartete direkt am Anfang auf dem Weg durch den Ort Desnié mit bis zu 12% Steigung, hinten raus wurde es flacher bevor es wieder fast 10 Kilometer nur bergab geht. Die Belohnung!

Côte de la Redoute – Belgisches Volksfest

Nach der Abfahrt passierte man wieder Aywaille, im Ziel war man aber noch nicht. Statt Siegerbier gab es aber die 5. und letzte Verpflegungsstation. Noch mal den Bauch voll schlagen bevor es in die letzten Anstiege geht! Direkt nach der Verpflegungsstation ging es in den vielleicht bekanntesten Anstieg von Liége-Bastogne-Liége, den Côte de la Redoute (10. Anstieg). Hier wurden schon einige der Profirennen entschieden. Bemalte Straßen, Wohnwagen säumen den Weg, Reggea schallt aus den Lautsprechern bis niederländischen Schlager übernimmt… ein geiles Gefühl! Erinnert man sich gleich an die Bilder aus dem Fernsehen, und sieht vor sich wie die Profis den Anstieg erklimmen. Der Anstieg selbst die Leute trinken Bier, machen Stimmung! Der Veranstalter nahm hier sogar die Zeit ab, 10:32, für 1,54 Kilometer (9,8%), Remco Evenepoel brauchte nicht mal die Hälfte (04:12).

Vom Côte de la Redoute waren es noch 40 Kilometer bis ins Ziel. Man mag es kaum glauben aber Liége-Bastogne-Liége führte doch auch nach Liége. Für die Profis endete La Doyenne auch tatsächlich in Liége. Wir Jedermänner und Frauen durften nur etwas Liége schnuppern. Kurz bevor es in die Stadt ging, kommt der Côte de la Roche-aux-Faucons. Der 12. Anstieg war mit seinen 4,32km und 4,2% ein zähes Ding, im ersten Drittel tauchten auch mal ne 18% auf dem Wahoo auf. Dann ging es kurz bergab und das letzte Drittel knackte dann wieder die 10% Marke. Aber jammern nützte nix… beißen!

Der letzte Anstieg!

Wir drehten Liége den Rücken zu und nahmen Anlauf in den letzten der 13 offiziellen Anstiege. Der Côte de Cortil. Das schwerste des nur 2,6 Kilometer langen Anstiegs war nicht der Anstieg selbst (Durchschnittlich 6,6%) sondern der Autoverkehr, sinnlose Überholmanöver in Lücken die es nicht gab forderten noch mal besondere Aufmerksamkeit. Einmal im Jahr ist hier Liége-Bastogne-Liége aber dann hat man es eilig und quetscht sich durch? Aber gut, wollen wir nicht meckern, in Deutschland wäre es deutlich schlimmer! Nach der Abfahrt hatte man es eigentlich geschafft, kurz vor Banneux standen allerdings drei Wegweiser falsch und sorgten dafür, dass der ein oder andere Teilnehmer falsch abbog, so auch ich. Aber Christian und der Blick auf den Wahoo verrieten mir, ich bin falsch und so drehte ich direkt um und konnte schlimmeres vermeiden.

Das Ziel zum Greifen nah, flog man die letzten Kilometer hoch zum Ziel und dann war das Ding im Sack!

Stark! Endlich! War ein Stück Arbeit aber Christian hat mich im entscheidenden Moment mitgezogen und auch das restliche Team hat stark gearbeitet und alle haben die Kiste nach Hause gebracht! Leo’s for Life!

Die nackten Zahlen

251 Kilometer, 4444 Höhenmeter in 9:46 Stunden (Brutto: 11:20)!
194 Watt (225 Watt NP), 6692kal, 25,7kmh

Bier! Pommes! Gute Nacht!